Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Giganten der Erdgeschichte geben noch immer viele Rätsel auf

11.12.2013
Neue Forschungen zum Gigantismus der Sauropoden sind in einer öffentlich zugänglichen Sammlung bei PLOS ONE zusammengefasst

Sauropoden, die größten Landbewohner der Erdgeschichte, geben den Wissenschaftlern noch immer große Rätsel auf. Die pflanzenfressenden Dinosaurier mit dem langen Hals und kleinen Kopf überragten alle anderen landbewohnenden Wirbeltiere mit einer Höhe von bis zu 10 Metern und mehr.

Sie hatten eine Körpermasse von bis zu 80 Tonnen und wogen damit mehr als jedes andere bekannte Landwirbeltier. Eine der intensiv diskutierten Fragen dreht sich darum, wie die Riesen aus dem Tierreich ihre Körpertemperatur reguliert haben. Annahmen, dass die maximale Körpergröße wegen Überhitzungsgefahr durch die Körpertemperatur begrenzt worden sei, hat Dr. Eva Maria Griebeler von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) nun widerlegt.

Nach den Berechnungen der Mainzer Ökologin hat sich die Körpertemperatur der Tiere mit zunehmendem Gewicht nicht erhöht. Die Körpertemperatur der Sauropoden dürfte den Schätzungen zufolge durchschnittlich bei etwa 28 Grad Celsius gelegen haben. Die obere Grenze, die von heute lebenden Wirbeltierarten noch toleriert wird, liegt bei 45 Grad Celsius. Die von Griebeler für die Sauropoden geschätzten Körpertemperaturen liegen damit deutlich unter denen heutiger gleichwarmer Wirbeltiere, entsprechen jedoch denen wechselwarmer Warane. Die Berechnung der Körpertemperatur der Sauropoden basiert auf dem Zusammenhang zwischen der maximalen Wachstumsrate und der basalen metabolischen Rate eines Tieres, wobei letztere wiederum maßgeblich durch die Körpertemperatur bestimmt wird.

Die Arbeit von Griebeler ist Teil einer Sammlung, die neue Forschungsergebnisse über den Gigantismus der Sauropoden vereint. Der erdgeschichtlich einmalige Gigantismus dieser Wirbeltiere wirft viele Fragen auf, wie zum Beispiel warum kein anderes Landlebewesen diese Größe je erreicht hat und wie ihr Bauplan, die Physiologie und der Lebenszyklus ausgesehen haben könnten. Die „Collection“ des führenden Open Access Journals PLOS ONE fasst 14 Beiträge aus der Ökologie, Morphologie, Tierernährung und Paläontologie zusammen, die sich alle mit der grundlegenden Frage befassen, wie die Sauropoden ihre einmalige gigantische Körpergröße erreichen konnten. „Wir freuen uns, dass die neuen Forschungen nicht nur für andere Wissenschaftler, sondern für alle Fans von Sauropoden frei zugänglich sind“, sagte Eva Maria Griebeler. Sie und Dr. Jan Werner sind Mitglieder einer von der DFG geförderten Forschergruppe zum Thema „Biology of the Sauropod Dinosaurs: The Evolution of Gigantism (FOR 533)“, in deren Rahmen die „Collection“ als Ergebnis einer internationalen Tagung zu diesen Thema initiiert wurde.

Die beiden Wissenschaftler der Abteilung Ökologie des Instituts für Zoologie der JGU haben mehr als sechs Jahre lang in dieser Forschergruppe gearbeitet. In der Sammlung sind sie mit drei der 14 Beiträge vertreten.

In einer Arbeit beschreiben Jan Werner und sein Bonner Kollege Koen Stein eine neue Methode, um die Dichte von Knochengewebe zu bestimmen und die Daten von Sauropoden den hochgerechneten Daten vergleichbarer gleichwarmer Säugetiere gegenüberzustellen. Auch wenn der Knochenaufbau der Sauropoden und die Dichte von bestimmtem Gewebe dem der heutigen Säugetiere ähnlich ist, lässt sich daraus, so die Ergebnisse, nicht schlussfolgern, dass Sauropoden gleichwarme Tiere waren. Auch andere funktionale Aspekte wie beispielsweise eine ähnliche Belastung könnten zu einer knochenhistologisch konvergenten Entwicklung geführt haben.

Schließlich bezieht sich ein weiterer Beitrag auf die Reproduktionsbiologie der Sauropoden. Werner und Griebeler befassen sich dabei mit der Hypothese, dass eine hohe Reproduktionsrate zu dem Gigantismus der großen Dinosaurier beigetragen habe. Sie fanden unter anderem heraus, dass die Fortpflanzungsmuster der meisten Dinosaurier mit heute lebenden Reptilien oder Vögeln vergleichbar sind. Die mit den Vögeln näher verwandten Theropoden zeigten Übereinstimmung mit denen der Vögel, Prosauropoden und Sauropoden eher mit denen der Reptilien. Im Gegensatz zu Annahmen aus früheren Studien fanden die beiden Mainzer Wissenschaftler in ihren Berechnungen jedoch nicht, dass große Dinosaurier ausgesprochen viele Eier gelegt hätten. Die Anzahl – gemessen als jährliche Gesamteizahl – dürfte 200-400 Eier bei einem Sauropoden von 75 Tonnen nicht überschritten haben. Anzahlen dieser Größenordnung beobachtet man auch bei heutigen großen Meeresschildkröten.

Die Sammlung „Sauropod Gigantism: A Cross-Disciplinary Approach“ mit sämtlichen 14 Beiträgen ist im Internet auf PLOS ONE über die Adresse http://www.ploscollections.org/sauropodgigantism zu erreichen.

Fotos:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_zoologie_sauropoden_01.jpg
Nachbildung des rekonstruierten Skeletts von Argentinosaurus huinculensis, gezeigt im Rahmen einer Sonderausstellung im Senckenberg Naturmuseum, Frankfurt am Main. Die Fossilien dieses Titanosauriers stammen aus der frühen Oberkreide und wurden in der argentinischen Provinz Neuquén gefunden. Argentinosaurus huinculensis ist der gegenwärtig größte bekannte Sauropode mit einer Gesamtlänge von 38 Metern und einem geschätzten Gesamtgewicht von 75 Tonnen.

Foto: Eva Maria Griebeler

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_zoologie_sauropoden_02.jpg
Ei mit Embryo eines Titanosauriers, gezeigt im Rahmen einer Sonderausstellung im Senckenberg Naturmuseum, Frankfurt am Main. Dieses Fossil wurde in der argentinischen Provinz Neuquén gefunden und besitzt einen Durchmesser von ca. 15 cm.

Foto: Eva Maria Griebeler

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_zoologie_sauropoden_03.jpg
Ei eines Titanosauriers, gezeigt im Rahmen einer Sonderausstellung im Senckenberg Naturmuseum, Frankfurt am Main. Dieses Fossil wurde in der argentinischen Provinz Neuquén gefunden.

Foto: Eva Maria Griebeler

Veröffentlichungen:
Eva Maria Griebeler
Body Temperatures in Dinosaurs: What Can Growth Curves Tell Us?
PLOS ONE, 30. Oktober 2013
DOI: 10.1371/journal.pone.0074317
Koen W. H. Stein, Jan Werner
Preliminary Analysis of Osteocyte Lacunar Density in Long Bones of Tetrapods: All Measures Are Bigger in Sauropod Dinosaurs
PLOS ONE, 30. Oktober 2013
DOI: 10.1371/journal.pone.0077109
Jan Werner, Eva Maria Griebeler
New Insights into Non-Avian Dinosaur Reproduction and Their Evolutionary and Ecological Implications: Linking Fossil Evidence to Allometries of Extant Close Relatives
PLOS ONE, 21. August 2013
DOI: 10.1371/journal.pone.0072862
Weitere Informationen:
PD Dr. Eva Maria Griebeler
Abteilung Ökologie
Institut für Zoologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-26621
Fax +49 6131 39-23731
E-Mail: em.griebeler@uni-mainz.de
http://www.bio.uni-mainz.de/zoo/738_DEU_HTML.php

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.oekologie.biologie.uni-mainz.de/
http://www.ploscollections.org/sauropodgigantism

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie