Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Angst vorm Lieferstopp durch neue Erdgasspeicherung

09.04.2009
Geologe der Universität Jena plädiert für Erweiterung der Speicherkapazitäten von Erdgas

Beim Erdgasverbrauch belegt Deutschland einen Spitzenplatz in Europa. Dafür ist es auf regelmäßige Lieferungen aus Norwegen und Russland angewiesen. Geraten diese ins Stocken, kann es problematisch werden.

"Gerade mal für ein Vierteljahr reichen die strategisch gespeicherten deutschen Erdgasreserven im Falle eines Lieferstopps aus", sagt Prof. Dr. Reinhard Gaupp von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Wenn die aufgebraucht sind, wird es vor allem für die deutsche Wirtschaft äußerst problematisch", gibt der Professor für Allgemeine und Historische Geologie zu bedenken.

Stand bis jetzt eher der Ausgleich jahreszeitlicher Bedarfsschwankungen im Fokus der Erdgasspeicherung, müsse in Zukunft auch die Versorgungssicherung in Ausnahmesituationen wie Lieferunterbrechungen stärker berücksichtigt werden, so Gaupp.

Der Geologe erforscht seit Jahren die tiefen Porenräume, die sich unter bestimmten Voraussetzungen sehr gut für die Erdgasspeicherung eignen. Jetzt hat er Modelle entwickelt, mit denen die Eignung poröser Untergrundräume als Speicherraum besser prognostiziert werden kann. "Ziel des Forschungsvorhabens war es, die Qualitätsmerkmale von Porenräumen in unbekannten Teilen des tiefen Untergrundes zu charakterisieren, um damit Entscheidungshilfen für die industrielle Nutzung zu liefern", erläutert Prof. Gaupp.

Dafür hat er mit seinem Team viele Gesteinsproben aus Bohrkernen mit Hilfe unzähliger briefmarkengroßer Dünnschliffe mikroskopisch und mit anderen Analyseverfahren untersucht. Dabei konnten auch die Bildungsalter und die physikalisch-chemischen Bildungsbedingungen verschiedener Minerale bestimmt werden. Die Wissenschaftler haben so die räumliche Verteilung der porösen Gesteinslagen und ihre zeitliche Entwicklung detailliert analysieren können.

"Jede Pore ist anders", sagt der Geologe von der Universität Jena. So gibt es in den Porenräumen vielfältige Strukturen, die im Laufe der Diagenese, also der Gesteinsverfestigung, entstanden sind. "Diese Strukturen haben großen Einfluss auf die Durchlässigkeit der Porensysteme für Gas und Wasser." Durch ihre Forschungsarbeit haben die Jenaer Geologen Voraussetzungen geschaffen, Prognosen zur räumlichen Verteilung von Porensystemen im Untergrund für entsprechende Standorte machen zu können. Für Prof. Dr. Reinhard Gaupp ist das ein wichtiges Zukunftsthema.

"Der Vorteil von Porenspeichern ist ihr natürliches Vorkommen in sehr großen Volumen", sagt der Geologe. "Anders als Kavernenspeicher in Salzstöcken müssen sie nicht erst unter technischem Aufwand geschaffen werden." Diese Vorteile sind durchaus auch für andere Nutzungsarten entscheidend, wie die Kohlendioxid-Speicherung als Klimaschutzmaßnahme oder die Geothermie. Welches geologische Potenzial das Thüringer Becken für die Erdwärmenutzung bietet, wollen die Jenaer Geologen in einem neuen Projekt untersuchen.

"Der Vorteil an unserer Untersuchungsmethode ist die Möglichkeit einer nutzungsübergreifenden Prognose des Potenzials in tiefen Porenräumen", so Gaupp. Ob und wann jedoch in den weiteren Ausbau von Porenspeichern für Erdgas investiert wird, sei in erster Linie eine politische Entscheidung und die betriebswirtschaftliche Frage einzelner Versorgungsunternehmen. Plötzliche Lieferstopps könnte die deutsche Wirtschaft bei größeren strategischen Untergrundreserven bedeutend besser überstehen, ist sich Gaupp sicher.

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhard Gaupp
Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Burgweg 11, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 948620
E-Mail: reinhard.gaupp[at]uni-jena.de

Manuela Heberer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise