Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gibt es unerkannte Gefahren unter der Adria?

17.01.2012
Geophysiker des GEOMAR | Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel führen ab Mitte Januar 2012 mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR und in Kooperation mit dem Geoforschungszentrum Potsdam sowie Kollegen aus Albanien, Kroatien, Montenegro und Italien die erste grundlegende Untersuchung der Lithosphäre unter der südlichen Adria durch. Die Expedition soll helfen, die Erdbebengefahren in der Region besser einschätzen zu können.

Eines der stärksten je in Europa registrierten Erdbeben ereignete sich 1979 mit einer Magnitude von 7,1 vor der Küste Montenegros in der Adria. Die gesamte Region ist seismisch hoch aktiv, weil zwischen Süditalien und den Dinariden, einem Gebirgszug des Balkans, mehrere Erdplatten aufeinander stoßen.


Von Italien durch die Adria bis in den Balkan hinein legen die Geophysiker Messgeräte aus.
Kartengrundlage: GoogleEarth

Die genaue Kenntnis der Grenzen zwischen diesen Platten ist eine wesentliche Voraussetzung, um das Risiko für Naturkatastrophen abschätzen zu können. Doch ausgerechnet in der Adria ist der genaue Verlauf dieser Grenzen umstritten. Selbst die genaue Anzahl der Erdplatten ist nicht bekannt. Die Existenz zweier Mikroplatten, die den Meeresboden in der Adria bilden, wurde anhand von aufgezeichneten Erdbebendaten und Satellitenvermessungen zwar postuliert, ist aber noch nicht eindeutig nachgewiesen. „Bisher haben wir kein genaues Bild über die exakte Ausdehnung der Lithosphärenplatten im zentralen Südeuropa.

Dabei sind diese Informationen essentiell für eine Gefahrenabschätzung der Anrainerstaaten“, erklärt Professor Dr. Heidrun Kopp vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Einer der Gründe für die existierende Datenlücke ist die Tatsache, dass eine umfassende Untersuchung der plattentektonischen Verhältnisse hier nur mithilfe von parallelen Messungen auf See und an Land möglich ist“, ergänzt sie.

Jetzt ist es gelungen, Partner aus Deutschland, Albanien, Kroatien, Montenegro und Italien für eines der größten land- und seegestützten seismischen Experimente zusammenzubringen, die jemals in Europa durchgeführt wurden. Zentraler Bestandteil dieses Experiments ist eine Expedition des deutschen Forschungsschiffes METEOR von Mitte Januar bis Anfang Februar 2012 unter Leitung von Professor Kopp in der südlichen Adria.

Von der METEOR aus legen die Wissenschaftler Messgeräte am Meeresboden der Adria aus. Die Geräte werden zwei Linien von der Küste Apuliens bis nach Montenegro beziehungsweise nach Nordalbanien bilden. Auf dem italienischen Festland stellen Wissenschaftler des Nationalen Insti-tuts für Geophysik und Vulkanologie Italiens (INGV) weitere Geräte auf. Auf dem Balkan verlängern Kollegen des Geoforschungszentrums Potsdam mit zahlreichen weiteren Messstationen die Untersuchungslinie bis weit in die Dinariden hinein. „Gerade jetzt im Winter ist die Arbeit in der Gebirgsregion eine echte Herausforderung“, betont Professor Kopp, die die gesamte Messkampagne von der METEOR aus koordiniert.

Neben den seismischen Messungen werden die Wissenschaftler auf der METEOR auch den Meeresbodens in der Quellregion des 1979er Erdbebens kartieren. Sie hoffen, dabei Spuren der damaligen Verwerfungen zu finden, um Aussagen über die genaue Entstehung des Bebens treffen zu können.

„Die Adria und angrenzende Kollisionszonen wie unter dem Balkan sind tektonisch ein hochkomplexes Gebiet. Und obwohl dies im Herzen Europas liegt, wissen wir nicht einmal mit Bestimmtheit, mit wie vielen Erdplatten wir es zu tun haben. Wir hoffen, mithilfe der amphibischen Land-See-Vermessungen über diverse Landes- und Seegrenzen hinweg ein genaueres Bild der Tektonik und damit des Gefahrenpotenzials für die Anrainerstaaten erhalten zu können“, erläutert die Kieler Geophysikerin.

Expedition auf einen Blick:
FS METEOR Reise: M86/3
Fahrtleiter: Heidrun Kopp
Fahrtdauer: 20.01.2012-04.02.2012
Starthafen: Brindisi
Arbeitsgebiet: Südliche bis zentrale Adria
Zielhafen: Dubrovnik

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de/
http://www.gfz-potsdam.de/
http://www.ingv.it/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie