Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsschiff Polarstern startet Richtung Arktis

05.06.2014

Veränderungen von Eisbedeckung, Ozeanströmungen und Auswirkungen auf die Lebewelt des Ozeans im Fokus

Am Freitagabend, den 6. Juni 2014, wird das Forschungsschiff Polarstern mit 52 wissenschaftlichen Expeditionsteilnehmerinnen und –teilnehmern von Institutionen aus fünf Ländern sowie 43 Crewmitgliedern Richtung Arktis starten.


Das FS Polarstern bricht sich durch arktisches Meereis in der Framstraߟe.

Foto: Sebastian Menze / Alfred-Wegener-Institut

Ziel ist die Framstraße im Seegebiet zwischen Grönland und Spitzbergen. Sie bildet die einzige tiefe Verbindung zwischen Arktischem Ozean und Nordatlantik. Dort untersuchen die Forscher längerfristige physikalische, ozeanographische, chemische und biologische Veränderungen von der Atmosphäre bis in die Tiefsee.

Seit 15 Jahren betreibt das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), das Tiefseeobservatorium AWI-HAUSGARTEN westlich von Spitzbergen und seit etwa 17 Jahren ozeanographische Langzeitstudien in der nördlichen Framstraße bei 78,8° Nord.

Die ozeanographischen Arbeiten in der Framstraße haben zum Ziel, Änderungen des Wassermassen- und Wärmeaustauschs zwischen dem Nordpolarmeer und dem europäischen Nordmeer sowie dem Nordatlantik zu quantifizieren. AWI-Wissenschaftler messen in Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Polarinstitut Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff und Meeresströmungen.

Dazu setzen sie am Meeresboden verankerte und in der Wassersäule schwimmende Geräte ein. Diese Verankerungen müssen regelmäßig geborgen und neu ausgebracht werden, um die aufgezeichneten Daten auszulesen und die Batterien zur Stromversorgung auszutauschen. Die ozeanographischen Beobachtungen ermöglichen, die komplexe Zirkulation in der Framstraße besser zu verstehen.

„Hierzu bringen wir jetzt erstmals zusätzliche Verankerungen auf dem Ostgrönlandschelf aus“, berichtet Dr. Benjamin Rabe vom Alfred-Wegener-Institut. „Diese Messungen sollen den möglichen Einfluss warmen Wassers des Westspitzbergenstroms, auf einen ins Meer reichenden grönländischen Gletscher bei 79,5° Nord untersuchen“, erläutert der Ozeanograph.

Die Wissenschaftler interessiert neben den Strömungsverhältnissen auch, welche organischen Stoffe mit dem Wasser beziehungsweise mit dem Meereis durch die Arktis transportiert werden. AWI-Forscher untersuchen dies unter anderem gemeinsam mit russischen Kollegen, sowie mit Forschern vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, im Projekt „Transdrift“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird.

„Wir wollen bilanzieren, welche Stoffe mit dem Meereis in die nährstoffarme Tiefsee eingetragen werden“, sagt Expeditionsleiter Dr. Ingo Schewe. „Dazu bringen wir am Ostgrönlandhang Sinkstofffallen in verschiedenen Wassertiefen aus. Diese sammeln organisches Material aus Pflanzen- und Tierresten, das unter anderem beim Schmelzen des Meereises freigesetzt wird“, so der Tiefseeökologe des Alfred-Wegener-Instituts weiter.

Zusätzlich untersuchen Biologen, Geologen und Chemiker ökologische Vorgänge im Meereis sowie in der darunterliegenden Wassersäule und am Meeresboden. Ergänzend analysieren Atmosphärenforscher die arktische atmosphärische Grenzschicht.

Die Wissenschaftler vergleichen bei ihren späteren Auswertungen die Daten aus der Framstraße mit Werten aus der russischen Laptewsee. Letztere ist eine Meeresregion vor der sibirischen Küste. Einerseits wird dort viel Meereis gebildet. Andererseits wird durch die großen sibirischen Flüsse organisches Material zu den Küsten transportiert, wodurch das gefrierende Eis zusätzlich Nährstoffe aus den Küstensedimenten erhält. Die vergleichende Analyse der Daten aus Laptewsee und Framstraße soll Rückschlüsse darüber ermöglichen, wie diese Ein- und Ausgangsregionen der transpolaren Eisdrift miteinander gekoppelt sind.

Bisher hatten die AWI-Tiefseeforscher ihre Langzeitbeobachtungen und Experimente im HAUSGARTEN am Kontinentalhang westlich Spitzbergens konzentriert. Zukünftig wollen sie auch die Ostküste Grönlands stärker in den Fokus nehmen. Hier strömt das kalte Wasser aus dem Arktischen Ozean in den Nordatlantik, während bei Spitzbergen wärmeres Atlantikwasser nach Norden in die Arktis fließt.

Komplementär zum HAUSGARTEN wollen Forscher des Helmholtz-geförderten FRAM-Konsortiums feste Stationen in der Wassersäule und am Meeresgrund zwischen 2.500 und 1.000 Metern Wassertiefe einrichten. So wollen sie die ökologischen Konsequenzen des Klimawandels in diesen beiden Schlüsselregionen der Framstraße erforschen. Auf der jetzigen Polarstern-Expedition werden dazu erste Instrumente getestet und ausgebracht.

„Ich freue mich, dass es endlich losgeht“, sagt Expeditionsleiter Ingo Schewe, der mit seinem Team eigentlich schon Mitte Mai in die Arktis starten wollte. Bei der routinemäßigen Wartung der Polarstern in Bremerhaven zeigten die Lager einer Antriebswelle jedoch Verschleißerscheinungen, die einen Austausch erforderten.

So mussten die Mitarbeiter von Werft, Reederei und AWI-Logistik sowie die Forscher darauf warten, dass neue Lager angeliefert, eingebaut und getestet werden konnten. „Ich bin froh, dass der Schaden hier frühzeitig entdeckt und entsprechend reagiert wurde. Dank der Flexibilität aller Beteiligten können wir unser Forschungsprogramm trotz einiger Anpassungen jetzt hoffentlich erfolgreich durchführen“, so Schewe. Die Expedition soll planmäßig am 3. Juli im norwegischen Tromsø enden.

Hinweise für Redaktionen:
Druckbare Bilder finden Sie unter http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/bild_film_ton/bildergalerien/polarstern_in_der_arktis/.

Ihre Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut sind Dr. Ingo Schewe (Tel.: 0471 483-1737, E-Mail: Ingo.Schewe(at)awi.de) und Dr. Benjamin Rabe (Tel.: 0471 4831-2403, E-Mail: Benjamin.Rabe(at)awi.de). Ihre Ansprechpartnerin in der AWI-Pressestelle ist Dr. Folke Mehrtens (Tel.: 0471 4831-2007; E-Mail: Folke.Mehrtens(at)awi.de).

Folgen Sie dem Alfred-Wegener-Institut auf Twitter und Facebook. So erhalten Sie alle aktuellen Nachrichten sowie Informationen zu kleinen Alltagsgeschichten aus dem Institutsleben.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Weitere Informationen:

http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp
20.10.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise