Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsschiff Polarstern kehrt nach eineinhalb Jahren in der Antarktis in die Heimat zurück

09.04.2014

Nach eineinhalb Jahren in der Antarktis wird das Forschungsschiff Polarstern am 13. April in seinem Heimathafen Bremerhaven zurückerwartet. Neben Crew und Wissenschaftlern mit an Bord: jede Menge Daten, Proben und Tiere aus dem Südpolarmeer, die in den Laboren des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), demnächst genauer untersucht werden.

Sie stammen aus dem Gebiet des Filchner-Ronne-Schelfeises ganz im Süden des Weddellmeeres, wo Wissenschaftler auf dem letzten antarktischen Fahrtabschnitt Meereis, Meeresströmungen und die Lebensgemeinschaften erforscht haben.


Boje zur Messung der Drift von Meereisschollen

(© S. Schwegmann / Alfred-Wegener-Institut)

Die Polarstern hat in den vergangenen 18 Monaten gut 64.000 Seemeilen zurückgelegt, das entspricht etwa 120.000 Kilometern und damit einer dreifachen Umrundung der Erde auf Höhe des Äquators. Diese tropischen Regionen durchfuhr der Eisbrecher jedoch lediglich auf dem Hin- und Rückweg; Hauptforschungsgebiet war das antarktische Weddellmeer.

Die letzte Expedition vor dem Transit nach Bremerhaven führte noch einmal ganz in den Süden der Antarktis, in das Meeresgebiet vor dem Filchner-Ronne-Schelfeis. „Auch im antarktischen Sommer ist dieses Gebiet nur schwer zugänglich und wir hatten mit sehr schwierigen Eisverhältnissen zu kämpfen“, berichtet Dr. Rainer Knust, Expeditionsleiter und Biologe am Alfred-Wegener-Institut. Er koordinierte an Bord ein multidisziplinäres Team aus elf Ländern, das Untersuchungen zur Meereisphysik, zur Hydrographie und zur Biologie durchführte.

In enger Absprache mit dem Kapitän legte Knust in Abhängigkeit von den Eisbedingungen das Arbeitsprogramm fest. So freuten sich die Meereisphysiker über große Schollen, auf denen sie ihre Messbojen ausbringen konnten. Diese messen, ob eine Eisscholle wächst oder taut und wie schnell und in welche Richtung sie driftet. Die ausgebrachten Messbojen bleiben auf den Eisschollen und senden ihre Daten via Satellit ans Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Die Ozeanographen waren auf Lücken im Eis angewiesen, um ihre Geräte einzusetzen. Sie konnten im Arbeitsgebiet umfangreiche ozeanographische Messungen zu Wassertiefe, Salzgehalt, Temperatur und Meeresströmungen durchführen. Ergänzend zu diesen Messungen direkt von Bord haben sie Langzeitverankerungen geborgen und neue ausgebracht. Sie zeichnen ozeanographische Messungen über mehr als zwei Jahre auf. So können die Veränderungen im Salzgehalt und Temperatur des Meerwassers kontinuierlich gemessen werden. Ziel dieser Arbeiten ist die Erfassung und Verfolgung der sehr kalten Schmelzwasserfahne vom Filchner-Ronne-Schelfeis und ihre Vermischung mit wärmerem Wasser aus dem tieferen Weddellmeer.

Unterstützt werden die Arbeiten der Ozeanographen von Weddellrobben, die während der Expedition mit Sensoren und Sendern ausgestattet wurden. Sie liefern bei ihren Tauchgängen nicht nur Messungen zum Tauchverhalten sondern auch Daten des Salzgehaltes und der Wassertemperatur unter dem Eis, die anderes nicht erreicht werden können. Auch diese Daten werden via Satellit ans AWI gesendet. Die ersten Ergebnisse zu den Lebensgemeinschaften in diesem noch weitestgehend unerforschten Gebiet zeigen, dass Besiedlung und Artenreichtum am Meeresboden eng mit der Eisbedeckung und der Hydrographie zusammenhängen. Dort wo sehr kaltes Wasser ausströmt oder in Gebieten, die sehr lange von Eis bedeckt sind, sind Artenvielfalt und Besiedlungsdichte deutlich geringer als in offenen Regionen, die nicht so stark vom Gletscherabfluss beeinflusst sind.

„Frühere Befunde über das unerwartete Vorkommen von Seeelefanten am nördlichen Schelfhang des Filchner-Grabens gaben den Anstoß, den bisher nur vermuteten Zusammenhang von hydrographischen Bedingungen und erhöhtem Aufkommen an Nahrung für die Robben im Zuge unserer Expedition mit der Polarstern näher zu untersuchen“, berichtet Knust. Vor der Polarstern war auch das AWI-Forschungsflugzeug Polar 6 an der Kante des Filchner-Ronne-Schelfeises unterwegs, um das Robbenaufkommen aus der Luft zu erfassen. Mit den Bordhelikoptern der Polarstern unternahmen Biologen ebenfalls Zählflüge. Ihr erster Eindruck vor der detaillierten Auswertung scheint die Hypothese zu bestätigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Robbenvorkommen und ozeanographischen Verhältnissen gibt.

Das Filchner-Ronne-Schelfeis ist das zweitgrößte Schelfeis der Antarktis. Gekoppelte Ozean-Atmosphären Modellberechnungen am AWI lassen vermuten, dass dort Ende dieses Jahrhunderts dramatische Veränderungen mit 20-fach höheren Schmelzraten zu erwarten wären. „Diese Expedition ist eine erste in einer Folge weiterer Polarstern-Fahrten, um den Ist-Zustand des Systems Filchner-Ronne-Schelfeis zu verstehen und die Wassermassen vor und unter dem Schelfeis zu messen. Dann vergleichen wir sie mit den wenigen historischen Daten und können so die gerechneten Modelle überprüfen“, sagt der Leiter der hydrographischen Arbeitsgruppe an Bord, Dr. Michael Schröder vom AWI. Die zukünftigen Expeditionen in diesem Gebiet werden ebenfalls multidisziplinär besetzt sein, um den Zusammenhang zwischen Eis, Meerwasser und der Biologie zu untersuchen.

Die Polarstern wird in den nächsten Wochen in der Lloyd-Werft zu planmäßigen Wartungs- und Reparaturarbeiten liegen, bevor Mitte Mai die Arktissaison beginnt.

Hinweise für Redaktionen:
Wir stellen Ihnen gerne auf Anfrage Videomaterial von der Expedition zur Verfügung. Druckbare Fotos finden Sie unter http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/.

Ihre Ansprechpartner sind Dr. Rainer Knust (Tel.: 0471 4831-1709, E-Mail: Rainer.Knust(at)awi.de) sowie in der AWI-Pressestelle Dr. Folke Mehrtens (Tel.: 0471 4831-2007; E-Mail: Folke.Mehrtens(at)awi.de).

Bitte melden Sie sich bis Donnerstag, den 10. April 2014 um 12:00 Uhr bei Folke Mehrtens an, wenn Sie das Einlaufen der Polarstern begleiten möchten – wegen der Sicherheitsbestimmungen ist der Zugang zum Werftgelände nur mit Anmeldung möglich.

Folgen Sie dem Alfred-Wegener-Institut auf Twitter und Facebook. So erhalten Sie alle aktuellen Nachrichten sowie Informationen zu kleinen Alltagsgeschichten aus dem Institutsleben.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie