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Helmholtz-Experten vermessen die Aschewolke

25.05.2011
Am Abend des 24. Mai, drei Tage nach dem Ausbruch, ist die Aschewolke des Vulkans Grimsvötn aus Island in Norddeutschland angekommen.

Im Lauf des nächsten Morgen sind einige Flughäfen im Norden Deutschlands geschlossen worden, eine Vorsichtsmaßnahme, die auch schon im letzten Jahr nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull ergriffen worden war. Denn Aschepartikeln können Triebwerke in Flugzeugen beschädigen und dadurch die Sicherheit beeinträchtigen (Warum ist Vulkanasche gefährlich).

Grenzwert seit 2010 festgelegt

Erst nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull im April 2010 wurde dafür ein Grenzwert von zwei Milligramm Asche pro Kubikmeter definiert, unterhalb dessen Flüge zugelassen werden können. Die Messflüge der Falcon 20E des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben zu dieser Bestimmung erheblich beigetragen. Inzwischen sind die damals gesammelten Daten umfassend ausgewertet: Über Deutschland wurde dieser Grenzwert nach dem Eyjafjallajökull-Ausbruch an keinem Tag überschritten. "Insgesamt hat der Vulkan schätzungsweise rund zehn Megatonnen Asche und drei Megatonnen Schwefeldioxid ausgestoßen", sagt Prof. Dr. Ulrich Schumann vom Institut für Physik der Atmosphäre des DLR. "Wir konnten die Ascheschicht in Höhen bis zu sieben Kilometern finden. Sie war einige hundert Meter bis zu drei Kilometer dick und 100 bis 300 Kilometer breit." Die Aschewolke ähnelt in vielerlei Hinsicht Staubwolken bei Sahara-Wüstenstürmen, die das DLR in der Vergangenheit mehrfach vermessen hat.

Erste Messungen laufen

Dennoch müssen auch diesmal die Aschekonzentrationen in der Luft erst ermittelt werden:

Wissenschaftler aus dem Forschungszentrum Jülich sind bereits in Rendsburg in der Nähe der Kieler Bucht und messen vom Boden aus die vertikale Ausdehnung der Aschewolke und bestimmen ihren zeitlichen Verlauf. Messflüge mit Wissenschaftlern der Universität Mainz sind geplant, an Bord des dafür vorgesehenen Lear-Jets werden auch Messgeräte des Deutschen Wetterdienstes sein, um die Größenverteilung der Partikel zu bestimmen.

Mit dem LIDAR-System können sie Höhe, Menge und Ausbreitung der Russpartikel bestimmen und mit den Daten des Vorjahres vom Ausbruch des Eyjafjallajökul vergleichen. Das LIDAR, kurz für "Light detection and ranging"-System, schickt dazu einen Laserstrahl in den Himmel und analysiert den Anteil des aus der Atmosphäre zurück gestreuten Lichts. Die Wissenschaftler können so Partikel bis in eine Höhe von 15 Kilometern aufspüren. Seit vergangenem Sonntag sind die Wissenschaftler vor Ort, aufgrund der lange geplanten EU-Messkampagne DENCHAR. Deren Ziel ist es, neue Geräte für die Messung von Wasserdampf bei Flugkampagnen zu entwickeln und zu charakterisieren. Aus aktuellem Anlass werden die Klimaforscher aber nun das Messprogramm verändern.

Neue DLR-Messflüge mit Falcon 20E erst ab Sonntag möglich
Das DLR-Forschungsflugzeug Falcon20E ist zurzeit noch im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums unterwegs, um Höhenmess-Systeme zu kalibrieren. Die Arbeit wird voraussichtlich am Donnerstag beendet. Falls das Bundesverkehrsministerium einen entsprechenden Auftrag erteilt, kann das Flugzeug für eine neue Messkampagne umgerüstet werden, so dass erste Messflüge durch die Aschewolke des Grímsvötn frühestens ab Sonntag starten könnten. Möglicherweise hat sich bis dahin die Lage entspannt, so dass erneute Messflüge nicht mehr nötig sind, meint Andreas Schütz, Pressesprecher des DLR. Aktuell arbeiten die DLR-Forscher um Prof. Dr. Ulrich Schumann daran, die Satellitendaten der Aschewolke für den Deutschen Wetterdienst (DWD) auszuwerten, um die Vorhersagen zu verbessern.

Keine anhaltenden Flugverbote erwartet

Küstenforscher Dr. Volker Matthias aus dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht geht in einer eben veröffentlichten Stellungnahme davon aus, dass es diesmal nicht zu anhaltenden Flugverboten kommen wird.

Mehr Informationen:
Aktuelle Messergebnisse vom Forschungszentrum Jülich:
www.fz-juelich/aschewolke
Vorhersagen in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Institut für Umweltforschung (RIU) an der Universität Köln:

www.eurad.uni-koeln.de

Aktuelle Informationen aus dem KIT:
http://www.wettergefahren-fruehwarnung.de
Pressekontakte:
Forschungszentrum Jülich
Annette Stettien, Dr. Barbara Schunk
Tel.: 02461 61-2388, 02461 61-8031
b.schunk(at)fz-juelich.de, a.stettien(at)fz-juelich.de
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt:
Andreas Schütz
Tel.: 02203 601-2474
Mobil: 0171 3126466
Lena Fuhrmann
Tel.: 02203 601-3881
Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ:
Franz Ossing
Tel.: 0331 288 - 1040
franz.ossing(at)gfz-potsdam.de
Karlsruher Institut für Technologie
Dr. Joachim Hoffmann
Tel.:0721 608 2 2860
joachim.hoffmann(at)kit.edu
Helmholtz Zentrum München –
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
Sven Winkler
Tel.: 089 3187 3946
presse(at)helmholtz-muenchen.de
Fachliche Ansprechpartner aus dem HZM zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der Aschewolke:
Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie II
Tel.: 089 3187 3626
kirchmair(at)helmholtz-muenchen.de
Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie,
Tel.: 089 3187 4066
E-Mail: wichmann(at)helmholtz-muenchen.de

Thomas Gazlig | Helmholtz-Gemeinschaft
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz.de/vulkan
http://www.helmholtz.de/aktuelles/schwerpunkte/vulkan_eruptionen/folgen_der_vulkan_eruption_grimsvoetn/

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