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Dem Klima hinterher

11.02.2014
Wohin müssen Tiere und Pflanzen ziehen, um sich den durch den Klimawandel veränderten Verhältnissen anzupassen?

Dieser Frage hat sich ein Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gestellt. Sie haben untersucht, welche Muster die Temperaturveränderungen in den vergangenen 50 Jahren aufweisen, um so vorhersagen zu können, in welche Regionen die jeweiligen Arten abwandern werden.


Klimavektoren in Europa: Die Pfeile zeigen in welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit sich Klimazonen bewegen.

Abbildung: FAU

Die Studie soll dabei helfen, den Artenschutz effizienter zu gestalten. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature* veröffentlicht.

Der Klimawandel ist ein globales Phänomen mit Auswirkungen auf die gesamte Tier- und Pflanzenwelt. Im Durchschnitt ist die Temperatur auf der Erde um 0,7 Grad angestiegen. Aber nicht alle Regionen sind gleich stark betroffen: Einige Regionen haben sich stärker erwärmt, in anderen Regionen ist sogar eine Abkühlung zu verzeichnen. Viel wichtiger als die absoluten Temperaturveränderungen ist für das Überleben der einzelnen Spezies jedoch, wie schnell und in welche Richtung sich Zonen gleicher Temperatur über den Globus bewegen. Diese beiden Klima-Vektoren – Richtung und Geschwindigkeit – bestimmen wohin und mit welcher Geschwindigkeit Arten wandern müssen, um ihre gewohnten Klimabedingungen beizubehalten.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern, darunter FAU-Forscher Prof. Dr. Wolfgang Kießling vom Lehrstuhl für Paläoumwelt, hat diese Klimavektoren global für die vergangenen 50 Jahre untersucht. Dazu teilten sie die Erdoberfläche in viele kleine Quadrate auf, und notierten für jedes Kästchen, wie sich die Temperatur dort in den vergangenen 50 Jahren entwickelt hat. Aus diesen Daten konnten die Wissenschaftler dann ablesen, in welche Richtung und in welcher Geschwindigkeit sich die Temperaturen bewegen.

Kein Ausweg: Isoliert in der eigenen Klimazone
Anhand ihrer Analysen identifizierten die Wissenschaftler drei verschiedene Bereiche: Klimaquellen, Klimasenken und Klimakorridore. Klimaquellen sind Regionen, von denen alle Klima-Vektoren wegzielen: In diesen Regionen entsteht ein Klima, das es in den angrenzenden Gebieten nicht gibt. Das bedeutet, dass dort Arten auswandern, aber keine neuen Arten zuwandern. Die größte Klimaquelle ist um den Äquator auszumachen: Hier steigen die Temperaturen immer weiter an, die ansässigen Tiere und Pflanzen wandern in kühlere Regionen ab. Da der Äquator durch die angrenzenden kühleren Regionen isoliert ist, können keine Arten aus anderen heißen Gebieten zuwandern.

Klimasenken sind hingegen die Regionen, in denen das lokale Klima ganz verschwindet. Sie verhindern, dass Flora und Fauna in andere Gebiete abwandern können. Gebirge stellen ein Beispiel für Senken dar: Je höher die Lage, desto kälter ist es bekanntlich in Bergen. Steigen nun die Temperaturen an, bleibt für die Bewohner des Gipfels beziehungsweise der gipfelnahen Lagen keinen Ausweg mehr: In den unteren Bereichen ist es noch wärmer und nach oben können sie auch nicht ausweichen. In Senken und Quellen – die immerhin 18 Prozent der Erdoberfläche ausmachen – ist langfristig am ehesten mit einem klimabedingten Artensterben zu rechnen, wenn es den jeweiligen Bewohnern nicht gelingt, sich an das neue Klima anzupassen beziehungsweise ihrem gewohnten Klima hinterherzuziehen.

Klimakorridor Süddeutschland
Klimakorridore schließlich sind Gebiete, in denen die klimatischen Bedingungen aus verschiedenen angrenzenden Regionen zusammentreffen und sich schließlich in eine Richtung weiterbewegen. Ein weltweit bedeutender Korridor befindet sich in Süddeutschland. Durch die Bewegungen des Klimas treffen Arten aus verschiedenen Ursprungsgebieten in den Korridoren zusammen – mit unvorhersehbaren Konsequenzen: „Denn auch wenn die Arten in die Korridore ein- und aus ihnen abwandern können, ist die biologische Vielfalt in diesen Regionen bedroht“, weiß Prof. Kießling: „Beim Aufeinandertreffen der verschiedenen Arten wird es Gewinner und Verlierer geben.“

Die herausgearbeiteten Muster sollen nun dazu dienen, den Schutz der Artenvielfalt effizienter zu machen. Denn Schutzmaßnahmen machen am ehesten da Sinn, wo die Geschwindigkeit des Klimawandels klein ist. In Quellen, Senken und Korridoren ist die Bedrohung nur mit erheblichem Aufwand abzuwenden, beispielsweise in dem man Tiere und Pflanzen in andere Regionen umsiedelt. Was wiederum zu nicht absehbaren Konsequenzen in den betroffenen Lebensräumen führt.

*Mike Burrows et al., Climate Velocity And Geographical Limits To Shifts In Species Distributions, Nature – Advanced Online Publication, 9.2.2014, doi 10.1038/nature12976

Weitere Informationen für die Presse:
Prof. Dr. Wolfgang Kießling
Tel.: 09131/85-26959
wolfgang.kiessling@fau.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fau.de

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