Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gashydratforschung im südchinesischen Meer

27.03.2013
Deutsch-taiwanesische Expedition mit FS SONNE startet am 30. März

Weltweit stehen Staaten und Konzerne in den Startlöchern, um Erdgas aus Gashydraten im Meeresboden zu fördern. Gleichzeitig sind viele Fragen zu den Lagerstätten noch offen. Deutsche und taiwanesische Wissenschaftler wollen jetzt gemeinsam das Grundlagenwissen über Gashydrate erweitern. Unter Fahrtleitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel startet am 30. März die erste Schiffsexpedition des Projekts TAIFLUX ins Südchinesische Meer.


Mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE untersuchen deutsche und taiwanesische Wissenschaftler fünf Wochen lang Methanhydrate im Boden des südchinesischen Meeres. Foto: B. Grundmann

Viele industrialisierte Regionen Ostasiens teilen ein grundsätzliches Problem. Der Bedarf an Energie ist enorm, doch in den eigenen Landflächen verbergen sich entweder keine Rohstoffe zur Energiegewinnung oder nur verhältnismäßig ineffiziente. Das gilt insbesondere für die extrem dicht besiedelte Insel Taiwan. Ein Ausweg könnte im Meer liegen. Dort, an den Kontinentalhängen zwischen 500 und 2000 Metern Wassertiefe, lagert ein Rohstoff, der erst in jüngster Zeit in den Fokus der Energiekonzerne geraten ist: Gashydrat.

Aus ihm könnte Methan, also Erdgas, gewonnen werden kann. „Das Interesse an einer Förderung von Gashydraten ist weltweit groß, gleichzeitig sind jedoch viele grundsätzliche Fragen zu Gashydratlagerstätten noch offen“, erklärt der Geophysiker Prof. Dr. Christian Berndt vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Taiwan möchte nun in enger Kooperation mit dem GEOMAR einige dieser Fragen klären. Dazu werden noch in diesem Jahr zwei Expeditionen in die Küstengewässer der Insel starten. Die erste beginnt morgen unter Fahrtleitung von Professor Berndt mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE.

Das GEOMAR gehört zu den weltweit führenden Institutionen auf dem Gebiet der Gashydratforschung. Der mittlerweile emeritierte Kieler Professor Erwin Süss wies Mitte der 1990er Jahre erstmals große Hydratlagerstätten im Meeresboden nach. Damals konzentrierten sich die Untersuchungen auf die Westküste der USA. Doch mittlerweile sind Gashydrate an allen Ozeanrändern bekannt. „Die Menge an Energie, die in Gashydraten in den Ozeanen liegt, übersteigt die von zurzeit bekannten Öl- und konventionellen Gaslagerstätten bei weitem“, erklärt GEOMAR-Professor Berndt.

Methanhydrate entstehen immer dann im Meeresboden, wenn genug Methan zur Verfügung steht, wenn der Druck hoch genug und die Wassertemperatur niedrig genug ist. Unter diesen Bedingungen bilden die Wassermoleküle Käfige, in denen sie große Mengen Methanmoleküle einschließen. Südwestlich von Taiwan sind diese Bedingungen gegeben. Begünstigt wird die Hydratbildung dort auch von der Plattentektonik. Die asiatische Erdplatte schiebt sich unter die philippinische, wobei riesige Mengen Sedimente am Kontinentalhang aufgeschoben werden. Gase und Flüssigkeiten steigen durch das lockere Material auf, treten aus dem Meeresboden aus und beeinflussen so die Entstehung von Gashydraten.

Die jetzt startende, fünfwöchige Expedition soll helfen zu verstehen, wie die Plattentektonik genau auf die Gashydratbildung einwirkt. Die Forscher nutzen dazu neueste geophysikalische Methoden, unter anderem seismische Systeme, die ein dreidimensionales Bild vom Untergrund erstellen können. „Mit den neuen Methoden können wir bis zu zehn mal besser als bisher abschätzen, wie viel Gashydrate sich wo im Meeresboden verbergen“, erläutert Professor Berndt. Außerdem geht es um ein besseres Verständnis, wie sich die Hydrate bilden und wieder auflösen sowie um die Bedeutung der Hydrate für die Stabilität des Meeresbodens. „Das sind grundsätzliche wissenschaftliche Fragen, deren Beantwortung aber auch wichtig ist, um mögliche Risiken eines Hydratabbaus abschätzen zu können“, betont der Geophysiker.

Die Expedition ist der vorläufige Höhepunkt einer schon sechs Jahre währenden Zusammenarbeit zwischen taiwanesischen und deutschen Forschern. Eine zweite Ausfahrt im Juni mit einem ganz neuen taiwanesischen Forschungsschiff wird die Arbeiten fortsetzen. Das deutsche Bundesforschungsministerium finanziert das Projekt mit 1,2 Millionen Euro, Taiwan steuert weitere knapp 300.000 Euro bei. „Eine Nutzung von Gashydraten ist nur vernünftig, wenn wir das System verstehen. Deshalb freuen wir uns über die Gelegenheit, mit Kollegen aus Taiwan gemeinsam an diesem Thema arbeiten zu können“, sagt Professor Berndt.
Die aktuelle Expedition auf einen Blick:
FS SONNE SO227
Fahrtdauer: 30.03. – 03.05.2013
Wissenschaftliche Fahrtleitung: Prof. Dr. Christian Berndt, GEOMAR
Starthafen: Kaoshiung (Taiwan)
Zielhafen: Kaoshiung (Taiwan)
Weitere Informationen und aktuelle Wochenberichte auf der GEOMAR-Expeditionsseite unter www.geomar.de/forschen/expeditionen

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de
http://www.geomar.de/forschen/expeditionen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Einblicke in das 2004 Sumatra-Erdbeben
14.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Folgen des Klimawandels: Oder warum wird das Wasser unter Borkum überwacht?
14.11.2017 | Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Anwender-Workshops „Laserbearbeitung von Faserverbundwerkstoffen“

20.11.2017 | Seminare Workshops

Hand aufs Herz - was wissen wir über herzgesunde Lebensmittel?

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

20.11.2017 | Materialwissenschaften