Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligenter Daten-Dolmetscher

07.04.2009
Verarbeitungsservice für Satelliten- und Sensordaten von Jacobs-Forscher wird weltweiter Standard

Zum abrufen und analysieren besonders umfangreicher Geodaten publizierte das internationale Standardisierungsgremium Open GeoSpatial Consortium (OGC) jetzt den Datendienst "Web Coverage Processing Service" (WCPS) als weltweiten Standard.

WCPS definiert eine Computersprache, mit der erstmals Sensor-, Bild- und Statistikdaten format- und programmunabhängig von Online-Geodatenservern abgerufen werden können. Dabei ermöglicht WCPS schon bei der Anfrage eine Selektion, Verknüpfung und Direktanalyse der Daten. Entwickler des intelligenten Geodienstes ist Peter Baumann, Professor of Computer Science an der Jacobs University.

Weltweit gewinnen Forschungseinrichtungen, staatliche Institutionen und Unternehmen jährlich viele Millionen Gigabyte an Georasterdaten - Messungen und Informationen, die einem bestimmten geografischen und zeitlichen Raster zugeordnet sind, vergleichbar den Bildpunkten auf einem Bildschirm. Dies können Zeitreihen von Satellitenbildern sein, von denen ein einziges bereits mehrere Gigabyte umfassen kann, CO2- und andere klimarelevante Messreihen für ein bestimmtes Gebiet oder auch Statistiken, die auf geo-ökonomischen und geo-sozialen Erhebungen basieren.

Trotz zunehmend offenem Datenzugang durch Internet-basierte Dienste ist die institutions- und länderübergreifende Auswertung solcher Geo- und Umweltdaten problematisch: Nicht nur die riesigen und stetig wachsenden Datenmengen, sondern auch die Verwendung unterschiedlichster Datenformate und Bereitstellungsprogramme machen den Einsatz von Spezialisten notwendig und sind zeit- und kostenintensiv.

Die schnelle, flexible und übergreifende Geodatenauswertung ist für viele wichtige Anwendungsbereiche jedoch essenziell. Im Katastrophenschutz beispielsweise müssen verschiedenste Datenquellen schnellstmöglich verfügbar sein und miteinander verknüpft werden, und dies bedarfsgerecht für unterschiedliche Nutzergruppen: für die Hilfskräfte vor Ort, für die Einsatzleitstellen und für die Öffentlichkeit. Aber auch im wissenschaftlichen Alltag müssen Forscher auf die Daten von Kollegen zugreifen, um sie mit ihren eigenen Daten zu verknüpfen und entsprechend der eigenen Fragestellungen auszuwerten.

Der im Dezember 2008 vom Open Geospatial Consortium (OGC) verabschiedete und jetzt publizierte Standard "Web Coverage Processing Service" (WCPS) soll nun speziell Rasterdaten ("Coverages") besser allgemeinzugänglich und quellenunabhängig miteinander verknüpfbar machen. WCPS legt eine Computersprache fest, in der detaillierte Anweisungen zur Auswahl und Verarbeitung von Rasterdaten an einen Server geschickt und die Resultate abgeholt werden können. "Für die Abfrage von Georasterdaten ist die Standardisierung von WCPS vergleichbar mit der Einführung des bekannten Internet-Standards "HTTP", dem "Hypertext Transfer Protocol" zur normierten Abfrage von Inhalten im Internet: Unabhängig vom Hersteller eines Servers können künftig überall die unterschiedlichsten Rasterdaten so abgerufen werden, wie sie für individuelle Zwecke gerade gebraucht werden", sagt Prof. Dr. Peter Baumann. Der WCPS-Entwickler und Informatiker lehrt und forscht seit 2004 an der Jacobs University im Bereich Wissens- und Informationsmanagement und ist seit über 15 Jahre auf die Entwicklung und Optimierung von Rasterdiensten spezialisiert.

WCPS erlaubt erstmals Anfragen von beliebiger Komplexität und unabhängig davon, wie viele Dimensionen die Rasterdaten haben: eindimensionale Messreihen, zweidimensionale Satellitenbilder, dreidimensionale Daten aus der Meeresforschung und vierdimensionale Klimadaten. Dabei lassen sich beliebig viele Rasterobjekte gleichzeitig bearbeiten und kombinieren, unabhängig von ihrem Datenvolumen. Diese Volumina sind extrem groß: Eine einzige Klimasimulations-Datenreihe kann bereits Zehntausende von Gigabytes umfassen. Die Auswertung der Anfrage erfolgt auf dem Server und damit direkt an der Datenquelle - dort, wo es am effizientesten ist; zurückgeschickt werden nur die fertigen Analyseergebnisse. "Damit realisieren wir endlich auch für Rasterdaten das seit langem in SQL-Datenbanken für tabellarische Daten erfolgreiche Prinzip des 'what you get is what you need' - der Nutzer erhält nur genau die Daten, die er braucht. Das spart Übertragungszeiten und ist bequemer für den Nutzer", so der Geodatenexperte Peter Baumann von der Jacobs University.

Das gemeinnützige Open Geospatial Consortium (OGC, http://www.opengeospatial.org) sorgt in Zusammenarbeit mit dem World-Wide Web Consortium (W3C) und anderen Gremien seit 1994 für die Festlegung weltweit gültiger Standards, um auf der Basis von freiwilliger Selbstverpflichtung die Interoperabilität unterschiedlichster Datenverarbeitungssysteme für raumbezogene Informationen zu fördern. Im OGC haben sich derzeit rund 370 Organisationen aus dem Wirtschaft, Wissenschaft, dem öffentlichen Sektor und dem Non-Profit-Bereich zusammengeschlossen, darunter namhafte Unternehmen und Institutionen wie Google, Microsoft, die NASA und Oracle. Die EU hat sich mit der INSPIRE-Initiative verpflichtet, ab 2010 stufenweise eine gemeinsame Geodaten-Infrastruktur auf Basis der OGC-Standards einzuführen.

Fragen zum WCPS-Standard beantwortet:
Prof. Dr. Peter Baumann | Professor of Computer Science
Tel.: 0421 200-3178 | E-Mail: p.baumann@jacobs-university.de

Dr. Kristin Beck | idw
Weitere Informationen:
http://www.jacobs-university.de/
http://www.jacobs-university.de/directory/pbaumann/index.php
http://www.opengeospatial.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie