Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Greifswalder Student entdeckt zweiten Saurierfund aus Mecklenburg-Vorpommern

02.05.2013
Der Greifswalder Geologe Sebastian Stumpf entdeckte unter Wirbeltierresten aus der Tongrube bei Grimmen einen bislang unbekannten Dinosaurier. In seiner Masterarbeit ordnete er die Knochenreste der Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden zu.

Aus der Tongrube Klein Lehmhagen bei Grimmen stammen auch die Knochenreste des Dinosauriers Emausaurus ernsti, welcher bislang als der einzige Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns galt. Sebas-tian Stumpf arbeitet am Institut für Geographie und Geologie in der Arbeitsgruppe Historische Geologie und Paläontologie um Professorin Dr. Ingelore Hinz-Schallreuter und Dr. Stefan Meng.


Stumpf mit einem Fundstück des neu nachgewiesenen sauropoden Dinosauriers
Fotos: Anja Ullmann/Universität Greifswald

Sebastian Stumpf befasste sich in seiner Masterarbeit „Reassessment of the fossil vertebrate fauna from the Lower Jurassic clay pit of Klein Lehmhagen near Grimmen, NE Germany“ mit Wirbeltierfunden der Tongrube Klein Lehmhagen. Die Knochenfunde stammen aus den Privatsammlungen von Dr. Jörg Ansorge (Horst), Dr. Wolfgang Zessin (Jasnitz), Wilfried Krempien (Schwerin) und Hansjoachim Krümmer (Greifswald), die ihr Material zur wissenschaftlichen Bearbeitung bereitstellten. Dabei entdeckte er neben den Knochenresten von Fischen und Meeresreptilien den unvollständigen Beckengürtel des neuen Dinosauriers. Form und Proportionen der Beckenknochen belegen die Zugehörigkeit zu der Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden. Es scheint sich darüber hinaus sogar um eine neue Gattung und Art zu handeln. Der neu nachgewiesene Dinosaurier ist somit nach Emausaurus ernsti der zweiten Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns.

Von der Aufstellung einer neuen Gattung und Art wurde vorerst abgesehen. Weiterführende Untersu-chungen bzw. ein detaillierter Vergleich mit den bereits bekannten frühen Sauropoden (der späten Trias und frühen Jura) sollen die Verwandtschaftsbeziehungen des neuen Sauropoden innerhalb der Gruppe klären. Erst danach kann eventuell gesagt werden, ob es sich um eine neue Gattung und Art handelt.

Die Sauropoden gelten als eine der artenreichsten und am weitesten verbreiteten Dinosaurier. Sie be-saßen einen langen Hals, einen langen Schwanz sowie einen verhältnismäßig kleinen Schädel. Sie brachten zudem die größten Landwirbeltiere der Erdgeschichte hervor. Sauropoden traten erstmalig in der Obertrias auf und verschwanden im Zusammenhang mit dem katastrophalen Massenaussterben am Ende der Kreidezeit. Bei dem neuen Sauropoden handelt es sich somit um einen der ältesten Vertreter seiner Gruppe. Die einstige Größe des Tieres kann aufgrund der fragmentarischen Erhaltung nur ge-schätzt werden. Vermutlich erreichte der neue Sauropode eine Gesamtkörperlänge von fünf Metern.

Die Tongrube Klein Lehmhagen bei Grimmen ist eine regional und international bedeutende Fundstelle unterjurassischer Wirbeltiere (Alter: ca. 183 Millionen Jahre). Bekannt geworden ist dieses Unterjura-Vorkommen aufgrund seines Fossilreichtums, unter anderem an Ammoniten, Belemniten, Fischen, Insek-ten und Meeresreptilien. Im Gegensatz zur gut bearbeiteten Wirbellosenfauna ist die Wirbeltierfauna dieses Unterjura-Vorkommens kaum bekannt. Eine Ausnahme sind die Knochenreste des Dinosauriers Emausaurus ernsti, eines der wertvollsten Sammlungsstücke der Universität Greifswald, welche aktuell unter hohem finanziellem Aufwand der Universität restauriert werden. In diesem Zusammenhang gab es im Rahmen des 555-jährigen Universitätsjubiläums unter maßgeblicher Beteiligung des Greifswalder Geologen Sebastian Stumpf eine Sonderausstellung „Ein Dinosaurier mit dem Namen der Uni Greifs-wald“. Emausaurus ernsti wurde 1990 von dem Hallenser Wirbeltierpaläontologen Professor Hartmut Haubold wissenschaftlich beschrieben und galt bislang als der einzige Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns.

Weitere Informationen:

Emausaurus ernsti
http://www.mnf.uni-greifswald.de/institute/geo/geologie/plaeo/emausaurus.html
Greifswalder Geologische Sammlung
http://www.mnf.uni-greifswald.de/institute/geo/geologie/plaeo/geologische-sammlung.html
Digitalisierungsprojekt der Universität Greifswald
http://www.uni-greifswald.de/digitalisierung
Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Sebastian Stumpf
Institut für Geographie und Geologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 17a
17489 Greifswald
sebastian.stumpf@uni-greifswald.de
Dr. Stefan Meng
Kurator
Institut für Geographie und Geologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 17a
17489 Greifswald
Telefon 03834 86-4551
stefan.meng@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie