Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gerastet, gegessen, gestorben.

25.10.2011
Wissenschaftler gleichen Forschungsergebnisse rund um Ötzis Gesundheitszustand und Tod ab

Über das Todesszenarium sind sie sich einig geworden. Rund 100 Mumienforscher aus nahezu allen Kontinenten haben sich vom 20.bis 22.Oktober beim „2nd Bolzano Mummy Congress“, dem zweiten Weltmumienkongress an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) zusammengefunden, um über ihn, seine möglichen Erkrankungen und seine Todesumstände zu sprechen: Ötzi, die 5000 Jahre alte Gletschermumie gibt seit seinem Fund vor 20 Jahren der Wissenschaftswelt Rätsel auf - liefert aber nach und nach auch viele Antworten.

Einigkeit herrschte beim Bozner Kongress über seine letzte Lebensstunde: „Er hat sich sicher gefühlt, gerastet und ein ausgiebiges Mahl eingenommen. Bei dieser Rast ist er von einem Angreifer überrascht, erschossen und liegen gelassen worden.“, beschreibt Albert Zink, Leiter des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman das Todesszenarium. Es gäbe keine Hinweise auf ein mögliches Begräbnis, wie zeitweise von manchen Forschern vermutet. „ Die Haltung der Mumie mit dem Arm schräg nach oben und das Fehlen von Steinansammlungen oder grabähnlichen Arrangements spricht gegen die Begräbnistheorie.“, fährt er fort.

Doch wieso befand sich Ötzi überhaupt auf 3200 Metern Höhe? Die Innsbrucker Wissenschaftler Andreas Putzer, Daniela Festi und Klaus Oeggl widerlegten auf dem Bozner Kongress eine seit 1996 existierende Theorie, nach der Ötzi ein Hirte gewesen sein soll und sein Vieh für die Sommermonate auf hoch gelegene Weideflächen geführt haben sollte. Laut neuster archäologischer und botanischer Erkenntnisse der Wissenschaftler wurde in der Kupferzeit keine saisonale Wanderviehwirtschaft, die so genannte Transhumanz, betrieben. Diese begann, laut Wissenschaftlerteam, erst in der Bronzezeit ab 1500 v. Chr.

... mehr zu:
»Bozen »Magen »Mumie »Polle »Todesszenarium »Ötzi

Dass Ötzi nicht auf der Flucht war, sondern 30 bis 120 Minuten vor seinem Tod ausgiebig gegessen hatte, belegen Magenproben, die Albert Zink und sein Team im Sommer diesen Jahren untersucht hatten: Steinbockfleisch, Getreidekörner, Teile von Blättern, Äpfeln, Fliegenflügel konnten die Forscher unter dem Mikroskop gut sichtbar erkennen.

Der Innsbrucker Botaniker Klaus Oeggl konnte Pollen der Hopfenbuche in Ötzis Magen nachweisen. Oeggl hatte bereits vor geraumer Zeit eine hohe Konzentration solcher Pollen in Ötzis Darm gefunden und daraufhin angenommen, dass Ötzi im Frühjahr und nicht wie eine Zeit lang vermutet im Herbst gestorben war. Da Nahrung im Magen frischer ist und nur zwei bis vier Stunden dort verbleibt, untermauert der Pollenfund im Magen seine Theorie.

Nanotechnologische Untersuchungen einer Gehirnprobe an der Ludwig-Maximilian Universität in München bestätigen definitiv eine weitere Annahme: Ötzi hat tatsächlich Schädel-Hirntrauma erlitten. Dieses allein hätte bereits tödlich sein können, hat sicherlich aber neben der Schussverletzung zum Tode beigetragen, so die Wissenschaftler. Unklar bleibt, ob er sich das Trauma durch einen Sturz oder durch einen Schlag auf den Kopf zugezogen hatte.

Der Großteil der Erkenntnisse geht auf Untersuchungen von Gewebeproben aus Magen und Gehirn zurück, die ein Wissenschaftlerteam aus Magdeburg, Bozen und München im November vergangenen Jahres endoskopisch entnommen hatten. Seither untersuchen Forscher aus nahezu allen Fachbereichen diese Proben auf unterschiedliche wissenschaftliche Fragestellungen hin: Mediziner und Nanotechnologen, Anthropologen und Biochemiker, Archäologen und Physiker. Jeder von ihnen mit fachimmanenten Methoden. Der Bozener Mumienkongress stellte für die über 100 „Ötziforscher“ die bislang einzigartige Gelegenheit dar, persönlich auf einem eigens Ötzi gewidmeten Kongress den aktuellen Forschungsstand zu diskutieren.

Julia Reichert | idw
Weitere Informationen:
http://www.eurac.edu

Weitere Berichte zu: Bozen Magen Mumie Polle Todesszenarium Ötzi

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise