Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Indischer Ozean „versteckt“ Erderwärmung - Meeresforscher weisen erhöhte Wärmeaufnahme nach

19.05.2015

Warum stieg die Erdtemperatur in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur wenig an? Ein Forscherteam verschiedener amerikanischer Einrichtungen und vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel konnte zeigen, dass sich der Wärmeinhalt des Indischen Ozeans seit Ende der 90iger Jahre stark erhöht hat, obwohl bei den globalen Temperaturen kaum ein Anstieg zu verzeichnen war. Grund hierfür dürfte ein erhöhter Wärmeaustausch zwischen dem Pazifischen und Indischen Ozean sein, wie die Autoren in der internationalen Fachzeitschrift Nature Geoscience berichten.

Am Ende des 20. Jahrhunderts und zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die globale Erwärmung eine Pause eingelegt, obwohl dies aufgrund der stetig steigenden Emissionen an Treibhausgasen nicht unbedingt zu erwarten war. Wissenschaftler suchten nach der Ursache dieser für viele überraschenden Entwicklung.


Schematische Darstellung der Wasserstandsänderungen und des indo-pazifischen Durchstroms in den vergangenen 20 Jahren. Hintergrund: Verteilung der Meeresoberflächentemperatur.

Quelle: NOAA

Nun konnte man in einer Studie, in der sowohl Beobachtungsdaten wie auch Modellsimulationen zur Anwendung kamen, zeigen, dass insbesondere der tropische Indische Ozean in den letzten zwei Jahrzehnten in einem sehr viel stärkeren Maße Wärme gespeichert hat als in den Jahrzehnten zuvor. Insbesondere durch den indo-pazifischen Durchstrom gelangte in erheblichem Maße Wärme aus dem tropischen Pazifik in diesen Teil des Weltozeans.

„Wir haben zunächst vermutet, dass der Pazifik überdurchschnittlich viel Wärme gespeichert hat“, sagt Dr. Wonsun Park vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Co-Autor der Studie. „Diese Hypothese mussten wir aber verwerfen, da die Messungen sogar einen Rückgang des Wärmeinhalts im Pazifik zeigten“, so Park weiter.

Erstautor Dr. Sang-Ki Lee von der University of Miami und NOAA führte deshalb umfangreiche Modellstudien durch und kam gemeinsam mit Dr. Park dem Mechanismus auf die Spur. Die vergangenen zwei Jahrzehnte waren im indo-pazifischen Raum durch verstärkte „La Niña“-Bedingungen geprägt, gekennzeichnet durch einen kalten Ost- und einen warmen Westpazifik.

Die damit einhergehende verstärkte Passatzirkulation transportierte warmes Wasser nach Westen und drückte es durch den indo-pazifischen Archipel in den Indischen Ozean. Im Ergebnis wurden dadurch in den oberen 700 Metern des Indischen Ozeans etwa 70% der globalen Wärmeaufnahme gespeichert.

„Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung des indo-pazifischen Durchstroms als Teil der globalen (thermohalinen) Ozeanzirkulation“, erläutert Sang-Ki Lee. Die dort aufgestaute Wärme könnte nun auch über andere Meeresströmungen, wie beispielsweise den Agulhas-Strom weiter in den Atlantik gelangen und so global umverteilt werden.

„Zu welchen Klimaschwankungen solche großräumigen Umverteilungen von Wärme im Ozean führen wird, lässt sich aber noch nicht abschätzen“, so Dr. Park abschließend. „Wir werden dieses Phänomen aber weiter beobachten und weitere Modellexperimente durchführen, so der südkoreanische Wissenschaftler.

Originalarbeit:
Lee, S.-K., W. Park, M. O. Baringer, A. L. Gordon, B. Huber and Y. Liu, 2015: Pacific origin of the abrupt increase in Indian Ocean heat content during the warming hiatus. Nature Geoscience, doi:10.1038/ngeo2438.

Ansprechpartner:
Dr. Andreas Villwock (Kommunikation & Medien), Tel. 0431 600-2802, presse@geomar.de

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.aoml.noaa.gov Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory, NOAA, Miami, USA
http://cimas.rsmas.miami.edu Cooperative Institute for Marine and Atmospheric Studies, University of Miami, USA
http://www.ldeo.columbia.edu Lamont-Doherty Earth Observatory, Earth Institute at Columbia University, Palisades, USA

Dr. Andreas Villwock | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften