Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher bauen europaweites System zur Messung von Treibhausgasen auf

03.04.2014

Die neue europäische Forschungsinfrastruktur ICOS soll Daten zu den Quellen und Senken von Treibhausgasen liefern. Sie unterstützt damit die europäische Klimapolitik in ihrem Bemühen, die Ursachen der globalen Klimaerwärmung zu verstehen und diese in akzeptablen Grenzen zu halten.

Treibhausgase kennen keine Ländergrenzen. Zur Überwachung der Atmosphäre und des Klimas bauen europäische Forscher gemeinsam das  „Integrated Carbon Observation System“ (ICOS) auf. Es sieht europaweit kontinuierliche Messungen von Treibhausgasen vor.

Dabei sollen nicht nur Treibhausgase in der Atmosphäre erfasst werden, auch Emissionen aus fossilen Quellen und die Abgabe bzw. Aufnahme durch die Landökosysteme und die Ozeane werden bestimmt. So können auch die Einflüsse unterschiedlicher Landnutzung und der Klimavariabilität erkannt werden. 14 europäische Staaten beteiligen sich an ICOS und bringen Messdaten von mehr als 150 Stationen in dieses neuartige Forschungsnetzwerk ein.

Der Weg zu ICOS ist eine europäische Erfolgsgeschichte: In zahlreichen Vorläuferprojekten haben Wissenschaftler verschiedener Disziplinen europaweit zusammengearbeitet und so die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen gelegt. „Dieses von europäischen Forschern entwickelte Konzept einer dezentralen Forschungsinfrastruktur überzeugte auch das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen. ICOS wurde daher auf dessen Liste der förderungswürdigen Forschungsinfrastrukturen („ESFRI Roadmap“ genannt) gesetzt“, sagt Prof. Martin Heimann, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie (MPI) in Jena, einer der federführenden Initiatoren für eine deutsche Beteiligung. Seit 2008 haben die nationalen Forschungsministerien und die Europäische Kommission die Konzeption von ICOS unterstützt.

Bei der jetzt beschlossenen Umsetzung spielt Deutschland eine zentrale Rolle: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat Investitionen in Höhe von 15 Millionen Euro bewilligt, mit denen derzeit wesentliche Teile der deutschen Infrastruktur aufgebaut werden. Zusätzlich übernimmt Deutschland gesamteuropäische Verantwortung: Das Jenaer MPI baut ein zentrales Kalibrier- und Analysenlabor für ganz Europa auf. Damit wird das wichtigste Ziel von ICOS, die hochpräzise Messung der verschiedenen atmosphärischen Treibhausgase, umgesetzt. Ein weiteres zentrales Labor entsteht am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg. Hier werden Spezialmessungen durchgeführt, die zeigen, wie viel des atmosphärischen Kohlendioxids aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas stammt und wie viel aus natürlichen Quellen.

„In den letzten beiden Jahren haben wir bereits zahlreiche Voruntersuchungen durchgeführt und intensiv an der Standardisierung der Messverfahren auf europäischer Ebene gearbeitet. Nun kann es mit dem planmäßigen Aufbau der Infrastruktur endlich losgehen“, freut sich Dr. Mathias Herbst vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig, der Koordinator des deutschen Konsortiums. „Bis Ende 2015 soll die Infrastruktur aufgebaut sein und in die langfristige operationelle Phase übergehen.“ Der Betrieb von ICOS wird dann vor allem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) getragen. Das BMVI unterstützt dabei über den Deutschen Wetterdienst das atmosphärische Messnetz sowie den Betrieb der zentralen ICOS-Labore zunächst für 20 Jahre mit ca. 3,4 Millionen Euro pro Jahr.

Mit der Koordination des ICOS-Netzwerks übernimmt das Thünen-Institut als Einrichtung aus dem Geschäftsbereich des Bundesminsteriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine zentrale Funktion im Konsortium. Weiterhin werden mehrere Institute der Helmholtz-Gemeinschaft Teile ihres TERENO-Beobachtungsnetzwerks in das Ökosystem-Messnetz einbringen. Große Teile des Ozean-Messprogramms übernimmt die Helmholtz-Gemeinschaft durch das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Auch die Leibniz-Gemeinschaft und mehrere Universitäten werden Teile der Infrastruktur langfristig betreiben. „ICOS vereint alle großen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland“, betont Dr. Werner Kutsch, seit kurzem Generaldirektor von ICOS auf europäischer Ebene. Ausdrücklich schließt er auch die beteiligten universitären Forschergruppen ein. „Denn ohne den dort ausgebildeten guten wissenschaftlichen Nachwuchs lässt sich langfristig keine exzellente Forschungsinfrastruktur betreiben.

Auf der europäischen Ebene wird ICOS in den nächsten Monaten ein Registrierungsverfahren durch die Europäische Kommission durchlaufen, an dessen Ende eine europäische Institution namens „European Research Infrastructure Consortium“ (ERIC) stehen wird. Diesen Prozess koordiniert Dr. Kutsch seit März von Helsinki aus, denn Finnland wird Sitz des ICOS ERIC sein. In den nächsten Wochen wird er die Verpflichtungsschreiben der beteiligten Länder entgegennehmen und Ende Mai die endgültige Registrierung bei der Kommission beantragen.

Ansprechpartner:

Dr. Mathias Herbst ICOS-D Koordinator Thünen-Institut für Agrarklimaschutz, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig Tel: 0531/596 - 2569, E-Mail: mathias.herbst@ti.bund.de

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Tonmineral bewässert Erdmantel von innen
20.11.2017 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

nachricht Neue Einblicke in das 2004 Sumatra-Erdbeben
14.11.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie