Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In Zukunft gibt es in den Zentralen Anden bis zu 30 Prozent weniger Niederschläge

17.08.2015

Bereits heute tritt in den Zentralen Anden Perus und Boliviens saisonaler Wassermangel auf. Bis Ende dieses Jahrhunderts könnten die Niederschläge sogar um bis zu 30 Prozent abnehmen – dies prognostiziert ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Zürich. Erstmals für diese Region hat es aktuelle Klimadaten mit zukünftigen Klimaszenarien verglichen sowie mit Daten, die bis in die Zeiten vor dem Inkareich zurückgehen.

Die Bevölkerung in den Zentralen Anden ist bereits heute von Wasserknappheit bedroht. Nun zeigen Geographen der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit Schweizer und südamerikanischen Forschern, dass die Niederschläge in der Regenzeit merklich abnehmen könnten – und dies bereits in den nächsten zwanzig Jahren.


Wasserknappheit ist bereits heute ein Problem in den Zentralen Anden. In Zukunft könnte diese Region noch deutlich trockener werden.

Bild: Nadine Salzmann


Lamas und Schafe in der peruanischen Vilcanota Region.

Bild: Nadine Salzmann

Im Gegensatz zu üblichen Forschungsprojekten, die Klimaprognosen häufig isoliert betrachten, verglichen die UZH-Wissenschaftler aus Baumringen und Eisbohrkernen gewonnene Daten der letzten 1000 Jahre mit Messdaten der Gegenwart sowie Modellrechnungen für die Zukunft.

Dabei zeigte sich, dass die heutigen Niederschläge noch im Bereich der natürlichen Schwankungen der letzten Jahrhunderte liegen. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird sich dies voraussichtlich aber drastisch ändern: «Unsere Modellsimulationen legen nahe, dass die Wahrscheinlichkeit für trockene Jahre zwischen 2071 und 2100 viermal so gross sein wird wie in der vorindustriellen Zeit», sagt Erstautor Raphael Neukom.

Verstärkte Westwinde führen zu mehr Trockenheit

Weil es mit den heutigen globalen Klimamodellen schwierig ist, den Niederschlag in Bergregionen realistisch zu simulieren, mussten die Wissenschaftler einen Umweg gehen. Sie nutzten den Umstand aus, dass der Niederschlag in den tropischen Anden stark von der Windstärke in höheren Luftschichten gesteuert wird.

«Diese Winde lassen sich viel verlässlicher simulieren als der Niederschlag selber», so Raphael Neukom und folgert: «Durch den Anstieg der Treibhausgase werden die Westwinde über den Zentralen Anden höchstwahrscheinlich stärker werden. Verstärkte Westwinde in der oberen Troposphäre vermindern aber den Zufluss von feuchter Luft aus dem Amazonasgebiet in die Anden und führen damit zu mehr Trockenheit.»

Auf lange Sicht deutliche Tendenz

Obwohl sich in fast allen Modellsimulationen ein rückläufiger Niederschlag zeigt, muss man laut der Wissenschaftler mit gewissen Unsicherheiten bezüglich der Modelle und Klimaszenarien rechnen. Trotzdem: «Kurzfristige Voraussagen können zwar von gegenläufigen Schwankungen überlagert werden, aber langfristig, also bis zum Ende des Jahrhunderts, ist die Tendenz zu Trockenheit in den Anden in unseren Daten eindeutig», erklärt der UZH-Glaziologe Christian Huggel. Ausserdem könnten weitere Faktoren wie die Abholzung des Amazonasregenwaldes und der Rückgang des Gletscher-Schmelzwassers diese Tendenz verstärken.

Gemäss Christian Huggel braucht es deshalb dringend finanzierbare und risikoarme Massnahmen zur Anpassung der Region an die neuen Klimabedingungen. In peruanisch-schweizerischen Projekten werden solche Massnahmen getestet, beispielsweise mittels künstlicher Teiche zur Speicherung von Regenwasser. «Für die Dimensionierung solcher Teiche kommen die Resultate der Grundlagenforschung zum richtigen Zeitpunkt», schliesst Christian Huggel.

Literatur:

Raphael Neukom, Mario Rohrer, Pierluigi Calanca, Nadine Salzmann, Christian Huggel,
Delia Acuña, Duncan A Christie and Mariano S Morales. Facing unprecedented drying of the Central Andes? Precipitation variability over the period AD 1000-2100. Environmental Research Letters.
doi:10.1088/1748-9326/10/8/084017

Südamerikanisch-schweizerische Zusammenarbeit

Die Studie wurde von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mitfinanziert im Rahmen des Projektes «Anpassung an den Klimawandel in Peru». Neben konkreten Anpassungs- und Entwicklungsmassnahmen werden in diesem Projekt auch die wissenschaftlichen Grundlagen zum Klimawandel in den peruanischen Anden erarbeitet. Die aussergewöhnliche Zusammenarbeit von Schweizer Forschern der Universitäten Zürich, Fribourg und Bern sowie des Bundesinstituts Agroscope und der Meteodat GmbH mit südamerikanischen Forschern aus Peru, Argentinien und Chile bringt Päläoklimatologen mit Fachleuten der instrumentellen Klimamessung zusammen. Dabei wird versucht, das vergangene, gegenwärtige und in der Zukunft liegende Klima möglichst genau zu quantifizieren. Um Anpassungsmassnahmen sinnvoll planen zu können, ist es wichtig, die mittel- und langfristigen Klimaänderungen möglichst genau zu erkunden. Deshalb arbeiten in diesem Projekt DEZA, peruanische Regierungsinstitutionen, Wissenschaft und die Entwicklungsorganisation Helvetas eng zusammen.

Weitere Informationen:

http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2015/in-zukunft-gibt-es-in-den-zentralen-an...

Nathalie Huber | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Infrarotkamera für die Metallindustrie bis 2000 °C

28.04.2017 | Messenachrichten

Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren

28.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten