Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaerwärmung: Das Spätfrostrisiko nimmt in höheren Lagen zu

28.09.2017

Bäume, die in mehr als 800 m Höhe wachsen, sind zunehmend Frühjahrsfrösten ausgesetzt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL und SLF), die Universität Neuenburg sowie das Agroscope Conthey decken in einer Gemeinschaftsstudie eine paradoxe Konsequenz der Klimaerwärmung auf, die Bäume verletzbarer macht. Diese Arbeiten wurden in der Zeitschrift Agricultural and Forest Meteorology online veröffentlicht.

Im April 2017 hat eine plötzliche Frostwelle in der Schweiz – insbesondere im Wallis – Weinberge und Obstbaumanlagen gefrieren lassen und damit bedeutende Ernteverluste verursacht. In den Wäldern entstanden an mehreren Baumarten ebenfalls erhebliche Schäden. Diese Einbrüche von Spätfrost könnten in Zukunft zunehmen, da die Vegetation im Frühjahr aufgrund der Klimaerwärmung immer früher einsetzt.


Zwei Monate nach dem Frostereignis vom 28. April 2016 im Schweizer Jura auf 1100 Meter Höhe sind die Frostschäden bei der Buche (Mitte des Bildes) noch deutlich sichtbar.

Foto: M. Rebetez, WSL/Universität Neuenburg

In hohen Lagen ist die durch den Anstieg der Temperaturen bedingte Verschiebung des Vegetationsbeginns schneller vorangeschritten als die Verschiebung des Datums des letzten Frosts. Dadurch steigt das Risiko, dass junge Blätter oder Blüten dem Frühjahrsfrost ausgesetzt werden. Dieses könnte in Zukunft noch weiter zunehmen.

Unter Leitung der Klimatologin Martine Rebetez und des Biologen Yann Vitasse haben fünf Forscher der drei Schweizer Institute mit Unterstützung durch das Bundesamt für Umwelt BAFU ununterbrochene Reihen von Tagesdaten analysiert, die mindestens seit 1975 erhoben wurden und aus 50 über das gesamte Land verteilten Stationen des Netzes von MeteoSchweiz stammen.

Zudem analysierten sie Tausende von Beobachtungen von Bürgern bezüglich der Blattbildung von Buche und Fichte sowie die Daten der Blüte von Kirsch- und Apfelbäumen.

„Diese beiden in der Schweiz dominierenden Arten von Waldbäumen sowie die beiden häufig angebauten Obstbaumarten wurden herangezogen, um mehrere Modelle zu kalibrieren, mit denen sich die Blüh- und Blattbildungszeiten unter verschiedenen klimatischen Bedingungen prognostizieren lassen“, erläutert Yann Vitasse.

Anschliessend analysierten die Wissenschaftler den Zeitraum zwischen dem Datum des letzten Frosts und den vorhergesagten Zeitpunkten der Blatt- oder Blütenbildung, dies entspricht dem Sicherheitspuffer der Baumart gegenüber dem Frost.

„Unsere Arbeiten zeigen, dass sich der Sicherheitspuffer gegenüber dem Frost mit der in den vergangenen vierzig Jahren beobachteten starken Erwärmung in Höhen über 800 Metern verkleinert hat, während er in geringeren Höhen unverändert geblieben ist“, fährt der Wissenschaftler fort.

Daraus ergibt sich, dass es derzeit nicht sinnvoll ist, Obstbaumarten zu pflanzen oder Waldbäume zu bevorzugen, die besser an ein immer wärmeres Sommerklima angepasst sind, weil ihre Wachstumsphase häufig zu einem früheren Zeitpunkt im Frühjahr einsetzt, sodass sie ganz besonders durch Frostschäden gefährdet sind.

Weitere Informationen:

http://www.wsl.ch/medien/news/gel_tardif/index_DE Medienmitteilung Eidg. Forschungsanstalt WSL

Reinhard Lässig | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Weitere Berichte zu: Buche Ernteverluste Frostwelle Klimaerwärmung WSL Wachstumsphase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Open Science auf offener See
19.01.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Bisher älteste bekannte Sauerstoffoase entdeckt
18.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie