Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Klima der Vergangenheit: Grosse Unterschiede zwischen den Kontinenten

22.04.2013
Das Klima hat sich in den vergangenen tausend bis zweitausend Jahren auf der Nord- und Südhemisphäre sehr unterschiedlich entwickelt.

So begann die Mittelalterliche Warmzeit im Süden mehr als 300 Jahre und die so genannte Kleine Eiszeit einige Jahrzehnte später als im Norden. Das zeigt eine neue Studie des "Past Global Changes (PAGES) 2k"-Projekts, die am 21. April in "Nature Geoscience" veröffentlicht wird. Forscher der WSL haben für die Temperaturrekonstruktionen Europas, Südamerikas und Australiens wichtige Beiträge geliefert.


Andrew M. Lorrey von National Climate Centre Auckland (NZ) beprobt einen Kauri-Baum (Agathis australis) in Neuseeland. Diese können bis 50m hoch und über tausend Jahre alt werden. Foto: Joëlle Gergis, University of Melbourne

Rund achtzig Forscherinnen und Forscher aus aller Welt trugen unter der Leitung des PAGES-Offices an der Universität Bern ihre Daten und Studien über vergangene Klimaentwicklungen zusammen, um sie gemeinsam auszuwerten. Sie benutzten zum Beispiel Informationen aus Meer- oder Seesedimenten, aus Gletschern, aus Tropfsteinen oder – wie im Falle der beteiligten WSL-Forscher – aus Jahrringen von Bäumen. Damit konnten sie erstmals die Temperaturentwicklungen der letzten tausend bis zweitausend Jahre für sieben Kontinente (Antarktis, Südamerika, Nordamerika, Australien, Asien, Europa, Arktis) rekonstruieren und vergleichen.

Obwohl die ganz grossen Entwicklungen – eine generelle Abkühlung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, gefolgt von einer Erwärmung – global auftraten, waren die Entwicklungen innerhalb der Nord- bzw. Südhemisphäre jeweils deutlich ähnlicher als zwischen den Hemisphären. Die Mittelalterliche Warmzeit auf der nördlichen Hemisphäre dauerte von etwa 830 bis 1100 – in Südamerika und Australien ist eine ähnliche Warmphase erst rund dreihundert Jahre später erfolgt, etwa von 1160 bis 1370. Eine "Kleine Eiszeit ist grundsätzlich weltweit nachgewiesen, aber in der Arktis, Europa und Asien begann sie mehrere Dekaden früher (um 1500) als in den anderen Regionen. Und die Erwärmung im 20. Jahrhundert ist in der Nordhemisphäre rund doppelt so stark wie in der Südhemisphäre. Insgesamt war die globale Durchschnittstemperatur in den letzten 1400 Jahren wahrscheinlich nie höher als 1971-2000.

Im PAGES-Projekt beteiligt waren auch zwei WSL-Forscher, Ulf Büntgen und Raphael Neukom. Während Büntgen mit Jahrringen von Bäumen das europäische Klima rekonstruierte, untersuchte Neukom damit die Temperaturentwicklung in Südamerika und Australien. Für alle drei Kontinente sind Jahrringe die wichtigste Grundlage der Rekonstruktionen. Büntgen: "Dass für Europa die Temperaturen der letzten 2000 Jahre rekonstruiert werden konnten, ist den an der WSL aufgebauten Datengrundlagen zu verdanken. Wir konnten damit eine der längsten jährlich aufgelösten Zeitreihen des ganzen Konsortiums beisteuern." Neukom ergänzt: "In den tropischen Regionen Australiens und den hohen Anden standen uns mehrheitlich Daten von Korallen beziehungsweise Seesedimenten und Eisbohrkernen zur Verfügung. Die Jahrring-Daten aus Tasmanien, Neuseeland und Patagonien waren jedoch unerlässlich für eine ausgewogene räumliche Abdeckung dieser Regionen. Die längsten dieser Baumring-Zeitreihen gehen ebenfalls mehr als 2000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Weil aber die räumliche Abdeckung der Standorte geringer ist als in Europa, konnten wir mit unseren Rekonstruktionen nur gut 1000 Jahre abdecken."

So wichtig die einzelnen, kontinentalen Rekonstruktionen sind: Die Besonderheit der Studie liegt darin, dass sie fast alle Kontinente abdeckt und vergleicht. "Noch vor wenigen Jahren", so Büntgen, "hätte man eine einzige weltweite Temperaturreihe angestrebt. Heute weiss man, wie wichtig ein besseres Verständnis der regionalen Unterschiede ist."

Mehr Ergebnisse der Studie sowie organisatorische Angaben sind in der Medienmitteilung des PAGES 2k-Konsortiums, herausgegeben von der Universität Bern.

Wissenschaftliche Publikation
„Continental-scale temperature variability during the last two millennia“, PAGES 2k Consortium, Nature Geoscience, online ab 21. April 2013

Kontakt
PD Dr. Ulf Büntgen, ulf.buentgen@wsl.ch, 044 739 26 79
Dr. Raphael Neukom, raphael.neukom@wsl.ch, 044 739 29 64

Ulf Büntgen und Raphael Neukom sind mit dem Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern affiliiert.

Reinhard Lässig | idw
Weitere Informationen:
http://www.wsl.ch/medien/news/index_DE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stärkere Belege für Abschwächung des Golfstromsystems
12.04.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Waldbrände in Kanada sorgen für stärkste jemals gemessene Trübung der Stratosphäre über Europa
12.04.2018 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics