Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaforschung: Wo auf der Welt taut der Permafrost?

14.09.2015

Das erste globale Permafrost-Datenportal geht online

Ein internationales Forscherteam stellt ab kommenden Samstag auf einer Konferenz im kanadischen Quebec das erste Online-Datenportal zur Situation der weltweiten Permafrost-Vorkommen vor. Im Global Terrestrial Network for Permafrost (http://www.gtnp.org) bündeln die Wissenschaftler erstmals alle verfügbaren Messdaten zur Temperatur und Auftautiefe des Dauerfrostbodens in der Arktis, der Antarktis und den Hochgebirgsregionen und stellen diese für jedermann frei zum Download zur Verfügung.


Steilküste der Herschel-Insel, Kanada

Foto: Alfred-Wegener-Institut / J. Obu

Das neue Portal kann somit als Frühwarnsystem für Forschende und Entscheidungsträger aus aller Welt dienen. Eine detaillierte Beschreibung der Datensammlung erscheint heute als Open-Access-Artikel im Wissenschaftsportal Earth System Science Data.

Die Permafrostböden unserer Welt sind eines der wichtigsten Puzzleteile im Klimasystem der Erde. Dennoch fehlt diese Größe bisher in vielen Klimamodellen. Der Grund: Messdaten zur Temperatur und Auftautiefe des Bodeneises standen bisher weder umfassend, noch in einem modelltauglichen Standardformat zur Verfügung. Mit dem neuen Datenportal des Global Terrestrial Network for Permafrost (GTN-P) haben Wissenschaftler aus insgesamt 25 Ländern diese Datenlücke nun geschlossen.

„Wenn wir verstehen wollen, in welchem Maße der Klimawandel den Permafrost tauen lässt und welche Auswirkungen dieses Tauen wiederum auf unser Klima hat, so müssen wir diese Regionen weltweit genau beobachten und unsere Messergebnisse öffentlich zugänglich machen.

Beides funktioniert nur auf Basis internationaler Zusammenarbeit, die uns in diesem Projekt jetzt erstmals umfassend gelungen ist“, sagt Datenbank-Initiator Prof. Dr. Hugues Lantuit, Permafrost-Experte am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Die Temperatur und Auftautiefe des Permafrostes werden gemessen, indem Wissenschaftler ein Loch in den vereisten Boden bohren, dort Sensoren installieren und die Daten bei regelmäßigen Expeditionen auslesen. „Unser Datenportal vereint bisher die Ergebnisse aus 1074 Bohrlöchern, von denen sich 72 in der Antarktis und 31 in den Hochgebirgsregionen Europas und Asiens befinden. Die restlichen 961 Messstationen verteilen sich über die Arktis“, sagt AWI-Forscher und GTN-P-Direktor Dr. Boris Biskaborn.

Wer wissen möchte, wo sich die Stationen befinden und welche Datenreihen vorliegen, nutzt am besten die GTN-P-Weltkarte. Auf ihr ist jedes Bohrloch mit einem Fähnchen markiert. Der Nutzer muss nur auf die Markierung klicken und erhält sofort einen Überblick, wie kalt das Eis im Untergrund an diesem Punkt ist und wie tief der Boden im Sommer auftaut.

Um die Daten herunterzuladen, müssen sich Interessenten nur einmal in der Datenbank anmelden und den Nutzungsbedingungen zustimmen. Im Anschluss können sie frei auf die Zeitreihen zugreifen. „Die Daten stehen frei zur Verfügung, sodass nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politiker, Behördenvertreter und andere Interessierte auf diese Informationen zugreifen und sie als Ausgangsbasis für Entscheidungen nutzen können. Denn gerade in Regionen, in denen Häuser, Straßen, Schienen oder Pipelines auf dünnem Permafrost errichtet wurden, können Tauprozesse große Schäden hervorrufen. Hier soll unsere Datenbank als Frühwarnsystem dienen“, sagt Boris Biskaborn.

Die internationale Klimaforschung profitiert von der neuen Datenbank gleich doppelt: „Wir stellen zum einen die weltweiten Permafrost-Daten in einem einheitlichen Format zur Verfügung, sodass sie auf einfachem Wege in Klimamodelle einfließen können.

Zum anderen haben wir die Verteilung der Messstationen mit statistischen Methoden ausgewertet und können nun sagen, in welchen Permafrost-Regionen neue Stationen zur Messung der Permafrost-Temperaturen und -Auftautiefen am dringendsten benötigt werden, um globale Modelle zuverlässiger zu machen“, erläutert Dr. Vladimir Romanovsky, Vorsitzender des GTN-P Executive Commitees, Permafrostforscher an der Universität Alaska Fairbanks und Mitautor des heute erscheinenden Fachartikels.

Neue Messergebnisse zur Temperatur- und Auftautiefe nimmt das internationale GTN-P-Team mit einer Verzögerung von 12 Monaten in die Datenbank auf. „Auf diese Weise geben wir allen beitragenden Wissenschaftlern die Chance, ihre Ergebnisse zunächst einmal wissenschaftlich auszuwerten und in Fachartikeln zu publizieren“, so Boris Biskaborn. Zudem wird das GTN-P-Team alle zwei Jahre einen Bericht zum Zustand der globalen Permafrost-Vorkommen erstellen und darin über mögliche Veränderungen berichten.

Beheimatet ist die GTN-P-Datenbank beim Arctic Portal im isländischen Akureyri. Das Datenmanagement erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem GTN-P-Sekretariat, das an der Potsdamer Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Institutes arbeitet. Die Entwicklungsarbeit erfolgte im Rahmen des EU-Permafrost-Forschungsprojektes PAGE21 (http://www.page21.org) und wurde finanziert durch Mittel der Europäischen Union (FP7-ENV-2011, Grant Agreement no. 282700).

Hinweise für Redaktionen:
Die GTN-P-Studie erscheint am 14. September 2015 unter folgendem Titel im Fachportal Earth System Science Data:
Biskaborn, B. K., Lanckman, J.-P., Lantuit, H., Elger, K., Streletskiy, D. A., Cable, W. L., and Romanovsky, V. E.: The new database of the Global Terrestrial Network for Permafrost (GTN-P), Earth Syst. Sci. Data, 7, 245-259, doi:10.5194/essd-7-245-2015, 2015.

GTN-P-Direktor Boris Biskaborn stellt die Datenbank ab Samstag, den 19. September 2015, auf folgendem Workshop mit anschließender Konferenz vor:

- Workshop:
2nd national Correspondents Workshop on GTN-P, University Laval, Québec, Canada, 19. - 20. September 2015, Web: http://ipa.arcticportal.org/products/gtn-p/gtn-p-workshop-2015

- Konferenz:
7th Canadian Permafrost Conference, Quebec City Convention Centre, Kanada, 20. - 23. September 2015, Web: http://www.geoquebec2015.ca/en/

Druckbare Fotos von Permafrost-Landschaften und Forschungsarbeiten in jenen Regionen finden Sie bis zum Ablauf der Sperrfrist unter folgendem Link:

http://multimedia.awi.de/medien/pincollection.jspx?collectionName=%7B1d50543d-e8...

Ihre wissenschaftlichen Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut sind:

• Prof. Dr. Hugues Lantuit (Tel: 0170-454-0677; E-Mail: Hugues.Lantuit@awi.de)
• GTN-P-Direktor Dr. Boris Biskaborn (bis Montag erreichbar unter Tel: 0172 39 10 879 und via E-Mail: Boris.Biskaborn@awi.de; ab Montag dann auch unter Tel: 0331 288-2102;)

Ihre Ansprechpartnerin in der Abteilung Kommunikation und Medien ist Sina Löschke (Tel: 0471 4831-2008; E-Mail: medien@awi.de).

Folgen Sie dem Alfred-Wegener-Institut auf Twitter (https://twitter.com/AWI_de) und Facebook (http://www.facebook.com/AlfredWegenerInstitut). So erhalten Sie alle aktuellen Nachrichten sowie Informationen zu kleinen Alltagsgeschichten aus dem Institutsleben.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.awi.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie