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Forschungsflugzeug Polar 5 auf Arktis-Kampagne

26.03.2009
Das Forschungsflugzeug Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts startet am Montag, den 30. März um 10 Uhr vom Regionalflughafen Bremerhaven aus zu einer rund vierwöchigen Messkampagne in die Arktis.

Im Fokus des Projekts (PAM-ARCMIP - Pan-Arctic Measurements and Arctic Climate Model Intercomparison Project) stehen Messungen von Meereisdicken sowie atmosphärische Untersuchungen in einem Gebiet zwischen Spitzbergen, Grönland, Nordkanada und Alaska.

Bis zu 20 deutsche und internationale Wissenschaftler werden Untersuchungen in den Gebieten der Arktis durchführen, aus denen noch keine Daten vorliegen. Sechs Forschungsinstitute aus Deutschland, Kanada, den USA und Italien sind an dem Projekt beteiligt.

Die Fläche des arktischen Meereises hat in den letzten Jahren stärker abgenommen als von Klimamodellen vorhergesagt. Allerdings ist über die Abnahme der Dicke des Eises nur wenig bekannt. Weil Meereis in ständiger Bewegung ist und aufgrund von Deformation genau so dick oder sogar dicker werden kann wie durch Gefrieren, spielt nicht nur die Eisausdehnung, sondern auch die Eisdicke eine wichtige Rolle im arktischen Klimasystem.

"Wir erhoffen uns, erstmalig eine Bestandsaufnahme des gesamten arktischen Eisvolumens zu erhalten, um so die Veränderungen in verschiedenen Gebieten miteinander vergleichen zu können", so Dr. Andreas Herber, Physiker und verantwortlich für die Forschungsflugzeuge am Alfred-Wegener-Institut. Der Einsatz des Forschungsflugzeuges Polar 5 wird es erstmals ermöglichen, großräumig Eisdickenmessungen in Schlüsselgebieten der Arktis durchzuführen, die bisher mit dem Forschungsschiff Polarstern nicht erreichbar waren.

Die Meereisforscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft sind weltweit die einzigen Wissenschaftler, die in letzter Zeit Eisdickenmessungen in der Arktis durchgeführt haben. Ihre Ergebnisse zeigen eine starke Abnahme der Eisdicke in der zentralen Arktis, die in unregelmäßigen Abständen vom Forschungsschiff Polarstern aus vermessen wurde. Über Veränderungen in anderen Gebieten ist allerdings nichts bekannt.

Mit dem Projekt wird in mehrerer Hinsicht Neuland betreten. Eine Eisdickensonde, der so genannte EM-Bird, der normalerweise unter einem Hubschrauber geschleppt wird, wird erstmalig von einem Tragflächenflugzeug aus eingesetzt. Für Start und Landung wird der EM-Bird mit einer Winde unter den Rumpf des Flugzeuges gezogen. Für die Messungen wird die Sonde in einer Höhe von 20 Metern über das Eis geschleppt. Durch die im Vergleich zu Hubschraubern größere Reichweite des Flugzeugs können nun umfangreiche Gebiete erkundet werden.

Mit so genannten Dropsonden werden während der Kampagne zusätzlich Messungen der vertikalen Verteilung meteorologischer Parameter wie Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit durchgeführt. Die Messsonden werden dafür in fünf Kilometer Höhe vom Flugzeug aus abgeworfen. "Mit unseren Untersuchungen werden wir die regionalen Klimamodelle für die Arktis deutlich verbessern", erklärt Prof. Dr. Klaus Dethloff, Physiker an der Forschungsstelle Potsdam und wissenschaftlicher Leiter des Projekts am Alfred-Wegener-Institut.

Insgesamt 30 Personen aus vier Nationen - sechs Forschungsinstitute und drei logistische Einrichtungen aus Deutschland, Kanada, den USA und Italien - sind an dem Projekt beteiligt. Die Kampagne endet am 27. April in Oshawa, Kanada, wo routinemäßige Inspektions- und Wartungsarbeiten an der Polar 5 durchgeführt werden. Die logistisch aufwändige Kampagne mit Aufenthaltsorten in vier Arktis-Anrainerstaaten ist nur durch eine enge internationale Zusammenarbeit zwischen den Partnern möglich.

Ihre Ansprechpartner sind Dr. Andreas Herber (Tel. 0471 4831-1489; E-Mail: Andreas.Herber@awi.de) und Prof. Dr. Klaus Dethloff (Tel. 0331 228-2104; E-Mail: Klaus.Dethloff@awi.de) sowie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471 4831-2008; E-Mail: medien@awi.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de/

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