Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fossile Tiefsee-Schwämme ähneln heutigen Schwammgemeinschaften

19.11.2015

Deutsch-chinesisches Forscherteam untersucht rund 445 Millionen Jahre alte Sedimente

Fossilien und Sedimente aus mehreren tausend Metern Meerestiefe sind extrem selten erhalten. Die Vielfalt von Leben in diesen tiefen Zonen und seine erdgeschichtliche Entwicklung sind daher kaum erforscht.


Modell der Wanderung von Schwämmen aus dem sauerstofflosen, schwefelhaltigen Tiefsee-Wasser in deutlich höher gelegene Schelfzonen (weißer Pfeil) und Überzug mit Trübelströmen aus feinem Ton (roter

Abbildung: Lixia Li und Joachim Reitner

Einem deutsch-chinesischen Forscherteam unter Beteiligung der Universität Göttingen ist es nun gelungen, in der südchinesischen Provinz Anhui rund 445 Millionen Jahre alte Schiefersedimente zu untersuchen.

Dabei stießen die Forscher auf fossile Schwammgemeinschaften, die damals aus großer Meerestiefe in höher gelegene Zonen eingewandert und zudem den heutigen Tiefseeschwämmen sehr ähnlich sind. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.

Die große Eiszeit vor rund 445 Millionen Jahren führte zu gravierenden ökologischen Veränderungen und einem massenhaften Aussterben des marinen Lebens. Mit Beginn der sogenannten Erholungsphase wanderten Tiefseeschwamm-Gemeinschaften in die deutlich höher gelegenen Schelfzonen ein.

„Wir vermuten, dass die Schwämme dem nun sauerstofflosen und schwefelhaltigen Tiefsee-Wasser entflohen sind“, erklärt der Göttinger Geobiologe Prof. Dr. Joachim Reitner. An dem neuen Ort wurden die Schwämme schnell mit Trübeströmen aus feinem Ton überzogen. Diese Prozesse führten zu einer Konservierung in der untersuchten Sedimentschicht, in der die Forscher erstmals in China fossile Tiefsee-Schwämme nachwiesen.

Die Fossilien weisen eine große Übereinstimmung mit heutigen Tiefsee-Schwammgemeinschaften auf. Mit einem Anteil von 60 Prozent dominieren sehr fragile Schwämme, die zu den Glasschwämmen gezählt werden und die für tiefe Meeresbereiche typisch sind.

Einige dieser Formen weisen morphologische Übereinstimmung mit den modernen Rossella-Typen auf, die häufig in der antarktischen Tiefsee vorkommen. Der moderne Charakter zeigt sich auch bei der anderen großen Schwammgruppe, den Hornkieselschwämmen.

„Die große Übereinstimmung zeigt, dass die ökologischen Zonen der Tiefsee extrem stabile Verhältnisse aufweisen. Damit erklärt sich auch die langsame Evolution der Organismengemeinschaften“, so Prof. Reitner. „Nach der vollständigen Regenerierung der ökologischen Verhältnisse verschwanden die Schwämme wieder in die tiefen Zonen jenseits von 4.000 Metern. Solche temporären Verschiebungen in den ökologischen Zonen sind auch von anderen großen Aussterbe-Ereignissen in der Erdgeschichte bekannt.“

Die geobiologische Forschung in Südchina ist ein Kooperationsprojekt der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie, Abteilung Geobiologie, der Universität Göttingen mit dem Nanjing Institute of Geology and Palaeontology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der School of Earth Sciences and Engineering der Universität Nanjing. Das Forschungsprojekt war eingebettet in die „Göttingen-Nanjing Geobiology Lectures“, die ein forschungsorientiertes Studium fördern.

Originalveröffentlichung:
Lixia Li, Hongzhen Feng, Dorte Janussen, Joachim Reitner (2015): Unusual Deep Water sponge assemblage in South China – Witness of the end-Ordovician mass extinction. Scientific Reports, 5:16060, doi: 10.1038/srep16060, http://www.nature.com/articles/srep16060

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Joachim Reitner
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Geowissenschaften und Geographie – Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-7950
E-Mail: jreitne@gwdg.de
Internet: www.geobiologie.uni-goettingen.de

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/articles/srep16060
http://www.geobiologie.uni-goettingen.de

Romas Bielke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten