Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel wird Feinstaubproblematik in Dresden nicht lösen

23.05.2013
Das Jahresmittel der Feinstaubbelastung in Dresden wird durch den Klimawandel bis zum Jahr 2100 wahrscheinlich nur geringfügig zurückgehen.

Obwohl höhere Temperaturen in Dresden generell dafür sorgen, dass Emissionen aus Heizungsanlagen zurückgehen und dass flüchtige Partikelbestandteile verdampfen, haben beide Effekte bis 2100 nur einen geringen Einfluss auf das Feinstaub-Jahresmittel.


Messcontainer des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in der Winckelmannstraße Nähe Hauptbahnhof Dresden, in dem unter anderem auch Feinstaub gemessen wird.
Foto: Tilo Arnhold/TROPOS

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Abschätzung von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS), die kommende Woche auf der internationalen Konferenz CCRR-2013 (Climate Change and Regional Response) des Projektes REGKLAM in Dresden vorgestellt wird.

Die Wissenschaftler warnen davor, künftig weniger zur Verbesserung der Luftqualität im Talkessel von Dresden zu tun.

Veränderungen des regionalen Klimas können sowohl direkte als auch indirekte Einflüsse auf die Feinstaubkonzentration und -zusammensetzung in einer Stadt haben. Um abzuschätzen, inwieweit die Partikelkonzentration und -zusammensetzung durch den Klimawandel in Zukunft in Dresden beeinflusst werden, wurde zunächst der Ist-Zustand charakterisiert. Dazu sammelten und analysierten die Wissenschaftler im Zeitraum 2008-2012 Partikelproben im urbanen Hintergrund der Stadt Dresden. Je nach Jahreszeit und meteorologischer Situation während der Probenahme wurden die Proben anschließend in acht Kategorien geordnet.
„Mithilfe der Auftrittshäufigkeiten der einzelnen Kategorien, die aus langjährigen Beobachtungen bekannt sind, lässt sich aus den gewonnenen Daten die heutige mittlere Partikelkonzentration und ihre chemische Zusammensetzung in Dresden berechnen“, erklärt Sebastian Scheinhardt vom TROPOS. „Dank der Kooperation mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) konnten wir direkt in der Nähe des Hauptbahnhofs in der Winckelmannstraße messen. Außerdem hat uns das LfULG Daten zu Spurengasen und zur Meteorologie zur Verfügung gestellt, die uns eine große Hilfe bei der Beurteilung unserer Ergebnisse waren.“

Der Klimawandel wird sich auch in veränderten Häufigkeiten der einzelnen Kategorien niederschlagen. Diese Änderungen können aus Klimamodellen ermittelt werden, wodurch eine Abschätzung der zukünftigen mittleren Partikelkonzentration und -zusammensetzung in Dresden möglich ist. So wird erwartet, dass insbesondere die kalten Wintertage, die bisher sehr hohe Feinstaubwerte zeigten, im Zuge der globalen Erwärmung seltener werden. In ihrer Abschätzung konnten die Forscher nun zeigen, dass dies voraussichtlich nur einen geringen Einfluss auf das Feinstaub-Jahresmittel hat. Das PM10-Jahresmittel in Dresden könnte demnach bis zum Jahr 2100 um maximal 16 Prozent zurückgehen. „16 Prozent sind für einen Zeitraum von fast neun Jahrzehnten nur ein marginaler Wert, zumal wir keine Informationen darüber haben, wie sich wirtschaftliche, technologische und soziale Aspekte bis 2100 ändern werden“, erläutert Scheinhardt. „Hinzu kommt, dass einige flüchtige Feinstaub-Bestandteile bei höheren Temperaturen nicht einfach verschwinden, sondern verdampfen – sie sind also immer noch als Gas vorhanden.“ Da der Klimawandel die Feinstaubproblematik in Dresden demnach voraussichtlich nicht signifikant verbessern wird, folgern die Forscher, dass gezielte Maßnahmen zur Luftverbesserung der einzige Weg bleiben, um die menschliche Gesundheit auch in Zukunft wirkungsvoll zu schützen.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Modellregion Dresden wurden im Rahmen des Projektes REGKLAM (REGionales KLimaAnpassungsprogramm für die Modellregion Dresden) untersucht, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) koordiniert wird. Ziel ist es, gemeinsam mit lokalen Partnern in Industrie, Verwaltung und Wissenschaft ein umsetzungsorientiertes regionales Programm zur Klimaanpassung zu entwickeln, das nicht nur mögliche Auswirkungen untersucht, sondern auch Maßnahmen vorschlägt, um negativen Auswirkungen entgegenzuwirken und Chancen, die der Klimawandel mit sich bringt, zu nutzen. Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) beschäftigte sich dabei mit der Luftqualität in Dresden.

Seit 2005 entwickeln zahlreiche regionale Akteure unter dem Dach von REGKLAM gemeinsam ein Klimaanpassungsprogramm für Dresden und sein Umland. Im Rahmen des Projektes findet nun auch ein internationaler Austausch statt. Rund 180 Teilnehmer von fünf Kontinenten werden zu der Konferenz „Climate Change and Regional Response 2013 – Impacts and adaptation strategies for public, commercial and private actors (CCRR-2013)“ nach Dresden kommen. Diese widmet sich Ende Mai in Dresden den regionalen Folgen des Klimawandels. Die geplanten 13 Workshops spiegeln die Bandbreite der vom Klimawandel betroffenen Handlungsfelder wider: Regional- und Stadtplanung, grüne Infrastruktur und Gebäude in Kommunen, Wasserhaushalt, Luftqualität, Land-, Forst- und gewerbliche Wirtschaft sowie Naturschutz. Organisiert wird die Konferenz durch das interdisziplinäre Projekt REGKLAM (Regionales Klimaanpassungsprogramm für die Modellregion Dresden) unter Leitung des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR).
Tilo Arnhold

Weitere Informationen:
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS)
Sebastian Scheinhardt, Prof. Hartmut Herrmann, Abteilung Chemie
Tel. 0341-2717-7301, -7024
http://www.tropos.de/ift_personal.html
http://www.tropos.de/info/herrmann_h.pdf
oder
Tilo Arnhold, TROPOS-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0341-2717-7060
http://www.tropos.de/ift_personal.html

Publikationen:
Sebastian Scheinhardt, Silvia Leise, Gerald Spindler, Konrad Müller, Yoshiteru Iinuma, Frank Zimmermann, Jörg Matschullat, Hartmut Herrmann: Climate change impact on size-segregated PM10 mass concentration and composition in Dresden (Germany) by 2100 – an estimate. Climate Change and Regional Response (CCRR), Dresden (27.05.2013 – 29.05.2013), Vortrag.

Sebastian Scheinhardt, Gerald Spindler, Silvia Leise, Konrad Müller, Yoshiteru Iinuma, Frank Zimmermann, Jörg Matschullat, Hartmut Herrmann: Comprehensive chemical characterisation of size-segregated PM10 in Dresden and estimation of changes due to global warming. Atmospheric Environment 75 (2013), S. 365-373.
http://dx.doi.org/10.1016/j.atmosenv.2013.04.059

Sebastian Scheinhardt, Gerald Spindler, Silvia Leise, Konrad Müller, Yoshiteru Iinuma, Achim Grüner, Frank Zimmermann, Jörg Matschullat, Hartmut Herrmann: Abschätzung der größenaufgelösten Partikelkonzentration und -zusammensetzung anhand wetterlagenorientierter experimenteller Messungen – REGKLAM-Ergebnisbericht zu Teilprojekt 2.2b, 57 Seiten, 2012.

Links:
Konferenz:
Climate Change and Regional Response, 27. – 29. Mai 2013, Dresden
http://www.ccrr-2013.de

Projekt:
REGKLAM – Entwicklung und Erprobung eines integrierten regionalen Klimaanpassungsprogramms für die Modellregion Dresden
http://www.regklam.de

Europäische Forschungsinfrastrukturen helfen, Probleme mit der Luftqualität zu lösen (Pressmitteilung vom 15. Mai 2013)
http://www.eurekalert.org/pub_releases_ml/2013-05/aaft-efh051513.php

Green Week Conference 2013 "Cleaner air for all"
http://greenweek2013.eu/

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 86 selbständige Forschungseinrichtungen verbindet. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der WissenschaftsCampi –, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 16.500 Personen, darunter 7.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro.

http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Informationen:

http://www.ccrr-2013.de
- Climate Change and Regional Response, 27. – 29. Mai 2013, Dresden

Tilo Arnhold | TROPOS
Weitere Informationen:
http://www.ccrr-2013.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde
23.01.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie