Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Gletscher Gestein mit Wasser aushöhlen

21.03.2012
Neues Erosionsmodell

Mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) haben Geologen der ETH Zürich ein neues Modell entwickelt, mit dem sie erklären können, wie Gletscher das Gestein erodieren. Hierbei kommt dem Schmelzwasser unter dem Gletscher eine neue Rolle zu. Nun kann die Entstehung übertiefter Täler wie des Rhonetals oder der norwegischen Fjorde erklärt werden.

Vor über einem Jahrhundert entdeckte man, dass sowohl die Alpentäler als auch die Fjorde durch Gletscher geformt wurden. Die harten Felsen hatten dem gewaltigen Abrieb mehrerer Tonnen sich bewegenden Eises nichts entgegenzusetzen. Es ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der das Eis herabströmt, und weniger die Masse, welche die Stärke der Erosion bestimmt.

Die Forschung ist daher lange davon ausgegangen, dass das maximale Erosionsvermögen eines Gletschers dort liege, wo seine höher gelegene Wachstumszone an die tiefer gelegene Abtragungszone grenze. In der ersten Zone wächst der Gletscher durch Schneefall, in der zweiten schrumpft er, weil mehr Schnee schmilzt, als neuer hinzukommt.

Das Geheimnis übertiefter Täler

«Dieses Modell dient jedoch nicht als Erklärung für die übertieften Täler wie beispielsweise das Rhonetal oder die Fjorde in Norwegen», erklärt der Geologe Frédéric Herman von der ETH Zürich. «Wäre das Rhonetal nach dem gängigen Modell entstanden, hätte das Becken des Genfersees keine Tiefe von 300 Metern unterhalb des Meeresspiegels erreichen können.»

Um dieses Phänomen zu erklären, haben Frédéric Herman und ein Geologenteam ein neues Modell entwickelt, das kürzlich in der Zeitschrift «Earth and Planetary Science Letters» (*) vorgestellt wurde. «Das Schmelzwasser, das unter den Gletschern durchsickert, trägt dazu bei, dass diese sich schneller bewegen und somit das Gestein weitaus effektiver erodieren können», erläutert der Forscher. Dieses Phänomen sei dort am effektivsten, wo die Schmelze beginne, nämlich im Ablationsgebiet, wo also das Schmelzwasser zwischen Gletscher und Gestein sozusagen eingeklemmt und dadurch sein Druck sehr hoch sei. «Bisher sind die Wasserbedingungen unter dem Gletscher von Erosionsmodellen unberücksichtigt geblieben», sagt Frédéric Herman. «Wasser aber ist ein ausschlaggebender Faktor.»

(*) Frédéric Herman, Flavien Beaud, Jean-Daniel Champagnac, Jean-Michel Lemieux and Pietro Sarnai (2011). Glacial hydrology and erosion patterns: A mechanism for carving glacial valleys. Earth and Planetray Science Letters, doi:10.1016/j.epsl.2011.08.022

(im PDF-Format erhältlich unter com@snf.ch)

Kontakt
Dr. Frédéric Herman
Geologisches Institut
Sonneggstrasse 5
8092 Zürich
Tel.: 044 632 86 41
E-Mail: frederic@erdw.ethz.ch

Kommunikation SNF | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Was ist krebserregend am Erionit?
13.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau