Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Faltige Gesteinsschichten in 3D

06.12.2012
Wie sich Gesteinsfalten während der Verkürzung der Gesteinsschichten zu großen, länglich gezogenen Faltengürtel entwickeln können, zeigt der Geologe Bernhard Grasemann von der Universität Wien gemeinsam mit Stefan Schmalholz (Universität Lausanne) in einer Publikation in der renommierten Fachzeitschrift "Geology".
Faltengürtel sind von besonderem wirtschaftlichem Interesse, da sie etwa 15 Prozent der weltweiten Kohlenwasserstoffreserven, unter anderem fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas, beheimaten.

Geologische Falten sind Krümmungen von geologischen Grenzflächen, wie etwa die Schichtung von Sedimentgesteinen oder der Lagenbau metamorpher Gesteine. "Gesteinsfalten variieren in ihrer Größe von mikroskopischen Strukturen bis zum Maßstab von Bergen, wo sie ganze Gebirge in Form von länglich gezogenen Faltengürtel bilden", erklärt Bernhard Grasemann, Professor für Allgemeine Geologie und Geodynamik und Leiter des Departments für Geodynamik und Sedimentologie an der Universität Wien. Diese Faltengürtel sind an tektonischen Plattengrenzen entstanden – durch Kollision von Kontinenten – und Bestandteil aller großen Gebirge, wie beispielsweise den Alpen, dem Zagros-Gebirge (Iran, Irak) oder dem Himalaya.

Dreidimensionales Computermodell der Gesteinsfalten

Copyright: Universität Wien

Geradlinige oder schräge Verbindungen

Obwohl die Gesteinsdeformation in Form von Verfaltung in zweidimensionalen Profilen seit Jahrzehnten Gegenstand geologischer Untersuchungen ist, haben sich bisher kaum Studien mit dem dreidimensionalen Wachstum von Falten beschäftigt. In der gemeinsamen Publikation zeigen Bernhard Grasemann und sein Schweizer Fachkollege Stefan Schmalholz anhand von dreidimensionalen Computermodellen und natürlichen Beispielen aus dem Zagros-Gebirge im Irak, wie sich Falten während der Verkürzung der Gesteinsschichten zu großen länglich gezogenen Faltengürtel entwickeln können. "Am Beginn der Verkürzung entstehen isolierte Falten, die sich bei weiterer Verkürzung geradlinig oder schräg mit anderen Falten verbinden können", fasst Grasemann die Ergebnisse zusammen: "Ist der Abstand zwischen zwei seitlich wachsenden Falten zu groß, dann verbinden sich die Falten nicht."

Durch einen Sattel verbunden

Dabei verbinden sich die Falten über sogenannte "Sattelflächen" – als Sattelfläche wird in der Geometrie eine Fläche bezeichnet, die in den beiden Hauptrichtungen entgegengesetzt gekrümmt ist, wie etwa ein Pferdesattel. "Das ist deshalb bedeutend, weil man durch Erkennen dieser Positionen ursprünglich getrennte Faltensegmente identifizieren kann", erklärt der Geologe. Auch für die Wirtschaft sind die neuen Erkenntnisse von großer Relevanz: "Die Faltenverbindungen ermöglichen das Migrieren von Kohlenwasserstoffen von einer Falte in das seitlich anschließende Faltensegment. Dadurch lässt sich die mögliche Ausbreitung von Kohlenwasserstoffen vorhersagen", erklärt Grasemann.

Die Publikation ist die aktuellste einer Reihe von Veröffentlichungen, u.a. in den Journals "Geology", "Tectonics", "Basin Research" und "AAPG Bulletin", die im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojekts "Quantitative structural modelling of the Zagros Fold-and-Thrust Belt in Kurdistan Region of Iraq" unter der Leitung von Bernhard Grasemann entstanden sind. In seinem aktuellen Projekt erarbeitet Grasemann ein 3D-Strukturmodell des Libanon-Gebirges; die Forschungsarbeiten werden von der OMV Exploration & Production GmbH finanziert.

Publikation in "Geology":
"Lateral fold growth and fold linkage": B. Grasemann und S. M. Schmalholz, in "Geology" (40, 1039-1042), 2012. http://geology.gsapubs.org/content/early/2012/08/22/G33613.1.abstract

Wissenschaftlicher Kontakt
Univ.-Prof. Mag. Dr. Bernhard Grasemann
Department für Geodynamik und Sedimentologie
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-534 72
bernhard.grasemann@univie.ac.at
http://geologie.univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

Veronika Schallhart | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Forschungsschiff Heincke seit 25 Jahren im Dienst der Wissenschaft
03.07.2015 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht 340 Krater fehlen noch
30.06.2015 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forschungsschiff Heincke seit 25 Jahren im Dienst der Wissenschaft

Ein Vierteljahrhundert alt, über 900.000 Kilometer (488.842 nautische Meilen) gefahren und trotzdem auf dem neuesten wissenschaftlichen und technischen Stand: Die Indienststellung des Forschungsschiffes Heincke jährt sich am 8. Juli 2015 zum 25. Mal.

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), das die Heincke betreibt, nehmen ebenso regelmäßig an...

Im Focus: Solardächer produzieren Strom für Fahrzeuge

Studentische Industriekooperation zwischen HAW Hamburg und Webasto erarbeitet Ergebnisse für EU-Zertifizierungsprozess von Solardächern zur Verbesserung der Öko-Bilanz von Fahrzeugen.

Unter der Leitung von Dr.-Ing. Volker Skwarek, Professor für technische Informatik an der HAW Hamburg, erarbeiteten sechs Studierende des...

Im Focus: Viaducts with wind turbines, the new renewable energy source

Wind turbines could be installed under some of the biggest bridges on the road network to produce electricity. So it is confirmed by calculations carried out by a European researchers team, that have taken a viaduct in the Canary Islands as a reference. This concept could be applied in heavily built-up territories or natural areas with new constructions limitations.

The Juncal Viaduct, in Gran Canaria, has served as a reference for Spanish and British researchers to verify that the wind blowing between the pillars on this...

Im Focus: Aus alt mach neu - Rohstoffquelle Elektroschrott

Der Markt für Unterhaltungselektronik boomt: Rund 60 Millionen Fernsehgeräte wurden im letzten Jahr in Europa verkauft. Früher oder später werden sie zurückkehren – als Elektroschrott.

Die Recycling-Industrie hat darauf reagiert: Kupfer, Aluminium, Eisen- und Edelmetalle sowie ausgewählte Kunststoffe werden bereits wiederverwertet. Allerdings...

Im Focus: Radar schützt vor Weltraummüll

Die Bedrohung im All durch Weltraummüll ist groß. Aktive Satelliten und Raumfahrzeuge können beschädigt oder zerstört werden. Ein neues, nationales Weltraumüberwachungssystem soll ab 2018 vor Gefahren im Orbit schützen. Fraunhofer-Forscher entwickeln das Radar im Auftrag des DLR Raumfahrtmanagement.

Die »Verkehrssituation« im All ist angespannt: Neben unzähligen Satelliten umkreisen Weltraumtrümmer wie beispielsweise ausgebrannte Raketenstufen und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Flurförderzeuge im Zeichen der Zeit

03.07.2015 | Veranstaltungen

Aktuelles aus Forschung und Betrieb: 27. Deutscher Flammentag

02.07.2015 | Veranstaltungen

Call for ideas: Gute Ideen für bessere Städte

02.07.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Siemens erhält Auftrag für Offshore-Windkraftwerk in Großbritannien

03.07.2015 | Unternehmensmeldung

Flurförderzeuge im Zeichen der Zeit

03.07.2015 | Veranstaltungsnachrichten

Kompakter Time Converter für zuverlässigen Einsatz in rauen Umgebungen

03.07.2015 | Energie und Elektrotechnik