Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klima-Zeitbombe tickt in der Arktis

25.10.2010
Freisetzung enormer Kohlenstoff-Vorräte bei weiterer Erwärmung

Die Erderwärmung ist in der Arktis stärker als im Rest der Welt. Diese Veränderungen beeinflussen das Weltklima, sind jedoch bisher noch kaum erforscht.

Ein Projekt der European Science Foundation ESF aus acht Ländern will dies nachholen. "Einiges deutet darauf hin, dass in der Arktis eine Klima-Zeitbombe tickt. Bedenklich ist besonders, wenn die enormen Mengen an Kohlenstoff im Permafrost durch dessen Auftauen an die Atmosphäre gelangen", berichtet Projektkoordinator Andreas Richter von der Universität Wien gegenüber pressetext.

Kleine Änderungen, große Folgen

Konservative Schätzungen gehen von 1.670 Gigatonnen Kohlenstoff aus, die im Arktisboden gespeichert sind - mehr als doppelt so viel wie in der gesamten Atmosphäre. "Auch wenn es in der Arktis nur kurze Vegetationszeiten gibt, hat sich im Lauf der Jahrtausende viel organisches Material aus Pflanzen angesammelt. Dessen Abbau ist sehr langsam, da nur die obersten 50 bis 80 Zentimeter des Bodens im Sommer auftauen und durch die Feuchte den Mikroorganismen kaum Sauerstoff für die Atmung zur Verfügung steht", so Richter. Da Kohlenstoff hier schneller auf- als abgebaut wird, häufte er sich im Lauf der vergangenen Jahrtausende an.

Mit dem Klimawandel steht tieferes Auftauen im Sommer bevor, wodurch das Tauwasser eher abrinnt und trockenen Boden hinterlässt. "Die Mikroorganismen könnten das Material somit leichter abbauen und veratmen. Das bringt mehr CO2 in die Atmosphäre", erklärt der Ökosystemforscher. Kleine Änderungen könnten hier große Folgen haben. Würde nur ein Zehntel des Kohlenstoffs aus arktischen Böden freigesetzt, würde der Anteil von CO2 in der Atmosphäre um mehr als 20 Prozent steigen. "Das hätte globale Folgen, da CO2 ein Treibhausgas ist, das den Klimawandel beschleunigt."

Datenlage noch schlecht

Zwar sind auch positive Auswirkungen denkbar, etwa dass der erhöhte Abbau von organischem Material zusätzliche Nährstoffe für neues Pflanzenwachstum bereitstellt. Dass dies den CO2-Anstieg aufhält, glaubt Richter jedoch nicht. "Selbst wenn die heutige Tundra in Zukunft zu einem Wald wird, könnte dies den Anstieg der Kohlenstoff-Freisetzung nur vorübergehend abschwächen." Für genauere Vorhersagen sei jedoch in jedem Fall ein besseres Verständnis der Abläufe wichtig. An diesem fehlt es bisher weitgehend. "Nur wenige forschen vor Ort in der Arktis, da die Bedingungen schwierig sind", so der Wissenschaftler.

Das bis 2013 laufende ESF-Projekt soll hier mehr Klarheit schaffen. In mehreren Expeditionen nach Sibirien und Grönland suchen die Forscher nach genaueren Hinweisen, wie viel Kohlenstoff im Boden steckt und wie leicht dieser abgebaut wird. "Wir überprüfen Bohrkerne auf ihren Gehalt von Kohlenstoff und dessen Qualität und erstellen eine Karte der Kohlenstoff-Dichte der Region. Dadurch soll die Bedeutung der Arktis für das Weltklima besser erkundet werden", erklärt Richter.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.esf.org
http://www.ecosystem-research.net

Weitere Berichte zu: Arktis CO2 Klima-Zeitbombe Klimawandel Kohlenstoff Mikroorganismus Weltklima

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Knapp neun Milliarden Tonnen mehr CO2 durch El Niño
19.10.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie