Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaereignisse ließen Eiszeit-Mammute bis weit über den 40. Breitengrad wandern

10.07.2009
Dass Mammute offenbar gerne wanderten und einige der Eiszeitriesen sogar bis weit in den Süden Spaniens gezogen sind, stellte sich raus, als man dort die fossilen Überreste von vier Mammutbullen entdeckte.

Die Tiere lebten vor etwa 30 bis 40 Tausend Jahren in der Nähe von Padul, einer kleinen Stadt im heutigen Granada. Eine kürzlich veröffentlichte Studie beschreibt die Funde und erläutert, was die Mammute in den Süden zog und welche Relevanz die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse für das Verständnis globaler Klimaereignisse haben.

Europas südlichste Skelettfunde von Mammuthus primigenius wurden in einem Moor auf dem 37. Breitengrad geborgen. Das ist deutlich südlicher als die baumlos kargen und unwirtlichen Gefilde, die man den Zottelriesen und dem typisch trocken-kalten Klima zuordnet, das während der Eiszeit in Nord-Eurasien herrschte.

Die fossilen Überreste der Padul-Mammute wurden in einem wissenschaftlichen Kooperationsprojekt von einer internationalen Forschergruppe untersucht. An der Studie beteiligt sind die Senckenberg Forschungsinstitute mit der Abteilung für Quartärpaläontologie in Weimar, die Universitäten Madrid und Oviedo sowie das Naturmuseum Rotterdam.

"Die Fellmammuts haben damals zu den dauerhaften Bewohnern Granadas gehört", sagt Diego Álvarez-Lao von der Universität Oviedo und betont, dass es sich bei den Padul-Funden nicht um einzeln versprengte Tiere handelt, die sich rein zufällig in den Süden verirrt hatten. "Unsere Untersuchungen belegen, dass die spanischen Mammute sich anatomisch nicht von ihren Artgenossen in nördlicheren Regionen unterschieden haben. Es war die gleiche Art", ergänzt Dick Mol, Eiszeitexperte am Naturmuseum Rotterdam.

Nicht die Sehnsucht nach sommerlichen Temperaturen oder weiten Sandstränden hat die Zottelriesen in den Süden gelockt, sondern eine "Speisekarte" mit dem für sie genau passenden Nahrungsangebot aus Gräsern, verschiedenen Kräutern und niedrigem Buschwerk. Die Ausdehnung der Mammutsteppe mit der für die typisch eiszeitliche Landschaft charakteristischen Vegetation ist durch Klima- und Umweltdaten belegt.

Nuria García von der Universität Complutense de Madrid stellt dazu fest: "Fossile Pflanzen, die wir in den Bohrkernen von Forschungsbohrungen in Spanien und dem nahe gelegenen Mittelmeer nachweisen konnten, wie auch die Untersuchungen der Padul-Sedimente belegen, dass die Tiere sich von den typischen Pflanzen einer Mammutsteppe ernährten."

Zu dem internationalen Team von Eiszeitforschern, die Europas südlichste Mammutfunde bearbeitet haben, gehört Ralf-Dietrich Kahlke. Den Senckenberg-Wissenschaftler hat vor allem interessiert, was Mammuthus primigenius und andere Eiszeittiere an vielen Ecken der Nordhalbkugel über den 40. Breitengrad hinaus und weit nach Süden wandern ließ. "Ein Vergleich mit weiteren Fundorten, die zwischen dem 38. und 36. Breitengrad liegen, zeigt, dass die Tiere vor 30 bis 40 Tausend Jahren auch außerhalb Europas in Richtung Süden vorgestoßen sind," erläutert der Paläontologe und dokumentiert das durch seine Kartierungsergebnisse. Danach liegen die südlichsten Fundorte der Eiszeitriesen auf einem Gürtel, der sich von Westeuropa über Georgien und die sibirische Baikal-Region bis nach Ost-China und von Korea bis in den amerikanischen Mittelwesten hinein erstreckt.

Hin und wieder wurden die Kolosse jedoch am Wandern gehindert. In Padul setzten die unüberwindlichen Höhen der Sierra Nevada einer weiteren Verbreitung der Tiere eine natürliche Grenze. Ähnlich wirkten sich die Rocky Mountains in Nord Amerika auf den Wandertrieb der Eiszeitriesen aus. Auch Regionen, die nicht das typische Nahrungsangebot einer Mammutsteppe boten, stoppten die Migration der Mammute. Dazu gehörten wüstenähnliche Gebiete oder die weiten Prärien in Nordamerika, die sich aufgrund von Vegetationsveränderungen zunehmend ausgedehnt hatten.

Die aktuelle Studie belegt erstmals die südlichen Vorstöße von Mammuthus primigenius in Europa und zeigt, dass die Migration nach Spanien und Italien zur gleichen Zeit stattfand wie ähnliche Wanderungen nach Ost-China, in den Norden Japans und nach Kamtschatka. Die Wissenschaftler führen dieses Phänomen auf die Koppelung von Klimaereignissen im Nordost-Atlantik und Nordwest-Pazifik zurück. Ralf Dietrich Kahlke erklärt: "Dies ist ein Beleg für globale Mechanismen, die das Klima schon während der Eiszeit regulierten und damit auch die Vegetation und die Wanderungen der Tiere maßgeblich beeinflusst haben." (dve)

Kontakt Wissenschaft: Dr. habil. Ralf-Dietrich Kahlke, rdkahlke@senckenberg.de,
+49 (0)3643 49309-3330
Kontakt Pressestelle: Doris von Eiff, doris.voneiff@senckenberg.de.
+49 (0)69 7542 1257, mobil: +49 (0)173 54 50 196

Doris von Eiff | idw
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=2240

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein
21.11.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Tonmineral bewässert Erdmantel von innen
20.11.2017 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie