Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher auf der Suche nach Lebensformen im tiefen Eis

03.09.2010
Ein aus zwei Forscherinnen bestehendes Team sucht in den kältesten Regionen der Erde nach lebenden Organismen.

Damit wollen sie ermitteln, ob auch auf anderen Planeten unseres Sonnensystems Leben möglich wäre. Sie beschäftigen sich damit im Rahmen des Projekts EUROPLANET RI (European planetology network research infrastructure), das mit 6 Millionen EUR im Rahmen des Siebten Rahmenprogramms (RP7) der EU gefördert wird. EUROPLANET RI zielt durch verschiedene Netzwerkaktivitäten auf die Konsolidierung einer Forschergemeinschaft und der Verbesserung der Zusammenarbeit in der Planetologie ab.

Prof. Liane Benning von der Universität Leeds und Dr. Dominique Tobler von der Universität Glasgow, Vereinigtes Königreich, untersuchen an der nördlichsten Polarforschungsstation im norwegischen Ny-Ålesund im Verwaltungsbezirk Svalbard bis zum 20. August zwei Wochen lang, wie die Schnee- und Eisdecke von Extremophilen besiedelt wird, d.h. Organismen, die unter Extrembedingungen leben, die für die meisten anderen auf der Erde lebenden Organismen tödlich wären.

Die Expedition gehört zu den wichtigsten Abschnitten des Megaprojekts AMASE (Arctic Mars analogue Svalbard expedition), das in den extremsten Umgebungen der Erde Technologien der Europäischen Weltraumbehörde ESA und der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA testet, die für Mars-Missionen auf der Suche nach Leben eingesetzt werden sollen.

"Die Bedingungen in Gletscherschnee und -eis sind vergleichbar mit denen auf der eisbedeckten Oberfläche der Marspole und anderer Eisplaneten in unserem Sonnensystem, etwa des Jupitermonds Europa", erklärt Prof. Benning.

"Hier lebende Organismen kommen mit sehr wenigen Nährstoffen aus, überstehen große Temperaturunterschiede, Dehydrierung und hohe UV-Strahlung. Schneealgen beispielsweise schützen sich durch die Produktion von Carotinoid-Pigmenten vor UV-Strahlung und lassen den Schnee dadurch hellrot werden", fährt Prof. Benning fort.

"Wenn wir genaueres darüber wissen, wie Leben unter diesen Bedingungen entstehen und gedeihen kann, und die verschiedenen Überlebensstrategien kennen, steigen die Chancen, Leben unter ähnlich extremen Bedingungen auch auf anderen Planeten zu entdecken."

Vergangene Studien zu Mikroorganismen in der Eiswelt befassten sich mit Organismen im sedimentreichen subglazialen Eis oder in Schmelzlöchern auf deren Oberfläche. Lebensformen auf Schnee- und Eisdecken wurden bislang noch nicht extensiv erforscht.

Für ihre Studie nehmen Prof. Benning und Dr. Tobler Proben aus Schneefeldern nahe der Polarforschungsstation Ny-Ålesund. Mit dem Helikopter erreichen sie entferntere Gletscher, um weitere Proben zu nehmen. Das Forscherteam wird die Proben aufreinigen, konservieren und zur Laboranalyse in das Vereinigte Königreich zurückschicken.

Zudem werden die Forscher vor Ort mittels geochemischer Analysen an anorganischen Substanzen versuchen, das Vorhandensein von Mikroorganismen nachzuweisen. Hierfür verwenden sie sogenannte "Life Detection"-Verfahren und bestimmen die biologische Vielfalt, analysieren die DNA der Mikroorganismen und führen Zellzählungen an lebenden und toten Organismen durch.

"Es ist ein bisschen wie CSI [Crime Scene Investigation] im Schnee", erklärt Prof. Benning. "So wie Forensiker den Tatort untersuchen, müssen auch wir darauf achten, keine Verunreinigungen mit an die Untersuchungsstelle zu bringen", fügt sie hinzu.

"Besonders wichtig ist auch die Sensitivität unserer Analysemethoden. Wenn Leben auf anderen Planeten existiert, ist es wahrscheinlich in sehr geringen Mengen vorhanden - nur ein paar Zellen in einem großen Gebiet - also benötigen wir hochempfindliche Geräte, die sehr schwache Signale aufnehmen können. Wenn unsere Experimente auf der Erde nicht funktionieren, werden sie im Weltraum wahrscheinlich auch nicht funktionieren."

Prof. Benning beschreibt ihre Erfahrungen in einem Blog auf der öffentlichen Webseite des EUROPLANET-Projekts und liefert damit faszinierende Einblicke in die Forschungswelt in Ny-Ålesund.

Weitere Informationen unter:

EUROPLANET RI:
http://www.europlanet-eu.org
University of Leeds:
http://www.leeds.ac.uk/

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://cordis.europa.eu/fetch?CALLER=DE_PRESS_PROJ&ACTION=D&DOC=2&CAT=NEWS&QUERY=012ad77187a6:ab18:19a46155&RCN=32414

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weniger Sauerstoff – ist Humboldts Nährstoffspritze in Gefahr?
17.03.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen