Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebündelte Kompetenz für Rohstoffe

21.02.2012
Als Antwort auf das weltweit steigende Interesse an natürlichen Rohstoffen haben Arbeitsgruppen aus vier bayerischen Universitäten das „Bayerische Kompetenzzentrum für geogene Rohstoffe“ ins Leben gerufen.

Aus der Universität Würzburg ist der Lehrstuhl für Geodynamik und Geomaterialforschung mit dabei.

Von Handelskrieg war die Rede und von drohenden Versorgungsengpässen. Die Existenzfähigkeit von Unternehmen in Deutschland sei gefährdet, hieß es, und die Börsenkurse mancher Firmen gerieten ins Trudeln. Und das alles, weil China im Jahr 2010 angekündigt hatte, die Ausfuhr so genannter Seltener Erden drastisch zu drosseln.

Seltene Erden sind metallische Grundstoffe mit für den Laien so ungewohnten Namen wie Cer, Praseodym, Neodym oder Promethium. Was sie so begehrt macht, ist die Tatsache, dass sie unverzichtbarer Rohstoff für die moderne Industrie sind. Egal ob Computer, Mobiltelefon oder Batterie: Ohne Seltene Erden geht es nicht. Kein Wunder, dass Chinas Drohung für einen weltweiten Aufschrei gesorgt hat. Immerhin fördert die Volksrepublik derzeit rund 97 Prozent der weltweiten Menge dieser Metalle.

Steigender Bedarf an geogenen Rohstoffen

Die Angst vor der drohenden Knappheit ist jedoch nicht auf Seltene Erden beschränkt. „In Anbetracht einer stetig wachsenden Weltbevölkerung und steigender materieller Bedürfnisse, vor allem in den Schwellenländern, ist allgemein ein deutlich erhöhter Bedarf an so genannten geogenen Rohstoffen für die kommenden Jahrzehnte vorhersehbar“, sagt Professor Hartwig Frimmel, Inhaber des Lehrstuhls für Geodynamik und Geomaterialforschung an der Universität Würzburg.

Geogene Stoffe: Laut Duden sind darunter alle Stoffe zu verstehen, die auf natürliche Weise in der Erde entstanden sind. Also nicht nur Seltene Erden, sondern beispielsweise auch Gold, Kupfer oder Platin, Uran-Erze, Edelsteine und Industrieminerale wie Feldspat, Gips, Glimmer oder Ton.

Hohe Abhängigkeit in Bayern

Auch wenn die Menschheit noch so sparsam mit den Rohstoffen aus der Erde umgeht und ihre Recycling-Raten so weit wie möglich steigert: „Die moderne Gesellschaft wird auf absehbare Zeit sogar noch verstärkt auf die Gewinnung vieler Rohstoffe aus primären Quellen angewiesen bleiben“, ist sich Hartwig Frimmel sicher.

Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Bayerischen Kompetenzzentrum für geogene Rohstoffe ist er davon überzeugt, dass die Frage der Verfügbarkeit dieser Rohstoffe sowie eine wachsende Konkurrenz der Industriestaaten um diese Stoffe mehr und mehr in den Vordergrund des öffentlichen Interesses treten wird. Dies betreffe insbesondere auch Bayern, wo Wirtschaft und Industrie ausgesprochen stark von der Versorgung mit geogenen Rohstoffen abhängig seien.

Das Kompetenzzentrum

Das Bayerische Kompetenzzentrum für geogene Rohstoffe will diesem steigenden Interesse Rechnung tragen, indem es die landesweit verfügbaren Kompetenzen auf diesem Themengebiet bündelt. In ihm vertreten sind Arbeitsgruppen aus dem Bereich geogener Rohstoffforschung folgender Universitäten:

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Julius-Maximilians Universität Würzburg
Ludwig-Maximilians Universität München
Technische Universität München
Das neue Kompetenzzentrum leistet nicht nur universitäre Grundlagenforschung im Bereich geogener Rohstoffe, sondern bietet auch eine Vielzahl von Serviceleistungen für die Wirtschaft an. Dazu gehören sowohl Untersuchungen zur Verfügbarkeit mineralischer Rohstoffe als auch eine unabhängige Beratung und Begleitung beim Abbau von Rohstoffen. Die Wissenschaftler können dafür auf modernste Analysetechniken zugreifen von der Röntgendiffraktometrie zur Gesteins- und Mineralbestimmung bis zur isotopenchemischen Analyse per Massenspektrometrie.

In aktuellen Projekten untersuchen Teams der beteiligten Universitäten beispielsweise die Entstehung von Erzlagerstätten von High-Tech Metallen, die Verteilung von Gold in der Erdkruste oder das Vorkommen von Eisen, Kupfer und Gold in Südamerika.

Kontakt
Prof. Dr. Hartwig Frimmel, T: ( 0931)- 31-85420,
E-Mail: hartwig.frimmel@uni-würzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-würzburg.de
http://www.geographie.uni-wuerzburg.de/arbeitsbereiche/geodynamik_und_geomaterialforschung/bayerisches_kompetenzzentrum_fuer_geogene_ro

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Stagnation im tiefen Südpazifik erklärt natürliche CO2-Schwankungen
23.02.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien?
21.02.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics