Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Früher Schneefall im Herbst 2009 erwärmte den Permafrost

28.03.2011
Durch den frühen Schneefall im Herbst 2009 wurde die Sommerwärme im Boden gespeichert und gegen die tiefen Temperaturen des Winters - es war der kälteste seit 23 Jahren - isoliert. Dadurch erwärmte sich der Permafrost und es stellten sich Verhältnisse beinahe wie nach dem Hitzesommer von 2003 ein.

Auch die Massenbilanz der Gletscher war trotz der wechselhaften Witterung im Sommer 2010 erneut negativ. Der langfristige Trend zum Rückzug setzte sich unvermindert fort. Dies zeigen die Auswertungen der Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze, eine Kommission der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT).

Nach einem sehr warmen Sommer und Frühherbst 2009 setzte mit einem kräftigen Temperatursturz Mitte Oktober in den Hochlagen bereits der Winter ein. Die frühe Schneedecke konservierte die Wärme der Vormonate im Boden und isolierte ihn gegen die nachfolgenden tiefen Temperaturen. Durch diese Wärmespeicherung ergaben sich für 2009/10 ähnlich warme Permafrostverhältnisse wie im Vorjahr. Die Tiefen der Auftauschichten – den Teil des Bodens, dessen Temperaturen im Sommer über 0 °C steigt – waren überdurchschnittlich und die Bohrlochtemperaturen in ca. 10 m Tiefe waren an einigen Standorten fast so hoch wie im Jahr 2003. Weitere Messwerte bestätigen den Befund.

So zeigten die elektrischen Widerstandsmessungen ähnlich tiefe Werte wie 2009 und im Rekordjahr 2003, was auf eine Zunahme des Wassergehalts in den oberen 10 m des Untergrundes hindeutet. Überdies waren die Geschwindigkeiten der Blockgletscher – kriechende Permafrostkörper – fast so hoch wie im Vorjahr und blieben damit nur geringfügig unter den Rekordwerten von 2003/04. Neben den Lufttemperaturen im Sommer hängen die Permafrostbedingungen in den obersten Metern also vor allem vom Zeitpunkt des Einschneiens und Ausaperns (wieder schneefrei werdend) ab. Die Temperaturen in grösserer Tiefe werden hingegen nur von langfristigen Klimaänderungen beeinflusst.

Regional sehr unterschiedliche Schneemengen

Nach dem frühen Wintereinbruch blieben die Neuschneemengen auf der Alpennordseite trotz vieler Schneefalltage allerdings eher gering. Das führte in höheren Lagen zu einem vergleichsweise schneearmen Winter. Im Mittelland entstand dieser Eindruck jedoch nicht, da der Neuschnee dank der Kälte jeweils mehrere Tage liegen blieb. Auf der Alpensüdseite sorgten häufige Südstaulagen hingegen für schneereiche Verhältnisse. Besonders die Staulage von Ende November 2009 war sehr intensiv und brachte die zweithöchsten je gemessenen 24-stündigen Neuschneesummen, zum Beispiel in Andermatt (90 cm) oder Sedrun (82 cm). In Höhenlagen über 2000 m war die Schneehöhe Ende Mai am Alpensüdhang sehr viel höher als im langjährigen Mittel, in den anderen Regionen entsprach sie etwa dem Mittel. Abgesehen von einer etwa vierwöchigen Hitzeperiode im Juni und Juli, waren der Sommer und Herbst 2010 eher wechselhaft und geprägt von wiederholten Kaltlufteinbrüchen.

Gletscherrückzug dauert unvermindert an

Die Witterung eines Jahres wirkt sich direkt auf die Massenbilanz aus, die Differenz aus der Schneeakkumulation über den Winter und der Schmelze bis zum Ende des Sommers. Sowohl Akkumulation als auch Schmelze fielen im Zeitraum Herbst 2009 bis Herbst 2010 durchschnittlich aus und ergaben wie im Mittel der letzten Jahre insgesamt negative Werte. Die Änderungen der Gletscherlängen sind hingegen eine Reaktion auf langfristige Klimaänderungen und wurden für 91 der 112 beobachteten Gletscher bereits ausgewertet: 82 gingen zurück, 6 veränderten sich kaum und 3 zeigten einen geringen Vorstoss. Die meisten Messwerte liegen zwischen –1 m und –25 m und reichen von –196 m am Gauligletscher (BE) bis zu einem Vorstoss von 14 m am Glacier du Trient (VS). Der massive Schwund am Gauligletscher hängt mit einem die Zunge umgebenden See zusammen, der den Rückgang bereits seit einigen Jahren beschleunigt. Der Glacier du Trient hat sich in den vergangenen Jahren stark zurückgezogen und das Zungenende liegt nun in einer Steilstufe. Von dieser Position aus kann es auch zukünftig zu unregelmässigen Vorstössen und Rückzügen kommen.

Weitere Auskünfte erteilt:
Frank Paul, Geographisches Institut der Universität Zürich, Tel: 044 635 5175 (ab 10:30 Uhr), email: frank.paul@geo.uzh.ch

Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze

Die Kryosphären-Beobachtung in der Schweiz umfasst die drei Bereiche Gletscher, Schnee und Permafrost. Die Schneemessungen werden vom Bundesamt für Metereologie und Kimatologie, MeteoSchweiz und vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) durchgeführt. Die Messungen an den Gletschern werden durch Vertreter der Hochschulen, kantonale Forstämter, Kaftwerkgesellschaften und von Privatpersonen durchgeführt. Die Messungen im Rahmen des Schweizer Permafrost-Beobachtungsnetzwerkes (PERMOS) werden von verschiedenen Hochschulen durchgeführt.

Die Beobachtung und Messnetze werden in der Schweiz von der Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze EKK, einem Organ der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), koordiniert. Finanziert wird die Arbeit durch die SCNAT, das BAFU und MeteoSchweiz sowie durch die beteiligten Hochschulen.

Akademie der Naturwissenschaften Schweiz

Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) unterstützt und vernetzt die Naturwissenschaften regional, national und international. Sie stärkt das Bewusstsein für die Naturwissenschaften als zentralen Pfeiler unserer kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung. Ihre breite Abstützung in den Wissenschaften macht die SCNAT zu einem repräsentativen und wichtigen wissenschaftspolitischen Partner auf dem nationalen Parkett.

Dabei stützt sich die SCNAT auf ein Netzwerk von über 35'000 Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern aller Disziplinen. Darunter sind Gruppierungen mit lokalen oder thematischen Schwerpunkten, die disziplinär und interdisziplinär arbeiten. Dabei steht die Zukunft der naturwissenschaftlichen Kultur und Forschung im Vordergrund und bildet die Basis für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Weitere Informationen:

http://www.cryosphere.ch
- Kryosphäre
http://glaciology.ethz.ch/swiss-glaciers
- Gletschermessungen: Andreas Bauder (+41 44 632 4112)
http://www.meteoschweiz.ch, www.slf.ch
- Messungen Schnee: Chrstoph Marty (+41 81 4170 168)
http://www.permos.ch
- Permafrostmessungen: Jeannette Nötzli (+41 44 635 5224)

Marcel Falk | idw
Weitere Informationen:
http://www.scnat.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Sechs Bundesländer erproben Online-Schultests der Uni Jena

24.02.2017 | Bildung Wissenschaft

Stachellose Bienen lassen Nester von Soldatinnen verteidigen

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie