Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine harte Nuss: die Evolution der Panzerfische

12.07.2012
Als die Dinosaurier die Kontinente bevölkerten, waren sie die Herrscher der Ozeane: die Panzerfische.

Viele Fossilien dieser ungewöhnlichen Fische sind aus der Zeit des Erdmittelalters bekannt, von der Trias (vor etwa 230 Millionen Jahre) bis in die obere Kreidezeit (vor etwa 70 Millionen Jahre), aber bisher waren ihre Diversität und ihre Evolution weitgehend im Dunkeln.


(Macrosemimimus fegerti-UV.tiff): Außergewöhnlich gut erhaltenes Exemplar des kürzlich beschriebenen Macrosemimimus fegerti, das derzeit im Jura Museum Eichstätt in der Ausstellung zu sehen ist. Dieser gepanzerte Fisch lebte zur Zeit des oberen Jura in einem tropischen Archipel in der Gegend der heutigen südlichen Frankenalb in Süddeutschland. Das Exemplar wurde unter ultraviolettem Licht fotografiert, unter dem die Schmelzschuppen gelb leuchten. Foto: SNSB


(Lepidotes gigas.tiff): Sehr schön erhaltenes Exemplar von Lepidotes gigas im Paläontologischen Museum München. Dies ist einer der typischen gepanzerten Fische aus dem unteren Jura, der die Flachmeere bevölkerte, von denen heute der in Süddeutschland weit verbreitete sogenannte Posidonienschiefer Zeugnis ablegt. Die typische, aus knöchernen Schuppen bestehende Panzerung ist gut erkennbar. Foto: SNSB

In einem gerade erschienen Artikel in der wissenschaftlichen Zeitschrift PLoS ONE untersucht die Münchener Paläontologin Dr. Adriana López-Arbarello (Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie) die Verwandtschaftsverhältnisse dieser bedeutenden Fischgruppe aus dem Erdmittelalter.

Als die Dinosaurier die Kontinente bevölkerten, waren sie die Herrscher der Ozeane: die Panzerfische. Diese Vertreter der Knochenfische, waren mit harten Knochenschuppen gepanzert, deren Oberfläche zusätzlich mit einer zahnschmelzähnlichen Substanz belegt war und bei großen Formen bis zu einem Zentimeter dick sein konnte. Viele Fossilien dieser ungewöhnlichen Fische sind aus der Zeit des Erdmittelalters bekannt, von der Trias (vor etwa 230 Millionen Jahre) bis in die obere Kreidezeit (vor etwa 70 Millionen Jahre), aber

bisher waren ihre Diversität und ihre Evolution weitgehend im Dunkeln. Die Forscher klassifizierten die meisten Fossilien in zwei Artgruppen, für die die Namen Semionotus und Lepidotes gebraucht wurden.

In einem gerade erschienen Artikel in der wissenschaftlichen Zeitschrift PLoS ONE untersucht die Münchener Paläontologin Dr. Adriana López-Arbarello (Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie) die Verwandtschaftsverhältnisse dieser bedeutenden Fischgruppe aus dem Erdmittelalter. Ihre Analyse führt zu überraschenden Ergebnissen: nicht nur sind die Panzerfische sehr viel diverser als bisher angenommen, sondern viele von den bekannten Formen lassen sich auch in die Vorfahrenreihe der heutigen Knochenhechte einreihen. "Die beiden Gattungen Semionotus und Lepidotes waren bisher so etwas wie "Mülleimertaxa" für Fische des Erdmittelalters, die harte, knöcherne Schuppen besaßen", erklärt López-Arbarello:

"Meine Arbeit zeigt, dass diese Tiere in Wirklichkeit zu zahlreichen separaten Entwicklungslinien gehören, und sowohl die Artenvielfalt, als auch die ökologischen Anpassungen sind sehr viel größer, als wir bisher wussten." Viele der unter diesen beiden Namen zusammengefassten Arten brauchten daher neue Namen.

Aber nicht nur diese Erkenntnis erstaunte die Forscher. Viele der Panzerfische des Erdmittelalters entpuppten sich als Verwandte der Knochenhechte, einer Gruppe von Fischen, die heute mit nur noch sieben Arten in Flüssen und Seen Nordamerikas vorkommen. "Währen die heutigen Knochenhechte gegenüber den etwa 27.000 Arten der modernen Knochenfische kaum eine Rolle spielen, gehört ihre fossile Stammlinie im Erdmittelalter zu den erfolgreichsten Fischgruppen überhaupt," so López-Arbarello: "Zu jener Zeit besiedelten die Ahnen der Knochenhechte zahlreiche ökologische Nischen, sowohl im Süßwasser, als auch in den Ozeanen, und das praktisch weltweit."

Obwohl Fische zu den häufigsten Fossilien überhaupt gehören und auch heute mit etwa 28.000 Arten fast die Hälfte der bekannten Wirbeltiere stellen, ist diese Gruppe immer noch vergleichsweise wenig erforscht. "Was die Fische des Erdmittelalters angeht, so wissen wir, trotz zahlreicher Funde, immer noch erschreckend wenig, und nicht nur die evolutiven Zusammenhänge, sondern häufig auch die Vielfalt der Arten ist bisher unklar", sagt López-Arbarello: "Dabei ist dies die Zeit, in der sich die modernen Fischgruppen etablieren, und ein
besseres Verständnis der Evolution der Fische dieser Zeit würde auch den Ursprung der heutigen Fischfaunen erhellen." Die Studie wurde von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft finanziert.

Link zum Artikel (ab 11.07., 23.00h)
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0039370

Kontakt:
Dr. Adriana López-Arbarello
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
a.Lopez-Arbarello@lrz.uni-muenchen.de
089/21806725

Dr. Eva-Maria Natzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0039370

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie