Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Gletscher im Süden wuchsen anders als im Norden

07.05.2009
Eine der grossen Fragen der Klimaforschung lautet: Waren das nördliche und südliche Klima nach dem Ende der letzten Eiszeit miteinander gekoppelt? Eine internationale Forschergruppe mit Berner Beteiligung liefert nun eine Antwort.

Anzeige

Ihre Untersuchung von Gletschern in Neuseeland lässt vermuten, dass es kein einheitliches, globales Klima gab - sondern dass regionale Faktoren das Klima im Norden und Süden stark beeinflussten.


Daten zu natürlichen Klimaschwankungen seit der letzten Eiszeit, also der letzten 10'000 Jahre, sind unerlässlich, um den Einfluss des Menschen auf die globale Klimaerwärmung zu untersuchen. Insbesondere die Entstehung vergangener Klimawechsel auf der Nord- und Südhalbkugel ist zentral für die Forschung, um künftige Entwicklungen vorauszusagen.

Gletscher und ihre Wachstumsschwankungen sind hierfür ein ausgezeichnetes Untersuchungsobjekt: Mit den Seen, Moränen und anderen Zeugen ihrer Bewegungen bieten sie ein reichhaltiges und leicht zugängliches Klimaarchiv, das Rückschlüsse auf das damalige Klima erlaubt.

Eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung von Prof. Dr. Christian Schlüchter vom Institut für Geologie der Universität Bern hat nun anhand von alpinen Gletschern in Neuseeland untersucht, wie sich deren Wachstum in den letzten 7'000 Jahren entwickelte. Die dabei gewonnenen Daten verglichen die Forschenden mit dem Gletscherwachstum auf der nördlichen Halbkugel. Das Ergebnis: Die Gletscher im Norden und Süden wuchsen und schwanden völlig unabhängig voneinander - es gab also keinen Hinweis auf ein gekoppeltes globales Klima, wie bisher vermutet wurde.

Damit verlieren globale Einflüsse wie etwa die Sonneneinstrahlung für die Erklärung von Klimaschwankungen an Bedeutung. Hingegen spielen wohl regionale Faktoren wie Schwankungen der Meeresatmosphäre eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Journal "Science" publiziert.

Findlinge köpfen und Isotopen messen

Die maximale Ausdehnung eines Gletschers lässt sich anhand der Moränen rekonstruieren. Diese Erd- und Gesteinsmassen, die im Gletscherbett vom Eis mitgeschoben werden, gelangen bei einem Gletscherschwund an die Erdoberfläche und bleiben hier zurück. Besonders markant sind grosse Gesteinsbrocken, die sogenannten Findlinge. Sobald diese nicht mehr von einer Eisschicht bedeckt sind und kosmischer Strahlung ausgesetzt werden, entstehen in ihrem Inneren bestimmte Isotope. Anhand dieser Isotope kann das Alter des Gletschers bestimmt werden. So lassen sich sein Wachstum und sein Schwund im Detail dokumentieren.

"Um diese Daten zu gewinnen, haben wir 74 Findlinge geköpft und Gesteinsproben entnommen", erklärt Christian Schlüchter. In zehn Jahren ist dadurch eine Karte entstanden, welche die formbildenden Prozesse von drei Gletschern in den neuseeländischen Alpen aufzeigen. "Wir liefern dadurch Daten in nie gekannter Auflösung - im Gegensatz zu anderen Methoden wie der Radiokarbonmethode, die auf seltene Holzfunde angewiesen ist, haben wir unzählige Findlinge zur Verfügung", so Schlüchter. Von dieser Methode versprechen sich die Forschenden grosse Fortschritte bei der Bestimmung des Alters von Gletschern: "So können wir anhand von Gletscherbewegungen an 'Schlüssel-Orten' im Norden und Süden genaue Zeitreihen erstellen, welche dazu beitragen, das Rätsel um die Klimaschwankungen der letzten 10'000 Jahre und ihrer Ursachen zu lösen."

Quellenangabe:
Joerg M. Schaefer, George H. Denton, Michael Kaplan, Aaron Putnam, Robert C. Finkel, David J. A. Barrell, Bjorn G. Andersen, Roseanne Schwartz, Andrew Mackintosh, Trevor Chinn, Christian Schlüchter: High-Frequency Holocene Glacier Fluctuations in New Zealand Differ from the Northern Signature, Science 1. Mai 2009, Vol. 324. no. 5927, S. 622 - 625. DOI: 10.1126/science.1169312

Nathalie Matter | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht NASA's TRMM satellite sees heavy rainfall in Tropical Storm Bud
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

nachricht NASA sees Tropical Storm Sanvu continue to intensify
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

Alle Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp