Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expedition zu den Methanquellen in Neuseelands Tiefsee

08.03.2011
Kieler Meereswissenschaftler wollen Prozesse im Meeresboden besser verstehen

Geophysiker des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) untersuchen von Anfang März bis Ende April 2011 mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE natürliche Methanquellen in der Tiefsee vor Neuseelands Ostküste. Die genauere Kenntnis dieser sogenannten „cold seeps“ ermöglicht Aussagen über Prozesse im Meeresboden, über mögliche Rohstoffvorkommen, aber auch über Zusammenhänge von Rutschungen und Gashydraten.

Es blubbert und brodelt im Meer vor Neuseeland. An den Kontinentalhängen, die fast unmittelbar vor der Ostküste der Nordinsel auf bis zu 3000 Meter Tiefe abfallen, liegen zahlreiche Quellen, an denen freies Methangas als Blasenstrom aus dem Meeresboden quillt. Da unterhalb des Meeresbodens auch Gashydrate, also feste Methan-Wasser-Verbindungen, liegen, scheint das nicht verwunderlich. Doch lange nicht alle Gashydrat-führenden Kontinentalhänge zeigen diese „cold seeps“ genannten Methanquellen. Am Rande des neuseeländischen Hikurangi Tiefseegrabens zeigen die Methanquellen zudem eine sehr große Bandbreite unterschiedlicher Erscheinungsformen und unterschiedlichen Verhaltens.

„Diese Variabilitäten wollen wir genauer untersuchen, denn sie können uns mehr darüber verraten, wie und warum Methanquellen am Meeresboden entstehen“ sagt Dr. Jörg Bialas vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Er leitet eine Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE, die von Anfang März bis Ende April 2011 in das Seegebiet am Hikurangi-Graben führt.

Während der Ausfahrt untersuchen die Wissenschaftler an Bord der SONNE den Meeresboden und die dortigen Methanquellen mit geochemischen und geophysikalischen Methoden. Darunter sind neu entwickelte Techniken, die dreidimensionale Darstellungen vom Inneren des Meeresbodens ermöglichen. „Wir kennen diese Seeps bereits von einer Expedition 2007 und konnten vielfältige Unterschiede beschreiben“, sagt Bialas, „jetzt wollen wir mit neuen Daten erklären, wodurch diese Unterschiede verursacht werden“. Neben den kurzzeitigen Messungen während der Forschungsfahrt wird der Vergleich mit den früheren Fahrten Anhaltspunkte für langfristige Veränderungen bieten. Entlang des Hikurangi Grabens sind Seeps unter anderem von tektonischen Vorgängen beeinflusst, denn hier schiebt sich die pazifische Erdplatte unter die australische. Eine Folge dieser Bewegung sind auch die starken Erdbeben, die Ende Februar besonders die Stadt Christchurch auf der Südinsel getroffen haben. Die Untersuchungen der Methanquellen stehen aber mit diesen Vorgängen nicht in Zusammenhang. Während die Gashydrate, die im Focus der Kieler Forscher sind, nur wenige hundert Meter unter dem Meeresboden liegen, haben sich die tektonischen Spannungen der Erdbeben in vielen Kilometern Tiefe aufgebaut. „Die Seeps verraten uns aber mehr über den Aufbau der Sedimente am Meeresboden und die Prozesse darin. Das könnte auch Rückschlüsse auf Gefahren wie Hangrutschungen zulassen“, sagt Bialas.

Neben Forschern aus Kiel sind auch Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover, des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ, Texel) und des neuseeländischen Institute of Geological and Nuclear Sciences (GNS, Lower Hutt) an dem Projekt beteiligt. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/go/nemesys
http://www.ifm-geomar.de/expeditionen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie