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Helmholtz treibt Hochwasserforschung voran

03.07.2013
Die Helmholtz-Gemeinschaft zieht Konsequenzen aus dem Hochwasser der vergangenen Wochen.

Ein eigens zu diesem Zweck gegründetes Konsortium aus drei Helmholtz-Zentren und weiteren Partnern will bis nächsten Sommer eine umfassende Studie zu den Ursachen und Folgen der Flut vorlegen und dabei auch erstmals systematisch analysieren, welche Fortschritte es nach dem sogenannten Jahrhunderthochwasser von 2002 in der Hochwasservorsorge gegeben hat und welche Defizite immer noch bestehen.

„Momentan sind zu dieser Frage viele Meinungen im Umlauf, aber das meiste kommt aus dem Bauch heraus“, sagt Bruno Merz, Hydrologe am Helmholtz-Zentrum Potsdam, dem Deutschen GeoForschungszentrum (GFZ). „Was wirklich gut und was schief gelaufen ist, das muss jetzt aufgearbeitet werden, und genau das ist eine Aufgabe unseres Projekts.“

Merz ist Sprecher des neuen Konsortiums, zu dem außer dem GFZ das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, das ebenfalls zu Helmholtz gehörende Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie die Universität Potsdam und das Deutsche Komitee für Katastrophenvorsorge (DKKV) zählen.

Als Merz am 29. Mai die Warnmeldung seines Kollegen Bernhard Mühr vom KIT las, wusste er, was bevorstand. „Verbreitet Starkregen! Mögliches Hochwasser!“ stand dort und weiter unten: „Verbreitete Überflutungen, Erdrutsche, Verkehrsbehinderungen sind mögliche Szenarien.“ Seit Tagen schon regnete es zu diesem Zeitpunkt, und die Flüsse in Süd- und Ostdeutschland begannen anzuschwellen. Mühr und Merz arbeiten beide fürs CEDIM, dem vom KIT und GFZ gemeinsam betriebenen „Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology“ (http://www.cedim.de).

Vier Wochen später werden die Schäden an Häusern, Straßen oder Fahrzeugen auf zehn bis zwölf Milliarden Euro geschätzt, doch Merz warnt: „Wir sollten mit diesen Zahlen vorsichtig sein, nach der Flut 2002 dauerte es über ein Jahr, bis die tatsächliche Höhe feststand.“

Sofort, als die ersten Warnungen kamen, haben sich die CEDIM-Forscher zusammengesetzt, die Hochwasserlage analysiert und unter der Bezeichnung „Forensic Disaster Analysis“ regelmäßig Statusberichte zur Situation veröffentlicht.

Nicht nur das Beispiel CEDIM zeigt: Seit 2002 hat sich eine Menge auf dem Gebiet der Katastro-phenvorsorge getan. Doch fest steht auch: Es ist noch längst nicht genug. Bis nächsten Sommer wollen die Experten um Merz deshalb Klarheit schaffen. „Im Grund geht es um die eine Frage, und zwar, was man aus 2002 gelernt hat – und was nicht“, sagt Merz.

Die Wissenschaftler wollen unter anderem die Wirksamkeit der in den vergangenen Jahren errichteten Deiche und Schutzmauern untersuchen, anderswo wollen sie schauen, was Renaturierungen von Flussläufen gebracht haben. Sie wollen analysieren, ob die zum Teil neuen Frühwarnsysteme so funktioniert haben, wie sie sollten, und ob die verbesserten Vorhersagen sinnvoll genutzt wurden. Und schließlich wollen sie sich mit Fragen der Bürgerbeteiligung auseinandersetzen: Wie können Hochwasserschutzprojekte künftig so geplant werden, dass sich keiner übergangen fühlt, gleichzeitig aber auch die nötigen Entscheidungen von allen gemeinsam verantwortet werden?

Georg Teutsch, wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ und zuständiger Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft, ist sich sicher: „Das Thema Hochwasserschutz wird in den nächsten Jahren innerhalb von Helmholtz und darüber hinaus eine zentrale Rolle spielen.“ Die jetzt beschlossene Studie sei da ein unverzichtbarer Impuls.

Das Ziel ist klar: Wenn die nächste Hochwasserwarnung kommt, dann will das Land bereit sein.

Ansprechpartner für die Medien:

Jan-Martin Wiarda
Pressesprecher
Tel.: 030 206 329-54
Jan-Martin.Wiarda@helmholtz.de

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10178 Berlin

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Jan-Martin Wiarda | Helmholtz-Gemeinschaft
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