Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kalter Winter in Europa stellt Klimawandel nicht in Frage

25.02.2011
Schavan: "Wir müssen das Verständnis des Systems Erde weiter vertiefen, um dem Klimawandel und seinen Folgen wirkungsvoll zu begegnen."

Auch in diesem Jahr hat es den Anschein, als wolle der Winter nicht enden. Wochenlang versanken Deutschland und ganz Nordeuropa in Eis und Schnee. Der Dezember 2010 war in Deutschland mehr als vier Grad kälter als im langjährigen Durchschnitt. Und auch jetzt herrschen in weiten Teilen des Landes noch eisige Temperaturen. Von Erderwärmung scheinbar keine Spur. Andererseits scheinen weltweit immer mehr Menschen unter wetterbedingten Extremereignissen zu leiden. Die sintflutartigen Überschwemmungen in Australien oder die Jahrhundertfeuer in Russland im letzten Sommer: Sind das nicht eindeutige Zeichen für den Klimawandel?

"Weder europäische Kälteperioden noch andere einzelne Extremereignisse lassen sich eindeutig mit dem Klimawandel in Verbindung bringen, sie sind weder Beweise noch Gegenbeweise für die Erderwärmung. Hier nützt uns unser persönliches Empfinden leider nichts", erklärt Jochem Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie und Vorsitzender des Deutschen Klimakonsortiums DKK. "Die vielen in letzter Zeit beobachteten extremen Wetterphänomene waren kurzfristig und regional begrenzt. Trotz des kalten nordeuropäischen Winters war das Jahr 2010 global gesehen sogar eines der drei wärmsten je gemessenen Jahre."

"Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich das Klima ändert und wir eine globale Erwärmung erleben. Die wichtigste Ursache dafür sind die immer noch zunehmenden Treibhausgasemissionen aufgrund menschlicher Aktivitäten", betont Bundesforschungsministerin Annette Schavan. "Doch die aktuellen Phänomene zeigen: Die Zusammenhänge zwischen Klima und Wetter sind komplex und regional verschieden. Deshalb muss das Verständnis des Systems Erde weiter vertieft werden, um dem Klimawandel und seinen Folgen erfolgreich begegnen zu können."

Der Klimawandel kann nur in Langzeitbeobachtungen nachgewiesen werden. Insbesondere für die europäischen Breiten ist das gar nicht so einfach, denn hier ist das Klima recht großen natürlichen Schwankungen unterworfen und kann sich von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr wesentlich stärker ändern als etwa in den Tropen. Allein die ungewöhnliche Statistik des Jahres 2010 mit der Rekordhitze im Juli und den ungewöhnlich kalten Wintermonaten belegt das. Nur zu circa 20 Prozent lassen sich diese Schwankungen durch gut definierte Einflussfaktoren wie die Temperatur der Ozeanoberfläche oder solare Schwankungen erklären.

Außerdem kann sich der Klimawandel regional sehr verschieden auswirken. Trotz der generellen globalen Erwärmung kann man nicht einfach annehmen, dass es überall immer nur wärmer wird. Modelle zeigen, dass es in einigen Regionen sogar kälter wird oder dass sich Jahreszeiten verschieben.

Vor dem Hintergrund dieser Komplexität und der gesellschaftlichen Folgen durch steigende Meeresspiegel, Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten sowie veränderten Bedingungen für die Landwirtschaft betont Schavan: "Wir brauchen neue ganzheitliche Ansätze, um die Anpassung an den Klimawandel gestalten zu können. Die Bundesregierung wird mit ihrem neuen Energieforschungsprogramm, das im Frühjahr verabschiedet werden soll, konsequent Forschungsaktivitäten starten, um Effizienzpotenziale in der Industrie sowie im Gebäude- und Verkehrsbereich auszuschöpfen und Erneuerbare Energiequellen zu erschließen. Nur so werden wir unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen und die weltweite Temperaturerhöhung so weit wie möglich reduzieren."

| BMBF Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften