Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimarekonstruktion im Regenwald: Pflanzenwachse geben Einblick in die letzten 24.000 Jahre

17.06.2014

Rund um den Indischen Ozean verteilen sich die Niederschläge extrem unterschiedlich

Wenn es im Regenwald auf Sumatra besonders stark regnet, müssen Mensch und Tier im ohnehin trockenen Ostafrika mit Dürre rechnen. Dieses zyklisch auftretende, Klimaphänomen existiert schon seit 10.000 Jahren, schreibt ein Team des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F), California Institute of Technology, University of Southern California und der Universität Bremen heute im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Die Pilotstudie erlaubt Einblicke in das Klimasystem einer Region, deren Niederschlagsmuster einen großen Einfluss auf das Weltklima haben.


Entnahme eines Sedimentbohrkerns.

Copyright: E. Niedermeyer

Die Tropen spielen eine entscheidende Rolle im globalen Klimageschehen, hier entstehen z. B. Klimaphänomene wie der Monsun und El Niño. Eine der klimatisch bedeutendsten Regionen ist der Indopazifik in Südostasien. Einerseits verdunsten hier große Wassermassen und gehen so in die globale Atmosphärenzirkulation ein; andererseits fallen in dieser Region weltweit die höchsten Regenmengen. Um die Muster und Dynamiken dieser Niederschläge besser zu verstehen, hat ein Forscherteam jetzt rekonstruiert, wann und wie viel es vor Indonesien in den letzten 24.000 Jahren geregnet hat.

Klimaphänomen am Indischen Ozean existiert bereits seit 10.000 Jahren
Laut der Studie ist es naheliegend dass der so genannte „Indischer Ozean Dipol“ bereits seit 10.000 Jahren ein fester Bestandteil des Regionalklimas ist. Das saisonale Ereignis tritt heutzutage etwa alle fünf bis sieben Jahre auf. Unter anderem kommt es zu Abweichungen der Niederschlagsverhältnisse am östlichen und westlichen Rand des Indischen Ozeans, die miteinander gekoppelt sind. Wenn es an der Westküste von Indonesien besonders viel regnet, hat Ostafrika im Gegenzug mit besonderer Trockenheit zu kämpfen, und vice versa. Ein ähnliches Muster fand sich auch im 30-Jahresmittel der letzten 10.000 Jahre. „Solche Einblicke in die Vergangenheit helfen uns, das Ausmaß der natürlichen Schwankungen von Regenmengen – insbesondere mit Blick auf den Klimawandel – besser abzuschätzen.“ so die Leitautorin der Studie, Dr. Eva Niedermeyer, LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F).

Pflanzenwachse als Zeitzeugen früheren Klimas
Für die Studie nutzten Niedermeyer und ihre Kollege einen Sedimentbohrkern, der vor Sumatra in 481 m Tiefe unter dem Meeresspiegel gewonnen wurde. Im erbohrten Meeresboden sind Blattwachse höherer Landpflanzen konserviert, d.h. die Wachsschicht auf der Blattoberfläche, die beispielsweise vor Austrocknung schützt. In pflanzlichem Material gebundener Wasserstoff stammt primär aus Niederschlag, somit lässt sich aus der Wasserstoff-Isotopenzusammensetzung von Blattwachsen schließen, welcher Regenintensität die Pflanzen ausgesetzt waren. Der vergleichsweise kurze Zeitraum der direkten Klimaaufzeichnung lässt sich damit indirekt weit in die Vergangenheit verlängern.

Meeresspiegelanstieg beeinflusste Niederschlagsmuster in Nordwest Sumatra langfristig wenig
Die zunehmende Erwärmung und Schmelzen der polaren Eisschilde mit dem Ende der letzten Eiszeit ging mit einem Anstieg des Regenfalls in der Region rund um Indonesien einher. Im westlichen Indopazifik hat sich die Regenmenge jedoch nicht maßgeblich verändert, hier hat es gegen Ende der letzten Eiszeit bereits in etwa so viel geregnet wie heute. Vielmehr bestimmten die Küstenlinie des Sunda-Shelfs und im spezifischen die Topografie des westlichen Randes der Region, wie viel es vor Ort während der letzten 24.000 Jahre geregnet hat. „Das ist ein unerwartetes Ergebnis, weil bisherige Studien davon ausgegangen waren, dass die gesamte Region auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit trockener als heute war.“, resümiert Niedermeyer.

Pilotstudie für klimatisch brisante Region
Wie die Studie zeigt, sind Schwankungen der Niederschlagsmengen langfristig nicht per se durch den Menschen verursacht. Das heißt jedoch nicht, dass die heutigen Extremwetterereignisse an den Rändern des Indischen Ozeans und insbesondere die Häufigkeit des Auftretens nicht menschlichen Einflüssen unterliegen. Mit Blick auf das Bevölkerungswachstum in dieser Weltregion ist ihre klimatische Zukunft außerdem politisch von großer Bedeutung. Basierend auf der Pilotstudie können nun in diesem Gebiet künftig detailliertere Untersuchungen durchgeführt werden, um die klimatischen Phänomene und die ihnen zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen – was eine Voraussetzung für Klimaprojektionen in höherer Auflösung ist.

Publikation:
Niedermeyer, E.M., Sessions, A.L., Feakins, S.J., Mohtadi, M.: Hydroclimate of the western Indo-Pacific Warm Pool during the past 24,000 years. – Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI: 10.1073/pnas.1323585111

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Dr. Eva Niedermeyer
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69 7542 1882
eva.niedermeyer@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F),
Pressereferentin
Tel. +49 (0)69 7542 1838
Sabine.wendler@senckenberg.de 

 
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wech-selwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK‐F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes‐Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Akteuren aus Wissenschaft, Ressourcen‐ und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben.

Mehr unter www.bik‐f.de

Sabine Wendler | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie