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Gesammeltes Wissen über die Ozeanversauerung und ihre Folgen

12.09.2014

Um wichtige Erkenntnisse und Beobachtungen reicher – und weiterhin mit Hochdruck dabei, zukünftige Veränderungen im Ökosystem Ozean abzuschätzen und zu bewerten: Fünf Jahre nach dem „Kick-off“ sind die Mitglieder des Deutschen Forschungsverbunds BIOACID wieder zu Gast am GEOMAR.

Neben dem Austausch über abgeschlossene, laufende und geplante Projekte wurde auf dem Jahrestreffen 2014 auch eine neue Broschüre vorgestellt: „Ozeanversauerung: Zusammenfassung für Entscheidungsträger“ komprimiert das Wissen über die Ozeanversauerung und deren Folgen auf 21 Prognosen und gibt Wahrscheinlichkeiten für deren Eintreten an.


Titel der Broschüre "Ozeanversauerung: Zusammenfassung für Entscheidungsträger".

Layout und Grafik: Hilarie Cutler, IGBP

Der Säuregrad des Meerwassers kann in diesem Jahrhundert um bis zu 170 Prozent ansteigen. Ausgelöst wird die Ozeanversauerung durch die Aufnahme von Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre. Als Folge davon werden sich marine Ökosysteme und die Artenvielfalt so stark verändern, dass mit weitreichenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft zu rechnen ist.

Menschen, die von Ökosystemleistungen der Ozeane abhängen, sind besonders betroffen. Die Versauerung lässt sich jedoch abmildern, wenn die Kohlendioxid-Emissionen weltweit verringert werden. So lautet die Einschätzung einer Gruppe von 540 Experten aus 37 Ländern. In ihrer Broschüre „Ozeanversauerung: Zusammenfassung für Entscheidungsträger“ treffen die Wissenschaftler 21 detaillierte Aussagen über die Folgen der Ozeanversauerung und geben Wahrscheinlichkeiten für deren Eintreten an.

„Mit der ,Zusammenfassung für Entscheidungsträger’ halten wir nun endlich auch eine deutschsprachige Übersicht des aktuellen Kenntnisstands in den Händen“, freut sich Prof. Ulf Riebesell über die Veröffentlichung der Ergebnisse des Dritten Symposiums über den Ozean in einer Hoch-CO2-Welt.

Der Professor für Biologische Ozeanografie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordiniert den Deutschen Forschungsverbund BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification). „Viele BIOACID-Wissenschaftler präsentierten ihre Erkenntnisse auf diesem internationalen Meeting. Auch in die folgende Diskussion floss viel von unserem Wissen ein. Darum war es höchste Zeit für eine Übersetzung.“

Eine gedruckte Kurzversion der deutschsprachigen Broschüre wurde beim Jahrestreffen 2014 des Projekts BIOACID vorgestellt. Sie wird jetzt an Ausschuss-Mitglieder des Deutschen Bundestags sowie weitere Multiplikatoren verteilt und kann über das BIOACID-Koordinationsbüro bestellt werden. Die Langfassung steht auf den Internetseiten des Projekts BIOACID und des GEOMAR zum Download zur Verfügung.

Einen Eindruck über die Breite des aktuellen Kenntnisstands vermittelt der Austausch beim fünften Jahrestreffen der BIOACID-Mitglieder. Gleichzeitig sind noch immer viele Wissenslücken zu füllen: Im Laborversuch passten sich einzelne Plankton-Arten an Ozeanversauerung in Verbindung mit anderen Stressfaktoren wie steigende Wassertemperaturen an – doch gelänge ihnen dies auch in ihrem natürlichen Lebensumfeld?

Im Freiland-Experiment scheinen besonders die kleinen Plankton-Organismen von einem Plus an CO2 im Wasser zu profitieren, während vor allem viele Kalk bildende Arten Schwierigkeiten bekommen. Wie wirkt sich der Boom an der Basis auf das gesamte Gefüge der Arten aus? Wie lassen sich zukünftige Veränderungen in den Stoffkreisläufen der Ozeane verlässlich berechnen? Sind ökonomische Folgen der Ozeanversauerung genau zu beziffern?

„Bis zum Ende unserer zweiten Förderphase im kommenden Herbst erwarten wir noch viele wegweisende Ergebnisse und neue Beobachtungen“, bilanziert Riebesell. Die dritte Förderphase soll dann allein der Auswertung und Aufbereitung der Ergebnisse dienen. „Unser Ziel wird sein, eine umfassende Risikobewertung der Ozeanversauerung im Zusammenspiel mit anderen Umweltstressoren zu erarbeiten und die oft komplexen Zusammenhänge in verständlicher Form darzustellen an die Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger zu kommunizieren.“

BIOACID in Kürze
Unter dem Dach von BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) untersuchen 14 Institute, wie marine Lebensgemeinschaften auf Ozeanversauerung reagieren und welche Konsequenzen dies für das Nahrungsnetz, die Stoff- und Energieumsätze im Meer sowie schließlich auch für Wirtschaft und Gesellschaft hat. Das Projekt begann 2009 und ging im September 2012 in eine zweite auf drei Jahre angelegte Förderphase. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die aktuellen Arbeiten mit 8,77 Millionen Euro. Die Koordination liegt beim GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Eine Liste der Mitglieds-Institutionen, Informationen zum wissenschaftlichen Programm und den BIOACID-Gremien sowie Fakten zur Ozeanversauerung sind unter www.bioacid.de zu finden. Mailkontakt: bioacid@geomar.de

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulf Riebesell (GEOMAR, FB2-BI), Tel.: 0431 600-4444, uriebesell@geomar.de
Maike Nicolai (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2807, mnicolai@geomar.de

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.bioacid.de Das Projekt BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification)
http://www.geomar.de/fileadmin/content/service/presse/Pressemitteilungen/2014/Oz... Die Broschüre „Ozeanversauerung: Zusammenfassung für Entscheidungsträger“

Maike Nicolai | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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