Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gegen Durst und Dürre - Forschung im Mittelmeerraum: 5,2 Millionen Euro für Verbundprojekt „MARSOL"

04.02.2014
Wie kann man die immer knappere Ressource Wasser gewinnen und intelligent einsetzen?

Ein von der TU Darmstadt entwickeltes und koordiniertes Verbundprojekt setzt darauf, „überschüssiges“ Wasser zu sichern und im Boden zu speichern. Die EU fördert das jüngst gestartete Projekt „MARSOL“ mit 5,2 Millionen Euro.

Bis zum Jahr 2100, so Schätzungen, werden im Mittelmeerraum nur noch etwa 50 Prozent der heutigen Wassermengen zur Verfügung stehen – bei wachsender Bevölkerung. Grund sind klimatische Verschiebungen. Der Wassermangel wird Dürre und Ernte-Einbrüche mit sich bringen.

Die TU Darmstadt entwickelt im gerade gestarteten Projekt „MARSOL“ (Demonstrating Managed Aquifer Recharge as a Solution to Water Scarcity and Draught) zusammen mit 20 Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus 7 Ländern einen neuen Ansatz, um der Wasserknappheit langfristig zu begegnen. Die Grundidee ist einfach: Wasser sammeln, wenn es zu viel davon gibt, und für trockene Zeiten speichern – in „Aquiferen“, Bodenschichten, die Grundwasser führen können. Die „Bodenspeicherung“ funktioniert selbst unter Wüsten. Bislang fehlte es an guten Speichermöglichkeiten für riesige Wassermassen.

„MARSOL“ befasst sich mit den übergeordneten Fragen der Methode – Risiken, Wasserqualität, technische Umsetzbarkeit, aber auch den Herausforderungen des EU-Verwaltungsrechts bei der Realisierung. Dazu untersucht das Projekt an acht Feldstandorten in Griechenland, Portugal, Spanien, Malta, Italien und Israel konkret die verschiedenen Möglichkeiten, Wasser unterschiedlichster Herkunft und Qualität – zum Beispiel desaliniertes Meerwasser, Flusswasser, aufbereitetes Abwasser – mit unterschiedlichsten Techniken in den Boden zu infiltrieren. Koordiniert wird das Gesamtprojekt von Professor Dr. Christoph Schüth am Institut für Angewandte Geowissenschaften des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften der TU Darmstadt.

Die Darmstädter Forscher sind auch in den Praxisprojekten wissenschaftlich eingebunden. So begleiten sie ein Projekt zur Rückgewinnung von Wasser aus Abwasser in einer Großkläranlage bei Athen, das gespeichert und später etwa zur Bewässerung in der Landwirtschaft genutzt werden kann. In Israel fällt in regenreicheren Zeiten in den Meerwasser-Entsalzungsanlagen mehr Wasser an als nötig, das bisher nicht gespeichert werden konnte. „Das gute Süßwasser war verloren“, sagt Christoph Schüth. Auch hier arbeitet er mit seinen Kollegen daran, den Überfluss im Boden unter der Wüste einzulagern. „Da gibt es viel Stauraum.“

„MARSOL“ wird drei Jahre lang von der Europäischen Kommission mit 5,2 Millionen Euro gefördert, als eines von elf Demonstrationsprojekten gegen Wasserknappheit. Die EU sieht Erhaltung von Wasserqualität und den Kampf gegen den absehbaren Mangel als eines der „derzeit dringendsten Probleme“, wie EU-Kommissarin Máire Geoghegan-Quinn unlängst erklärte. Die nun geförderten Projekte „werden dazu beitragen, innovative Lösungen zu finden“.

Klare Vorgabe in der EU-Ausschreibung war daher die Machbarkeit der Konzepte. „Die EU möchte die erforschten Methoden später in großem Umfang einsetzen“, sagt Christoph Schüth. „Wir wollen mit „MARSOL“ zeigen, dass die Speicherung in Aquiferen möglich ist und dass sie auch sicher anwendbar ist. Sie kann deutlich zur Entspannung der Wasserknappheit beitragen.“

Pressekontakt
Institut für Angewandte Geowissenschaften
Prof. Dr. Christoph Schüth
Tel. 06151/16-2071
E-Mail: schueth@geo.tu-darmstadt.de

Silke Paradowski | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien
13.12.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften