Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimakiller Abholzung, Verwüstung und Urbanisierung

04.12.2009
Wissenschaftler sehen in der Vernichtung von Vegetationsflächen einen Hauptfaktor für die Erderwärmung

Jeden Tag werden weltweit 350 Quadratkilometer Wald vernichtet, 150 Quadratkilometer gehen durch Urbanisierung verloren. Die Wüstenbildung schreitet täglich mit 300 Quadratkilometern voran. Diese 800 Quadratkilometer entsprechen in etwa der Fläche Berlins.

"Auf den Klimawandel hat die Verringerung der Vegetationsflächen enorme Auswirkungen", sagt der Landschaftsplaner Dr. Martin Buchholz von der Arbeitsgruppe "Watergy" am Institut für Architektur der TU Berlin. "Durch die Vernichtung von Vegetationsflächen und durch Nutzungswandel kommt es zu einer immer stärkeren Abnahme der Verdunstungskühlung auf der Erdoberfläche."

Für Martin Buchholz, Marco Schmidt und eine Gruppe slovakischer, tschechischer und weiterer deutscher Forscher ist die Abnahme dieser Verdunstungskühlung der Hauptfaktor für die Klimaerwärmung neben dem Kohlendioxidausstoß. Auf einer im slovakischen Košice am 1. Dezember 2009 veranstalteten Konferenz "Eine neue Initiative für die Regeneration des Klimas" haben sie ein gemeinsames Protokoll verabschiedet, dass den Fokus legt auf die Vorgänge des Wasserhaushalts in der Natur, also der Verdunstung und Kondensation von Wasser als klimastabilisierender Faktor. "Der Einfluss von Wasser und Vegetation auf den Klimawandel wird in der gegenwärtigen Debatte um den Klimaschutz zu wenig berücksichtigt", so Martin Buchholz und Marco Schmidt.

"Jeder Mensch kennt das Phänomen der Verdunstungskälte, wenn man bei hochsommerlichen Temperaturen nach dem Baden trotzdem fröstelt", sagt Martin Buchholz und fährt fort: "So wie Wasser auf den Wasseroberflächen der Meere, Seen und Flüsse verdunstet, verdunsten auch Pflanzen Wasser. Und mit jedem Kubikmeter, der etwa durch zwei bis drei große Bäume am Tag verdunstet wird, kann der Umgebung 680 Kilowattstunden Energie (das entspricht der Energiemenge von rund 60 Litern Heizöl) entzogen werden." Diese Energie verschwinde aber nicht, sondern werde bei der Kondensation des Dampfes in der Atmosphäre als Wärme wieder freigesetzt. Wenn aber Flächen übernutzt, entwässert oder versiegelt und Wälder abgeholzt würden, also Vegetation verschwinde, könne kein Wasser mehr verdunsten und die Kühlung setze aus. Die Sonnenstrahlung werde nicht mehr wie zum Beispiel im Wald zu 80 Prozent in Verdunstungskälte umgewandelt, sondern in fühlbare - oder wie die Wissenschaftler sagen - in sensible Wärme. Die fehlende Verdunstung und die trockenen, überhitzten Flächen führen wiederum zu weniger Niederschlägen, wodurch der klimatische Effekt mehrfach verstärkt wird.

"Da die mangelnde Verdunstung durch die Degradierung oder Zerstörung von Vegetationsflächen, die wiederum durch ökonomisches Handeln, zum Teil auch durch Armut verursacht werden, maßgeblich für den globalen Klimawandel verantwortlich ist, müssen wir uns viel stärker über Maßnahmen für eine nachhaltige Landnutzung und deren Optimierung Gedanken machen", sagt Marco Schmidt. Die Begrünung von Dächern und Fassaden, um zum Beispiel urbane Gebiete wie Städte zu kühlen, sei eine von vielen Möglichkeiten.

3028 Zeichen

Links zum Thema:
http://www.ourclimate.eu/userfiles/KOSICE_CIVIC_PROTOCOL.doc
EU-Projekt: "Cycler Support" an der TU Berlin:
http://www.emwis.net/thematicdirs/news/2008/12/eu-project-cycler-suppport-implementation-guide

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Dipl.-Ing. Marco Schmidt, E-Mail: marco.schmidt@tu-berlin.de und Dr. Martin Buchholz, E-Mail: martin.buchholz@tu-berlin.de, Tel.: 030/314-2 18 20, beide Arbeitsgruppe "Watergy" am Institut für Architektur der TU Berlin, Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin

Dr. Kristina R. Zerges, | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien
13.12.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften