Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Globale Landwirtschaft: Mehr Land, weniger Ernten

18.09.2014

Ein Großteil der landwirtschaftlich geeigneten Flächen der Erde wird bereits genutzt. Der Klimawandel wird die Landwirtschaft weltweit treffen, wobei es auch Gewinner gibt. Das zeigt eine Studie von LMU-Geographen.

Weltweit werden etwa zwei Drittel der für die Landwirtschaft geeigneten Flächen bereits landwirtschaftlich genutzt. Das zeigt eine Simulation von Geowissenschaftlern der LMU um Professor Wolfram Mauser vom Department für Geographie.

Die Bedingungen für die Landwirtschaft werden sich infolge des Klimawandels demnach bis zum Jahr 2100 vor allem in den nördlichen Regionen der Erde (Kanada, Russland, China) verbessern.

Im Mittelmeerraum oder in Teilen Afrikas südlich der Sahara werden sie sich dagegen ohne Anpassungen, wie etwa zusätzlicher Bewässerung, zum Teil deutlich verschlechtern. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher aktuell in der Fachzeitschrift PLOS ONE.

Die Wissenschaftler untersuchten dafür die 16 global bedeutendsten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, darunter Mais, Reis, Soja und Weizen. „Aus den Anforderungen der Pflanzen an Klima, Boden und Gelände lässt sich für jeden Standort auf der Erde bestimmen, wie geeignet er für den Anbau ist “, sagt Dr. Florian Zabel, einer der Autoren der Studie.

Die Ergebnisse zeigen, dass weltweit eine Fläche von rund 80 Millionen Quadratkilometern potenziell landwirtschaftlich nutzbar ist, wenn man die heute bewässerten Flächen, wie zum Beispiel entlang des Nils, hinzuzählt.

Das entspricht mehr als der Hälfte der gesamten Landoberfläche der Erde. Etwa ein Drittel dieser Flächen sind allerdings heute ausgewiesene Schutzgebiete oder dichte Waldflächen. Will man diese erhalten, stehen nur noch rund 54 Millionen Quadratkilometer zur Verfügung. Davon werden heute allerdings bereits 91 Prozent bewirtschaftet.

Problem der Flächenexpansion

"Unsere Ergebnisse sind mit Blick auf aktuelle Schätzungen brisant, wonach sich die Nachfrage nach Nahrung aufgrund der steigenden Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 voraussichtlich verdoppeln wird. Hinzu kommt der zusätzliche Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen für Futtermittel infolge des steigenden Fleischkonsums und des Ausbaus von Bioenergie“, sagt Zabel.

Eine Flächenexpansion der Landwirtschaft ließe sich in erster Linie auf Kosten von Waldflächen realisieren. „Dies kann seit Jahrzehnten zum Beispiel in Brasilien oder Indonesien beobachten werden. Gerade diese Flächen stellen jedoch wertvolle ökosystemare Dienstleistungen zur Verfügung, die unter anderem das Klima regulieren. Ein Wegfall dieser natürlichen Regulierung könnte dazu führen, dass in Zukunft ganze Regionen unfruchtbar werden“, sagt Professor Wolfram Mauser.

Deshalb müssten für eine globale landwirtschaftliche Produktionssteigerung Alternativen zur Flächenexpansion aufgezeigt werden. „Dafür sind genaue Kenntnisse über das landwirtschaftliche Potenzial an jedem Ort der Landoberfläche erforderlich.“ Das Ziel der Wissenschaftler ist es, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass die Landnutzung unter Bewahrung der Ökosysteme optimiert und so die Effizienz der Landwirtschaft gesteigert werden kann.

Für ihre Simulationen haben die LMU-Forscher auf Daten des globalen Klimamodells ECHAM5 zurückgegriffen, das den Klimawandel in verschiedenen Szenarien je nach Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen prognostiziert. Für das von den LMU-Forschern gewählte Szenario (A1B) erhöht sich die global landwirtschaftlich nutzbare Fläche bis ins Jahr 2100 um etwa 5 Millionen Quadratkilometer.

„Die hinzukommenden Flächen sind aber meist nur mäßig für die Landwirtschaft geeignet. Vor allem der Anteil der sehr gut geeigneten Flächen nimmt ab“, so Zabel. In den tropischen Regionen Brasiliens, Asiens und Zentralafrikas führt der Klimawandel außerdem dazu, dass sich die Möglichkeit mehrerer Ernten pro Jahr deutlich reduziert.

Die LMU-Forscher erstellten ihre Simulation im Rahmen des bundesweiten Projekts „Global Assessment of Land Use Dynamics, Greenhouse Gas Emissions and Ecosystems Services“, das Aspekte nachhaltigen Landmanagements erforscht und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Publikation:
Florian Zabel, Birgitta Putzenlechner, Wolfram Mauser:
Global agricultural land resources – a high resolution suitability evaluation and its perspectives until 2100 under climate change conditions.
In: PLOS ONE
Link: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0107522
DOI: 10.1371/journal.pone.0107522
Date of Publication: 17.09.2014

Kontakt:
Dr. Florian Zabel
Department für Geographie der LMU
Tel: +49 89 2180 6689
E-Mail: f.zabel@lmu.de

Luise Dirscherl | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise