Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsschiff MARIA S. MERIAN bricht zu großer Ostsee-Expedition auf

24.08.2009
Am Montag, den 24. August, werden 23 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (darunter 16 Warnemünder Forscher, drei schwedische Kollegen, zwei Wissenschaftler vom Naturkundemuseum Berlin und zwei Studenten aus Greifswald) in Bremerhaven an Bord des Forschungsschiffes MARIA S. MERIAN gehen, um für die kommenden Wochen ihren Arbeitsplatz auf das Wasser zu verlegen. Fahrtleiter ist der Biologe Dr. Falk Pollehne vom IOW.

Während des ersten Fahrtabschnittes vom 24. August bis 9. September werden geologische Fragestellungen im Vordergrund stehen. Ausgehend von der westlichen Ostsee, wo fast vollmarine Bedingungen herrschen, werden entlang einer Strecke bis in die nördlichsten Ostseebecken, die mit ihrem niedrigen Salzgehalt schon fast Süßwasserseen gleichen, rund 25 Sedimentkerne gezogen.

Die Warnemünder Geologen, Dr. Thomas Leipe und Dr. Matthias Moros, sind ganz besonders an den Ablagerungen aus dem Litorina-Stadium der Ostsee interessiert. Vor rund 7.300 Jahren strömte salzhaltiges Nordseewasser in das bis dahin mit Süßwasser gefüllte Ostseebecken. Seit damals herrschen in der Ostsee Brackwasser-Bedingungen.

Von früheren Untersuchungen weiß man, dass es sehr wahrscheinlich während dieses Stadiums wiederholt zu ähnlichen Sauerstoffmangel-Situationen im Tiefenwasser kam, wie wir sie von heute kennen. Und man weiß ebenfalls, dass diese Phasen unterbrochen waren von Zeiten, in denen die Belüftung der Becken besser gewesen sein muss.

Die Ostseeforscher interessiert, wodurch es immer wieder zu diesem Wechsel im Sauerstoff-Regime kam. Kann es letztlich sein, dass auch die heutige Situation nur eine Übergangsphase ist, und wir in Zukunft mit Veränderungen in der Belüftung des Tiefenwassers rechnen können? Was beendete in der Litorina-Zeit die große Sauerstoffnot? Zwei Hypothesen gilt es abzuwägen:

Waren es vermehrte Salzwassereinbrüche, die für die Belüftung sorgten, oder war gerade deren Ausbleiben und die damit verbundene "Aussüßung" der Ostsee dafür verantwortlich, dass Stagnation und Sauerstoffzehrung zum Erliegen kamen?

Die Kernsedimente werden die Warnemünder Geologen nach Mikrofossilien durchsuchen, die Hinweise auf den Salzgehalt in Bodennähe geben können. Zusätzlich werden Biomarker analysiert, die Informationen zu den damals herrschenden Wassertemperaturen liefern können.

Die Untersuchungen sind Teil des Projektes Inflow (Holocene saline water inflow changes into the Baltic Sea, ecosystem responses and future scenarios), das von einem internationalen Konsortium mit Partnern aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen, Polen, Russland und Schweden durchgeführt wird. Es wird im Rahmen des BONUS-Programmes gefördert, das von einem Netzwerk von Forschungsförderungsinstitutionen aus allen Ostseeanrainerstaaten initiiert wurde. Der deutsche Anteil des Inflow-Projektes wird vom BMBF finanziert.

Weitere Forscher-Teams an Bord der Maria S. Merian werden sich Detailfragen zu den Stoffkreisläufen in der Ostsee und ihrer Veränderlichkeit in Verbindung mit der globalen Erwärmung widmen.

Am 9. September wird der erste Fahrtabschnitt in Stockholm enden. Nach einem Wechsel der wissenschaftlichen Crew wird die Fahrt in Richtung der zentralen Ostseebecken fortgesetzt. Die Fahrtleitung wird dann der Molekularbiologe Prof. Dr. Klaus Jürgens übernehmen, der am IOW der Sektion Biologische Meereskunde vorsteht.

Während dieses zweiten Fahrtabschnittes werden die Prozesse an der Redoxcline in den Tiefenbecken der zentralen Ostsee den Schwerpunkt bilden. Erstmalig wird dann auch der Einfluss turbulenter Vermischung auf die bakteriellen Aktivitäten an dieser Grenzschicht untersucht werden.

Die MARIA S. MERIAN-Fahrt wird am 24. September in Rostock enden. Am 25. Sep-tember besteht von 14 - 17 Uhr am Warnemünder Passagierkai die Möglichkeit, sie zu besichtigen.

Kontakt:
Dr. Barbara Hentzsch, Tel.: 0381 5197 102, barbara.hentzsch@io-warnemuende.de
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Seestr. 15, D-18119 Rostock
www.io-warnemuende.de

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.io-warnemuende.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise