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Grabenkante und Siedlungsspuren in der Unterstadt

20.08.2008
Zwischenbericht über die Ausgrabungen in Troia 2008

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Die noch laufende Grabungskampagne in Troia unter Leitung der Universität Tübingen kann bereits jetzt als erfolgreich bezeichnet werden.


Obwohl das Hauptgewicht auf der Auswertung der in den letzten zwanzig Jahren zutage gekommen Funde liegt im Hinblick auf eine Gesamtpublikation der Grabungsserie unter Manfred Osman Korfmann, wurden die Untersuchungen zum Verlauf des Unterstadtgrabens mit zwei Suchschnitten fortgesetzt. In einem Schnitt wurde eine Kante des Grabens eindeutig wiedergefunden, im zweiten deutet sich eine Kante an.

Der Schnitt mit der Grabenkante brachte auch neue Erkenntnisse zur spätbronzezeitlichen Besiedlung Troias. Der Graben wurde offensichtlich in der Troia VI Periode (ca. 1700 bis 1200 v. Chr.) gebaut aber später wieder verfüllt, weil zu Beginn der Troia VII Periode (ca. 1200 bis 950 v. Chr.) ein neuer Graben, weiter von der Zitadelle entfernt, erstellt wurde. Das deutet auf ein Wachstum der Unterstadt hin, die offensichtlich steigenden Raumbedarf hatte. In den oberen Schichten der Grabenfüllung steckt der Boden eines Pithos, eines Typs von Vorratsgefäßen, die in er späten Bronzezeit im gesamten östlichen Mittelmeerraum und darüber hinaus in Gebrauch waren.

Außerhalb der vermuteten zweiten Grabenkante, und damit auch außerhalb der Begrenzung der Troia VI Unterstadt wurde eine bronzezeitliche Pflasterung aufgedeckt. Beide Befunde sind deutliche Anzeichen für Siedlungstätigkeit, wahrscheinlich nach der Verfüllung des Grabens. Zusätzlich wurde ein mit Steinen bedecktes Gefäß im Profil des Schnittes gefunden, dessen Inhalt noch unbekannt ist. Auch dieser Befund verstärkt den Eindruck eines Wohngebietes an dieser etwa 300 m von der Burgmauer entfernten Stelle.

Es ist anzunehmen, dass auch die restliche Fläche besiedelt war, wie von Prof. Manfred Osman Korfmann, dem verstorbenen früheren Leiter der Troiaausgrabungen, immer behauptet wurde. Ebenso interessant ist die Tatsache, dass an dieser Stelle auch eine Häufung von archaischer Keramik auftritt (ca. 700 bis 500 v. Chr.), die ebenfalls in diesem Teil der Unterstadt bisher nur vermutet werden konnte.

Ein wichtiges Ziel der Arbeiten in Troia ist auch die Bewahrung und Präsentation des UNESCO Weltkulturerbes. Zu diesem Zweck sind in diesem Jahr Prof. Liz Riorden von der University of Cincinnati mit zwei Studentinnen im Team, um einen Sicherungs- und Bewirtschaftungplan für die Ruine und das Umfeld zu erstellen. Zu diesem Gesamtkonzept gehört auch ein Museum direkt am Fundplatz, dessen Errichtung schon Manfred Korfmann vor mehr als zehn Jahren vorgeschlagen hat. Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay hat vor drei Wochen Troia besucht und bekräftigt, dass ein Museumsbau ein wichtiger Punkt in seiner Amtszeit sein werde.

Es ist geplant, noch in diesem Jahr eine Kommission einzusetzen, die den Bedarf für ein Museum, ein Magazin und eine Forschungsstelle sowie Funktionsräume definieren und zusammen mit Experten einen Architektenwettbewerb ausschreiben soll. Minister Günay und die regionale Politik hat die Finanzierung dieser Projektphase bereits zugesagt.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ernst Pernicka
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters Eberhard Karls Universität Tübingen Schloss Hohentübingen
72070 Tübingen
Tel.: 07071-297 4363 oder 07071-297 4394 Fax: 07071-29 39 96
Zur Zeit in Troia: 0090-2862830474
E-Mail: ernst.pernicka@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-tuebingen.de/
www.ufg.uni-tuebingen.de

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