Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Glaziale Eisschmelze beschleunigt

14.08.2015

Warmes Tiefenwasser führte zu verstärktem Eisverlust am Ende der letzten Eiszeit

Warmes Wasser aus tieferen Meeresschichten kann signifikant zum Abschmelzen von polaren Eismassen beitragen. Untersuchungen eines internationalen Forscherteams zeigen, dass veränderte Strömungsverhältnisse vor 30.000 Jahren für einen Temperaturanstieg im Bodenwasser des Nordpolarmeers sorgten und eine Eisschmelze im Nordpolarmeer verursachten. Ihre Ergebnisse schildern die Wissenschaftler jetzt im internationalen Fachmagazin Science.


Ursprung des beprobten Sedimentkerns PS1243 in der Norwegischen See (unten) und Übersicht zu Schichten verschiedenen Salzgehalts (oben).

Grafik: Henning Bauch, GEOMAR

Eine verstärkte Sonneneinstrahlung und der damit einhergehende Temperaturanstieg in der Atmosphäre werden allgemein als Grund für das Ende der Eiszeiten angesehen. Doch auch wärmeres Wasser aus tieferen Schichten kann signifikante Beiträge zur Eisschmelze liefern.

Die Meeresgeologen Dr. David Thornalley, University College London (UCL), und Dr. Henning Bauch, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, haben gemeinsam mit Kollegen aus England, den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Australien nachgewiesen, dass sich das Tiefenwasser im Nordpolarmeer während des Höhepunkts der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 bis 30.000 Jahren erwärmte.

Der Temperaturanastieg wirkte sich während der nachfolgenden Schmelzphase auch auf den Nordatlantik aus und könnte somit zum Schwinden der Eisbedeckung beigetragen haben, erklären die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des internationalen Fachmagazins Science.

„Der Blick in die Vergangenheit zeigt uns, dass auch Veränderungen in der Ozeanzirkulation drastische Konsequenzen für das Klima haben können“, urteilt Dr. Bauch. „Gerade in der temperaturempfindlichen Nordpolarregion wirken solche Abweichungen besonders stark auf das natürliche Umweltsystem.“

Für ihre Untersuchungen isolierten die Geologen so genannte Foraminiferen, Einzeller, die ihre Gehäuse größtenteils aus Kalk aufbauen, aus verschiedenen Schichten eines Sedimentkerns vom Boden der Norwegensee. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode (14C) bestimmten sie das Alter der winzigen Organismen.

„So konnten wir nachweisen, dass das Wasser der Norwegensee in etwa 3000 Metern Tiefe während der letzten Eiszeit und zu Beginn der globalen Gletscherabschmelzphase zum Teil um viele tausende Jahre älter war, als näher an der Oberfläche“, erklärt Dr. Henning Bauch. „Daraus schließen wir, dass es lange Zeit keinen Austausch zwischen dem alten Bodenwasser und der Atmosphäre gab, und sich das tiefere Wasser erwärmen konnte.“

Eine Linse aus kaltem, süßem Schmelzwasser an der Oberfläche kann den Kontakt wie eine natürliche Barriere verhindert haben. „Dies ist gut vergleichbar mit der heutigen Situation im Arktischen Ozean“, so Dr. Bauch. „Allerdings gibt es dort heute nicht mehr so viele große Eisberge, und diese Wasserschicht ist nur etwa 200 Meter mächtig.

Während der Eiszeit müssen wir jedoch eine Dicke von bis zu 1000 Metern annehmen.“ Weil der Austausch mit der kühleren Luft unterbrochen war, konnten die Wassertemperaturen unterhalb der Süßwasserlinse langsam ansteigen. Auch den Beleg für eine solche Erwärmung lieferten die Foraminiferen: An ihren Schalen wurden spezielle Sauerstoffisotope nachgewiesen, so genannte „clumped isotopes“.

„Die Vermutung, dass sich das Tiefenwasser im Nordpolarmeer während eines Glazial erwärmt hatte, legten bereits frühere Studien nahe. Diese Annahme konnten wir nun durch weitere, unabhängige Methoden untermauern“, sagt Dr. Bauch.

Originalarbeit:
Thornalley, D.J.R., Bauch, H.A., Gebbie, G. Guo, W., Ziegler, M., Bernasconi, S.M., Barker, S., Skinner, L.C., Yu. J. (2015): A warm and poorly ventilated deep Arctic Mediterranean during the last glacial period. Science (online), doi 10.1126/science.aaa9554

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.adwmainz.de Akademie der Wissenschaften und der Literatur
http://www.ucl.ac.uk University College London

Dr. Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

nachricht Neue Grundlagen für die Verbesserung von Klima-und Vegetationsmodellen
08.08.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten