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Hochwasser: Rückverlegung des Deichs bewährt sich

25.06.2013
Eine renaturierte Auenlandschaft mit großer Artenvielfalt und ein wirksamer Schutz vor Hochwasser – das sind die Ergebnisse des Naturschutzgroßprojekts „Lenzener Elbtalaue“.

Unter der Leitung des Biologen Dr. Christian Damm vom KIT wurde der Elbdeich bei Lenzen (Brandenburg) ins Hinterland verlegt. Das bis jetzt größte Rückdeichungsprojekt Deutschlands hat nun eine wichtige Bewährungsprobe bestanden: Beim Elbe-Hochwasser 2013 hat die Überflutungsfläche zwischen altem und neuem Deich das Umland vor Schäden bewahrt.


Deichrückverlegung: rechts die Elbe und der Altdeich, links die Neudeichbaustelle.
(Luftbild: Jochen Purps)

Der „Böse Ort“ hat seinen Schrecken verloren: Bei Lenzen im Landkreis Prignitz/Brandenburg macht die Elbe einen 90-Grad-Bogen. Jahrhundertelang galt diese Stelle, an der zudem die Wasserabflussbreite zwischen den Deichen stark verengt war, als hydraulisch besonders gefährlich. Noch beim Hochwasser 2002 gelang es nur mit enormem Aufwand, den Deich zu schützen. Das hat sich inzwischen geändert: Der flussnahe Deich wurde auf einem Abschnitt von mehr als 7,4 Kilometern um bis zu 1,3 Kilometer ins Hinterland verlegt. Der neue Deich ist rund 6,1 Kilometer lang, der alte Deich blieb stehen, wurde aber an sechs Stellen geöffnet. Zwischen den beiden Deichen entstand ein rund 420 Hektar großer Überflutungsraum, der bis zu 16 Millionen Kubikmeter Wasser fassen kann. Dieses Potenzial wurde beim Elbe-Hochwasser Anfang Juni voll ausgenutzt – und das Umland blieb von Schäden verschont. Beim Projekt „Lenzener Elbtalaue“ handelt es sich um die bis jetzt größte Deichrückverlegung Deutschlands.

„Das Projekt vereint vorbildlich Naturschutz, Hochwasserschutz, Tourismus und andere Auenutzungen“, erklärt Dr. Christian Damm vom Institut für Geographie und Geoökologie, Bereich WWF-Auen-Institut, am Karlsruher Institut für Technologie, Er hat die 2009 abgeschlossene Deichrückverlegung geleitet. Gestartet ist das Projekt als Naturschutzvorhaben mit dem Ziel, eine Auenlandschaft mit reicher Tier- und Pflanzenwelt wiederherzustellen, die dem wechselhaften Rhythmus des Flusses ausgesetzt ist – Trockenheit bei Niedrigwasser, Überflutung bei Hochwasser. Dazu bedarf es der Verbindung zum Fluss. Auf der ehemals als Weideland genutzten Fläche wurden Tausende von Eichen, Ulmen und Weiden gepflanzt. Die Bäume bremsen zugleich die Hochwasserwellen.

Der neu geschaffene Retentionsraum kann den Wasserspiegel bei extremem Hochwasser in diesem Abschnitt um bis zu 40 Zentimeter senken. Finanziert wurde das Projekt zu 75 Prozent vom Bund und zu 18 Prozent vom Land Brandenburg. Die verbleibenden sieben Prozent brachte der Trägerverbund Burg Lenzen e.V. mit einer Allianz verschiedener Naturschutzverbände um den BUND auf. „Selbstverständlich hat dieses Projekt nur eine regionale Wirkung“, erklärt Dr. Christian Damm vom KIT. „Die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen jedoch, dass es sich lohnt, die natürlichen Funktionen der Aue, unter anderem auch als Rückhalteraum bei Überflutungen, wiederherzustellen. Aber weitere Projekte müssen folgen.“

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, PKM – Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail:schinarakis@kit.edu

Das KIT-Zentrum Klima und Umwelt entwickelt Strategien und Technologien zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen: Dafür erarbeiten 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 32 Instituten Grundlagen- und Anwendungswissen zum Klima- und Umweltwandel. Dabei geht es nicht nur um die Beseitigung der Ursachen von Umweltproblemen, sondern zunehmend um die Anpassung an veränderte Verhältnisse.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

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