Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grönlands Gletscher verschwinden von unten

15.02.2010
Schmelze geschieht unter der Wasseroberfläche

Ein Forscherteam der University of California, Irvine (UCI) hat in einer aktuellen Studie im Wissenschaftsmagazin Nature Geoscience bewiesen, dass die Gletscher in Grönland von unten her schmelzen. 75 Prozent des Eisverlustes der Gletscher wird von zu warmen Meerwasser verursacht.

"Es gibt ein Bild in der Öffentlichkeit, das sich eingeprägt hat und das sieht so aus, als würden die Gletscher nur Eis verlieren, wenn Eisberge abbrechen", so Studienautor Eric Rignot von der UCI. "Wichtig ist jedoch, was unter der Wasseroberfläche geschieht." Im Sommer 2008 hat das Forscherteam Salzgehalt, Temperatur und Strömungsgeschwindigkeiten in der Nähe von vier kalbenden Gletschern gemessen und die Daten nun ausgewertet.

Warmes Wasser löst Gletscher vom Meeresgrund

Das "Gesicht" des Gletschers unter der Wasseroberfläche hat täglich zwischen 0,7 und 3,9 Meter abgenommen. Das ist etwa der 20-fache Rückgang im Vergleich zum Gletscherteil, der aus dem Wasser ragt. Dies setze eine Maschinerie in Gang, bei der Eisüberhänge entstehen, die dann nach und nach ins Meer stürzen, schildert Paul Holland von der British Antarctic Society.

"Warmes Wasser sorgt wahrscheinlich auch dafür, dass sich Eis vom Meeresgrund ablöst", so Rignot. Denn damit verschwinden die "Stützpfeiler", die das Inlandeis daran hindern, ins Meer zu rutschen. Das sei ein Weg, wie wärmende Ozeane dafür sorgen, dass grönländisches Inlandeis abbricht und ins Meer stürzt.

Gleiches Prinzip wie in der Antarktis

"Die von den großen Eisschilden abfließenden Gletscher münden ins Meer und deren Ende reichen mehrere hundert Meter unter die Meeresoberfläche. In tieferen Schichten ist die Meerestemperatur auch in der Arktis und der Antarktis positiv, daher erfolgt hier eine sehr effiziente Gletscherschmelze", erklärt der Klimaforscher Herbert Formayer von der Wiener Universität für Bodenkultur gegenüber pressetext.

"Einflüsse auf die Wassertemperatur am Gletscherende, sei es durch generelle Erwärmung oder veränderter Strömungen können daher die Abschmelzraten dieser großen Gletscher - und damit die Massenbilanz der großen Eisschilde - markant beeinflussen", so der Forscher.

Kein Grund zur Entwarnung

Gletscherexperte Eric Steig von der University of Washington in Seattle http://www.washington.edu erklärt, dass die Schmelze vom unteren Teil der Gletscher aus der Antarktis gut bekannt sind. "Das ist allerdings die erste Studie, die den Hinweis darauf gibt, dass dies auch in Grönland geschieht", so Steig.

"Der in den vergangenen Jahrzehnten beobachtete Gletscherrückgang ist beunruhigend, auch im Himalaya", erklärt Formayer. Die falsche Aussage im IPCC WG2-Bericht, dass die Himalaya Gletscher bis 2035 zu 80 Prozent abgeschmolzen sind, dürfe auf keinen Fall dazu führen, die Gletscherentwicklung in dieser Region oder generell zu verharmlosen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uci.edu
http://www.boku.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Riesenfaultier war Vegetarier - Ernährung des fossilen Megatheriums entschlüsselt
18.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Drohneneinsatz in der Meeresforschung
13.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten