Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühe Säugetierverwandte als Zeugen des größten Aussterbens in der Erdgeschichte

14.08.2013
Ein internationales Team von Wissenschaftlern um Prof. Jörg Fröbisch, Paläontologe am Museum für Naturkunde Berlin, untersuchte die Erholungsphase früher Säugetierverwandter, der sogenannten Anomodontier, nach dem größten Aussterbeereignis in der Erdgeschichte.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Erholung von Arten sowie ganzen Ökosystemen nach Aussterbeereignissen unvorhersehbar ist, ein Befund, der erhebliche Auswirkungen auf das durch menschliche Einflüsse verursachte Artensterben in der heutigen Welt hat.

Eine zunehmende Zahl heute lebender Arten ist durch den globalen Klimawandel, Lebensraumzerstörung und Übernutzung vom Aussterben bedroht. Der Fossilbericht wird von Wissenschaftlern genutzt, um aus vergangenen Katastrophen zu lernen, so z.B. wie es zu Massenaussterben gekommen ist, und auf welche Weise und wie schnell Arten und Ökosysteme sich davon wieder erholt haben.

Bisherige Forschung deutet darauf hin, dass sich Überlebenden von Massenaussterben oftmals neue ökologische Möglichkeiten bieten. Der Verlust vieler zuvor vorhandener Arten im Ökosystem ermöglicht es den Überlebenden, neue Lebensstile und neue anatomische Merkmale zu entwickeln, während sie leere ökologische Nischen füllen. Allerdings reagieren nicht alle Überlebenden auf die gleiche Weise, und einige können möglicherweise diese neuen Möglichkeiten nicht in dem vollen Umfang nutzen, wie sie sich nach einem Massenaussterben ergeben.

Das größte Massenaussterben der Erdgeschichte am Ende des Perm - vor etwa 252 Millionen Jahren - hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben an Land und im Meer, mit dem Verlust von nicht weniger als 90% der marinen Organismen und 70% der terrestrischen Arten. „Zu dieser Zeit waren die Anomodontier die dominierenden Pflanzenfresser an Land und waren stark von dem Aussterbeereignis betroffen mit nur wenigen Überlebenden Arten“, so Prof. Fröbisch, Paläontologe am Museum für Naturkunde Berlin. „Anomodontier sind artenreich, individuenreich und ökologisch sehr divers, mit voll terrestrischen, semi-aquatischen, grabenden, und kletternden Formen. Dies macht sie zu einer idealen Modellgruppe für makroevolutionäre Untersuchungen.“

Die Studie zeigt, dass anomodonte Therapsiden während der Erholungsphase mit steigenden Artenzahlen anatomisch sehr konservativ geblieben sind und dass die Vielfalt der anatomischen Merkmale in Anomodontiern im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte stetig zurückgegangen ist. Selbst in der Zeit nach dem Massenaussterben, als sich eine Vielzahl an ökologischen Möglichkeiten eröffnet haben müssen, haben Anomodontier keine grundlegend neuen Merkmale entwickelt. Dies deutet darauf hin, dass der evolutionäre Flaschenhals, durch den sie nach dem Aussterbeereignis gingen, ihre Entwicklungsmöglichkeiten während der Erholungsphase eingeschränkt hat.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Erholung von Arten sowie ganzen Ökosystemen nach Aussterbeereignissen unvorhersehbar ist, ein Befund, der erhebliche Auswirkungen auf das durch menschliche Einflüsse verursachte Artensterben in der heutigen Welt hat. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass das Leben zu seinem ursprünglichen Verlauf vor den Beeinträchtigungen zurückzukehrt.

Die Forschung ist Teil eines kollaborativen Projektes von Prof. Jörg Fröbisch (Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin) mit dem Erstautor der Studie Dr. Marcello Ruta (University of Lincoln, UK) sowie Dr Kenneth Angielczyk (Field Museum of Natural History, Chicago, USA) und Prof. Michael Benton (University of Bristol, UK).

Das Projekt wurde aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie der Natural Environment Research Council (UK) finanziert.

Der Artikel wird am Mittwoch dem 14.08.2013 in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society B publiziert.

Illustrationen erhalten Sie unter:
http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Aussterbeereignisse
Das Material kann zur Berichterstattung in Zusammenhang mit der Pressemeldung kostenfrei verwenden werden.

Kontakt:

Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise