Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Fußabdruck auf dem Gletscher

20.04.2012
Humboldt-Stipendiat Thomas Mölg erforscht an der TU Berlin, wie der Monsun und El Niño auf uns Einfluss nehmen
„Je mehr man über die Vergangenheit weiß, umso zuverlässiger werden auch die Klimaprojektionen für die Zukunft“, sagt Dr. Thomas Mölg, österreichischer Klimaforscher und derzeit als Alexander von Humboldt-Stipendiat am Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin tätig. Er untersucht auf den großen Gletschern der Welt die Auswirkungen von Monsun oder El Niño, den globalen Strömungssystemen, um den Vernetzungen im Klimasystem auf die Spur zu kommen.

Warum Thomas Mölg sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft auf einem Gletscher sucht, hat zwei Gründe: „Zunächst gelangt man auf einem Gletscher in Luftschichten, die weit über jenen liegen, aus denen die meisten Messdaten auf unserem Planeten stammen – sie bieten also noch viel Unentdecktes. Außerdem kann man dort im Hochgebirge die lokalen Auswirkungen großer Strömungssysteme wie Monsun oder El Niño, die durch Atmosphären-Ozean-Wechselwirkungen angetrieben werden, besonders gut beobachten, erforschen und dabei vieles über die Wechselwirkungen im Netz unseres Klimas lernen.“

Bisher hat sich Thomas Mölg, der sich 2009 an der Universität Innsbruck an der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften habilitiert hat und dort am Institut für Meteorologie und Geophysik tätig ist, hauptsächlich mit Gletschern und Klima in den Tropen beschäftigt. Die südamerikanischen Anden waren beispielsweise ein Fokus oder die Gletscher auf dem ostafrikanischen Kilimandscharo, deren Tage fast gezählt sind. „Es genügt aber nicht, allein den Gletscher zu beobachten oder sein langsames Verschwinden mit einer regionalen Erwärmung zu erklären“, sagt der junge, bereits vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnete Forscher. „Vielmehr müssen wir die weltweiten Verknüpfungen und Zirkulationssysteme unter-suchen und auch andere Folgen der globalen Erwärmung verstehen lernen“, sagt er. Entgegen der Annahme einer regionalen Erwärmung fand Mölgs Team nämlich heraus, dass der Gletscherschwund am Kilimandscharo der Trockenheit seit Ende des 19. Jahrhunderts geschuldet ist, die ihren Ursprung in Strömungsänderungen im Indischen Ozean hat.

Um seine Ergebnisse auch auf globale Entwicklungen anwenden zu können, hat der österreichische Klimaforscher mit seiner Arbeitsgruppe ein Modell entwickelt, mit dem sich nachweisen lässt, welche Spuren die Zirkulationssysteme auf den Gletschern im Hochgebirge hinterlassen. An der TU Berlin will er nun auch den Einfluss des asiatischen Monsuns auf das tibetanische Hochplateau untersuchen. „Der Monsun ist einer der wichtigsten Bausteine des globalen Klimas. Er hat Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschen“, erklärt Mölg. „Wir untersuchen konkret einen kleinen Gebirgsgletscher in Tibet, wo die Arbeitsgruppe von Professor Dieter Scherer, meinem Gastgeber an der TU Berlin, schon länger Messungen durchführt.“

Thomas Mölgs Modellansatz erlaubt Simulationen über die verschiedensten Größeneinheiten des Klimasystems. Es können also Luftströmungen, die Tausende Kilometer weit wirken, mit Spuren am Gletscher in Zusammenhang gebracht werden. Bei den „Spuren“ handelt es sich um typische Muster des Austausches von Masse und Energie zwischen Bodeneis und Atmosphäre, die man durch die Kombination Messung/Modell „dingfest“ machen kann. Dabei entsteht ein lokaler „Fußabdruck“ auf dem Gletscher, aus dem letztlich auch Rückschlüsse auf Änderungen des Monsuns in der Vergangenheit gezogen werden können.

Warum er ausgerechnet an die TU Berlin gekommen ist, liegt damit auf der Hand: „Dieter Scherer und ich kannten uns von Konferenzen und wussten daher, dass wir methodisch sehr ähnlich arbeiten. Mit ihm über den Monsun und Tibet und damit zu einem Top-Thema des Klimawandels zu forschen bedeutet für mich eine interessante und wichtige Erweiterung meiner Forschung.“

Im April 2011 erhielt der Innsbrucker Klimaforscher von der „European Geosciences Union“, dem europäischen Verband der Geo- und Atmosphärenwissenschaftler, in Wien den „Outstanding Young Scientist Award“ und wurde damit als international bester Jungwissenschaftler auf seinem Gebiet ausgezeichnet. 2009 hatte er bereits in den USA einen vergleichbaren Preis erhalten. Noch bis zum nächsten Herbst wird Thomas Mölg in Berlin bleiben. Hier gibt es zwar keine hohen Berge zu besteigen, aber: „Neben dem guten Ruf der TU Berlin ist die deutsche Hauptstadt auch als Lebensraum äußerst attraktiv. Ein interessantes Umfeld fördert Geist und Ideen.“

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Thomas Mölg, Technische Universität Berlin, Institut für Ökologie, Fachgebiet Klimatologie, Tel.: 030-314-71330, E-Mail: Thomas.Moelg@uibk.ac.at

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.klima.tu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops