Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Homo sapiens wanderte durch feuchte Wüste Arabiens

01.12.2011
Ein Berner Forscherteam hat herausgefunden, dass in der arabischen Wüste in den letzten 130'000 Jahren mehrere Phasen feuchten Klimas herrschten. Diese Intervalle ermöglichten dem modernen Menschen die Ausbreitung aus Afrika über die arabische Halbinsel.

Mit Untersuchungen an fossilen Seesedimenten und Stalagmiten belegen Berner Geologen, dass sich die arabische Wüste während der letzten 130’000 Jahre viermal in eine grüne Savanne mit zahlreichen Seen verwandelt hat. Diese humiden Klimaphasen dauerten zwar nur zwischen 4000 bis 7000 Jahre, für die Ausbreitung des Homo sapiens von Afrika nach Europa und Asien waren sie aber von zentraler Bedeutung.


Fossile Seeablagerungen aus der Rub' al Khali Wüste im Südwesten Saudi Arabiens.
Bild: Thomas Rosenberg

Diese Erkenntnisse beruhen auf den Ergebnissen der Doktorarbeit von Thomas Rosenberg, die er unter der Leitung der Professoren Frank Preusser, Dominik Fleitmann und Albert Matter am Institut für Geologie und dem Oeschger Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bern verfasste. Die jüngsten Ergebnisse dieser vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Arbeit sind in der neuesten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift «Geology» publiziert.

Arabische Halbinsel als Landbrücke

Auf dem Weg zu einer «globalen Spezies» verliess der moderne Mensch vor etwa 150’000 Jahren Ostafrika. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Frage, welchen Weg der Homo sapiens dabei genommen hat und wann er die lebensfeindlichen Wüsten Nordafrikas und Arabiens durchqueren konnte. Bislang wurde vermutet, dass unsere Vorfahren über das Nil-Tal und den mittleren Osten nach Norden wanderten. «Die arabische Halbinsel wurde als Landbrücke für den modernen Menschen lange Zeit vernachlässigt, die Forschung konzentrierte sich auf Nordafrika und den nahen Osten», erläutert Dominik Fleitmann. «Dies wird sich durch unsere Forschungsergebnisse hoffentlich rasch ändern.»

Ein grüner Korridor für menschliches Leben

Das Forscherteam der Uni Bern untersuchte fossile Seeablagerungen aus der arabischen Wüste und nahm sogenannte Lumineszenzdatierungen vor, mit welchen Mineralien auf gespeichertes Licht untersucht und so datiert werden. Die Forscher konnten in der Zeitspanne zwischen 130'000 und 75'000 Jahren vor unserer Zeit drei Intervalle ausmachen, in denen in Arabien ein sehr feuchtes Klima herrschte. Diese Feuchtphasen ereigneten sich vor rund 125’000, 100’000 und 80’000 Jahren. Datierungen und geochemische Analysen von Stalagmiten unterstützen diese Annahme zusätzlich.

Durch die Zunahme der Niederschläge verwandelte sich also die arabische Wüste wiederholt in eine grüne Savanne, in der sich hunderte von Seen bildeten, die teilweise bis zu 50 Kilometer gross und 30 Meter tief waren. Noch heute findet man an den alten Ufern dieser Seen Steinwerkzeuge, die bezeugen, dass in der arabischen Wüste vor 130’000 bis 75’000 Jahren Menschen lebten.

Homo sapiens nutzte seine Chancen

Die Untersuchungen der Berner Geologen zeigen ausserdem, dass die arabische Wüste vor 80’000 bis 10’500 Jahren keine signifikanten Niederschläge mehr erhielt und sich schliesslich in eine für den modernen Menschen unüberwindbare geographische Barriere verwandelte. Dem Homo sapiens blieben demzufolge nur drei relativ kurze Zeitfenster, um die arabische Halbinsel auf seinem Weg nach Norden zu durchqueren. «Alle Indizien sprechen dafür, dass der Homo sapiens diese Zeitfenster genutzt hat und Arabien für die Ausbreitung unserer Spezies eine zentrale Bedeutung zukommt», so Geologe Fleitmann.

Quellenangabe:
Rosenberg T.M., Preusser F., Fleitmann D., Schwalb A., Penkman K., Schmid T.W., Al-Shanti M.A., Kadi K., Matter A.: Humid periods in southern Arabia: windows of opportunity for modern human dispersal. Geology, 39, S. 1115-1118. doi:10.1130/G32281.1

Weitere Auskunft:

Thomas Rosenberg
Institut für Geologie der Universität Bern
Baltzerstrasse 1 + 3, 3012 Bern
Tel. +41 (0)31 631 45 67
thomas.rosenberg@geo.unibe.ch
Prof. Dr. Dominik Fleitmann
Institut für Geologie der Universität Bern
Baltzerstrasse 1 + 3, 3012 Bern
Tel. +41 (0)31 631 84 96
Mobile: +41 (0)78 757 50 14
dominik.fleitmann@geo.unibe.ch

Nathalie Matter | Universität Bern
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch
http://www.earthsci.unibe.ch/index.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg
26.05.2017 | Universität Siegen

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften