Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018

Forschenden an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Brasilien gelungen, anhand eines ungewöhnlich aufschlussreichen Sedimentkernes aus dem südchinesischen Meer neue Erkenntnisse über einen entscheidenden Wendepunkt des globalen Klimas im Zeitraum von vor neun bis fünf Millionen Jahren zu gewinnen.

Forschenden an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Brasilien gelungen, anhand eines ungewöhnlich aufschlussreichen Sedimentkernes aus dem südchinesischen Meer neue Erkenntnisse über einen entscheidenden Wendepunkt des globalen Klimas im Zeitraum von vor neun bis fünf Millionen Jahren zu gewinnen.


Das 150 Meter lange wissenschaftliche Bohrschiff, die JOIDES Resolution, gehört zu den wenigen weltweit eingesetzten Forschungsschiffen, das lange Sedimentkerne aus großen Tiefen gewinnen kann.

Wolfgang Kuhnt, CAU


Mit einem spezifischen auf große Tiefen ausgelegtem Bohrgerät werden die mehrere Hundert Meter langen Kerne an Deck des Forschungsschiffes JOIDES Resolution gebracht.

Wolfgang Kuhnt, CAU

Demnach führte eine Intensivierung des ostasiatischen Winter-Monsuns, die mit der damaligen Abkühlung der subtropischen Klimazone zusammenhing, zu einer erhöhten biologischen Aktivität im Ozean und dadurch zu einer Reduktion des CO2-Gehalts der Atmosphäre. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe von Nature Communications erschienen.

Um das zukünftige Klima auf der Erde und die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels besser vorherzusagen, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Klima der Vergangenheit. Aus Daten, die beispielsweise Sedimentkerne liefern, können sie Umweltbedingungen bis zu mehrere Millionen Jahre zurückverfolgen und aus diesen Rückschlüsse auf das zukünftige Klima ziehen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Marine Mikropaläontologie des Instituts für Geowissenschaften an der CAU ist es nun gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Brasilien gelungen, neue Erkenntnisse über einen entscheidenden Wendepunkt des globalen Klimas zu gewinnen.

„Die Analyse des Sedimentkerns hat uns eine zeitlich ungewöhnlich hoch aufgelöste Aufzeichnung der Klimageschichte der vergangenen 16 Millionen Jahre ermöglicht“, sagt Erstautorin Dr. Ann Holbourn aus der Arbeitsgruppe Marine Mikropaläontologie der Uni Kiel. In dem 607 Meter langen Sedimentkern, der im Rahmen einer Expedition mit dem speziellen Tiefseebohrschiff „JOIDES Resolution“ des International Ocean Discovery Program (IODP) aus dem monsunbeeinflussten Teil des südchinesischen Meeres in 2092 Meter Wassertiefe im südchinesischen Meer gewonnenen wurde, fanden die Forscher besonders gut erhaltene Karbonatschalen von einzelligen Organismen wie Foraminiferen.

„Wir konnten anhand des Kerns nachweisen, dass in der Vergangenheit bereits kleine Änderungen im CO2-Gehalt der Atmosphäre zu verstärkten Rückkopplungen im Ozean führten, die Auswirkungen auf das globale Klima hatten“, ergänzt Professor Wolfgang Kuhnt, Leiter der Arbeitsgruppe an der Uni Kiel und Co-Autor. „Die neuen Daten können nun dazu beitragen, das komplexe Klimasystem besser zu verstehen.“

Das Erdzeitalter vor rund neun bis fünf Millionen Jahren, das späte Miozän, ist eine entscheidende Periode, wenn es um die Rekonstruktion der Klimageschichte geht. In dieser Zeit ähnelte das Klima der Erde ungefähr dem der nahen Zukunft: Es war etwas wärmer, der subtropische Klimagürtel ausgedehnter und die Pole wiesen eine reduzierte Eisbedeckung auf. Genaue Untersuchungen solcher vergangenen Erdepochen mit einem ähnlich hohen CO2-Gehalt helfen daher vorherzusagen, wie sich Klima der Erde in Zukunft entwickeln könnte. Mit der Untersuchung konnten die Forscher nun einen Baustein der Klimageschichte entschlüsseln, der noch als wenig erforscht gilt.

Zur Rekonstruktion vergangener Klimabedingungen haben die Kieler Wissenschaftler auf indirekte Methoden zurückgegriffen. So haben sie im Leibniz-Labor für Isotopenforschung an der Uni Kiel chemische Analysen von fossilen Schalen kleiner mariner Organismen wie Foraminiferen durchgeführt. Die physikalischen und chemischen Umweltbedingungen im Meerwasser werden in den Schalen der Foraminiferen gespeichert bevor diese am Meeresboden abgelagert werden. Im Laufe der Zeit bilden sich Sedimentablagerungen, die ein Archiv für die sich ständig ändernden Bedingungen im Ozean darstellen. Die Sedimentproben für die aktuelle Analyse wurden im Rahmen einer Expedition des IODP gewonnen.

Originalarbeit:
Ann E. Holbourn, Wolfgang Kuhnt, Steven C. Clemens, Karlos G. D. Kochhann, Janika Jöhnck, Julia Lübbers, Nils Andersen, “Late Miocene climate cooling and intensification of southeast Asian winter monsoon”, Nature Communications, Volume 9, Article number: 1584 (2018), doi:10.1038/s41467-018-03950-1.
http://www.nature.com/articles/s41467-018-03950-1

Weitere Informationen über das IODP:
http://www.iodp.org/

Weitere Informationen über den deutschen Beitrag zum IODP-Tiefseebohrungsprogramm:
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/MarineRohstoffforschung/IODP/Home/iodp_node.htm...

Weitere Informationen über das Institut für Geowissenschaften, Arbeitsgruppe Marine Mikropaläontologie:
http://www.ifg.uni-kiel.de/23.html

Weitere Informationen über den universitären Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science:
http://www.kms-uni-kiel.de

Es stehen Fotos zum Download bereit:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2018/2018-107-1.jpg
Bildunterschrift: Das 150 Meter lange wissenschaftliche Bohrschiff, die JOIDES Resolution, gehört zu den wenigen weltweit eingesetzten Forschungsschiffen, das lange Sedimentkerne aus großen Tiefen gewinnen kann.
Foto/Copyright: Wolfgang Kuhnt, CAU

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2018/2018-107-2.jpg
Bildunterschrift: Mit einem spezifischen auf große Tiefen ausgelegtem Bohrgerät werden die mehrere Hundert Meter langen Kerne an Deck des Forschungsschiffes JOIDES Resolution gebracht.
Foto/Copyright: Wolfgang Kuhnt, CAU

Kontakt:
Professor Dr. Wolfgang Kuhnt
Institut für Geowissenschaften
Telefon: +49 (0) 431 880 2924
E-Mail: wolfgang.kuhnt@ifg.uni-kiel.de

Dr. Ann Holbourn
Institut für Geowissenschaften
Telefon: +49 (0) 431 880 2938
E-Mail: ann.holbourn@ifg.uni-kiel.de

Friederike Balzereit
Öffentlichkeitsarbeit Future Ocean / Kiel Marine Science (KMS)
Tel.: +49 (0)431 880 3032
E-Mail: fbalzereit@uni-kiel.de

Kiel Marine Science (KMS)
Das Zentrum für Interdisziplinäre Meereswissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel - Kiel Marine Science (KMS) bildet das Dach für den fakultätsübergreifenden meereswissenschaftlichen Forschungsschwerpunkt an der Kieler Universität. KMS koordiniert und fördert die fakultäts- und fachübergreifend die Auseinandersetzung mit meereswissenschaftlichen Themen. Der universitäre Forschungsschwerpunkt wird dabei getragen durch die wissenschaftlichen Aktivitäten von sieben Fakultäten und mehr als 25 Forschergruppen aus den Natur-, den Sozial-, den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leisten einen Beitrag zum Verständnis der Prozesse im Ozean in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und tragen zur Entwicklung von Strategien für die nachhaltige Nutzung des Ozeans bei.
http://www.kms.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Text/Redaktion: Friederike Balzereit
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de Internet: http://www.uni-kiel.de Twitter: http://www.twitter.com/kieluni Facebook: http://www.facebook.com/kieluni Instagram: http://www.instagram.com/kieluni

Weitere Informationen:

http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2018-107-kms-bohrung-klima

Friederike Balzereit, Öffentlichkeitsarbeit Future Ocean / Kiel Marine Science (KMS) | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel
23.05.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht PM des MCC: CO2-Entzug aus Atmosphäre für 1,5-Grad-Ziel unvermeidbar
23.05.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics