Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hitze, Hagel, Sturm – was extreme Wetterereignisse für die Land- und Forstwirtschaft bedeuten

26.06.2015

Mehr Starkregen im Winter, mehr Trockenheit im Sommer / Landwirte haben vielfältige Möglichkeiten zu reagieren

Der Südosten Deutschlands versank in den letzten Wochen im Regen, im Norden litten die Äcker unter anhaltender Dürre, die Waldbrandgefahr stieg. Der Zeitpunkt, über extreme Wetterlagen und ihre Auswirkungen für die Land- und Forstwirtschaft zu sprechen, hätte nicht besser gewählt sein können.


Getreide wie Weizen leidet unter extremer Trockenheit

(Thünen-Institut/Michael Welling)

Am 23. Juni 2015 stellten Experten auf einer Tagung in Berlin die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Agrarrelevante Extremwetterlagen und Möglichkeiten von Risikomanagementsystemen“ vor.

Starkregen, Hitze, Dürre, Sturm, Hagel oder Frost können der Land- und Forstwirtschaft erheblichen Schaden zufügen. „Während die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels relativ gut erforscht sind, lagen für die erwartete Zunahme von Extremwetterlagen kaum belastbare Erkenntnisse vor, schon gar nicht regional und nach Kulturarten differenziert“, umreißt Projektleiter Dr. Horst Gömann vom Braunschweiger Thünen-Institut für Ländliche Räume die Ausgangslage.

Die Frage, wie Wirtschaft und Staat reagieren können, veranlasste das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vor zwei Jahren, das Forschungsprojekt in Auftrag zu geben. Unter Federführung des Thünen-Instituts und zusammen mit dem Julius Kühn-Institut, dem Deutschen Wetterdienst sowie weiteren Partnern wurden die einzelnen Aspekte untersucht und die Ergebnisse jetzt vorgestellt.

Zum Thema Niederschlag fasste der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Dr. Paul Becker, die Erkenntnisse wie folgt zusammen: „Die Häufigkeit von Extremniederschlägen dürfte bis zum Jahr 2100 im Winter um etwa 50 % bis 100 %, im Sommer dagegen nur leicht zunehmen. Dieser Trend findet sich in den Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes für die Wintermonate zum Teil auch bereits wieder, für den Sommer lassen sich dagegen noch keine Änderungen feststellen“.

Die Auswertungen für den Zeitraum von 1961 bis 2013 sowie die Ergebnisse aus den Klimamodellen bis zum Jahr 2100 zeigen zudem: Die Zahl extremer Hitzetage ist angestiegen, dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen. Ferner nahmen in den letzten 20 Jahren die Tage ohne Niederschlag im März und April zu, ebenso die Zahl extrem trockener Sommertage.

Während für die Frühjahrstrockenheit keine Aussagen zur zukünftigen Entwicklung vorliegen, soll extreme Sommertrockenheit weiter zunehmen, so die Wissenschaftler. Hitze und Trockenheit wirkt sich vor allem auf die Ertragsbildung bei einigen Ackerkulturen, z. B. Weizen, aus. Aktuell werden diese Effekte unter Freilandbedingungen vom Thünen-Institut und vom Julius Kühn-Institut näher untersucht.

Im Wald ist die Fähigkeit zur Selbstverjüngung vor allem unter Fichte und Kiefer gefährdet. Bei einigen Extremwetterlagen wie Hagel, Starkniederschlägen und Spätfrösten, die insbesondere im Acker-, Obst- und Gemüsebau hohe Schäden verursachen, besteht wegen fehlender Beobachtungsdaten bzw. nicht eindeutiger Wechselwirkungen weiterer Forschungsbedarf.

Das Forschungsprojekt kommt zu der Empfehlung, dass es angesichts vielfältiger Anpassungsoptionen in der Land- und Forstwirtschaft nicht unmittelbar notwendig sei, Risikomanagementsysteme wie etwa großflächige Versicherungslösungen gegen Dürre verstärkt staatlich zu unterstützen.

„Diese Studie leistet einen wichtigen Beitrag, sich frühzeitig auf die erwarteten Veränderungen einzustellen und über geeignete Anpassungsmaßnahmen nachzudenken“, so Jobst Jungehülsing, Ministerialrat im BMEL, zum Abschluss der Veranstaltung. Bemerkenswert sei auch, dass das Thünen-Institut, der Deutsche Wetterdienst und das Julius-Kühn-Institut mit dem Projekt eine Vorreiterrolle in der EU hätten, da eine solche Studie bislang noch nicht durchgeführt worden sei.

Die 120 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Land- und Forstwirtschaft sowie der Versicherungswirtschaft diskutierten rege die Folgerungen aus den Ergebnissen. Der Endbericht, die Vorträge der Tagung sowie weitere Informationen zum Forschungsprojekt sind unter http://www.agrarrelevante-extremwetterlagen.de zusammengestellt.

Weitere Informationen:

http://www.agrarrelevante-extremwetterlagen.de - Projektseite

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorhersage von Kristallisationsprozessen soll bessere Kunststoff-Bauteile möglich machen

20.06.2018 | Materialwissenschaften

Agrophotovoltaik goes global: von Chile bis Vietnam

20.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

20.06.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics