Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expedition in kaum erforschte Welten

25.10.2012
Der Forschungseisbrecher „Polarstern“ startet am 27. Oktober zu einer seiner längsten Fahrten überhaupt – in ein Revier, in dem in den 100 Jahren seit der Eroberung des Südpols nur ganz wenige Forscher um diese Zeit gearbeitet haben.

Professor Dr. Peter Lemke hat relativ klare Vorstellungen von den Witterungsverhältnissen, die er demnächst erleben wird. Eiskalt wird es sein, Schneestürme wird es geben, einige Wochen lang besteht keine Aussicht auf Sonnenlicht.


Der Countdown läuft: Im Dock der Bremerhavener Lloyd Werft wird die „Polarstern“ auf ihre bisher längste Reise in die Antarktis vorbereitet.
Foto: Wolfgang Heumer

Wenn hierzulande der Sommer beginnt, wird Lemke an Bord des Forschungseisbrechers „Polarstern“ auf der anderen Seite der Erde im atlantischen Sektor der Antarktis sein. Dort herrscht dann Polarnacht mit den beschriebenen Extremverhältnissen vor. Dass sich der international renommierte Meereis- und Klimawissenschaftler dennoch so sehr auf diese Reise freut, hat einen Grund: „Es ist eine der ganz seltenen Gelegenheiten, um diese Jahreszeit in dieser Gegend zu forschen.“

Ob für Biologen, Chemiker, Geowissenschaftler, Meteorologen oder Physiker: Das Weddellmeer im Winter gehört zu den letzten weißen Flecken auf dem Blauen Planeten. „Es gibt nur ganz wenige Schiffe, die sich in den Breiten um die Jahreszeit überhaupt aufhalten können“, sagt Lemke. Das Flaggschiff des AWI, die „Polarstern“, gehört dazu. Obwohl der Eisbrecher mittlerweile 30 Jahre alt ist, gilt er als die weltweit leistungsfähigste Forschungsplattform für die Arbeit auf den polaren Ozeanen.

Lediglich vier Mal ist die „Polarstern“ in den vergangenen drei Jahrzehnten während des süd-polaren Winters in der Region gewesen. „Wir versuchen, unsere Kapazität so zu nutzen, dass beide Polargebiete der Erde gleichermaßen erforscht werden können“, erläutert Dr. Uwe Nixdorf, Leiter des Bereiches Logistik und Arbeitsplattformen am AWI. Dass die Arktisforscher dieses Mal für die 19-monatige und damit längste Expedition in den Süden zurückstecken müssen, hat einen wichtigen Grund: die Erforschung des Klimawandels.

Während die sommerliche Meereisbedeckung in der Arktis seit Jahren dramatisch abnimmt, dehnt sich das Meereis rund um den eisigen Kontinent im Süden zur selben Zeit langsam weiter aus. „Aus den Satellitenaufnahmen können wir aber nicht ermitteln, ob nur die Fläche oder auch die Eismasse insgesamt zunimmt“, sagt Professor Lemke. „Unter Umständen nimmt auch im Süden die Menge an Meereis ab, ohne dass wir dies bislang bemerken konnten“, so Lemke.

Die 55 Wissenschaftler an Bord der „Polarstern“ blicken aber nicht nur auf das Eis, sondern auch darunter. Einer der weiteren Schwerpunkte des sogenannten Winterexperimentes ist es, möglichst viele Informationen über die meeresbiologischen Verhältnisse in der Region während der Wintermonate zu sammeln.

Der Vielzahl der geplanten Experimente und Probeentnahmen entsprechend muss die „Polarstern“ nun bis in den letzten Winkel mit Material und Ausrüstung gefüllt werden. Deswegen herrscht am Liegeplatz auf der Bremerhavener Lloyd Werft derzeit angespannte Betriebsamkeit. Während Werftarbeiter letzte Hand an das Schiff legen, beladen Mitarbeiter der Hamburger Reederei Laeisz das Schiff mit allem, was für eine Seereise zum anderen Ende der Welt erforderlich ist. Zugleich rollt Lkw für Lkw jedes Gerät an, das die Wissenschaftler an Bord benötigen.

Jeder Handgriff muss sitzen, nichts darf vergessen werden – was fehlt oder kaputt geht, kann jetzt nicht mehr ersetzt werden. Ohnehin ist bei allen Fahrten der „Polarstern“ nichts dem Zufall überlassen. Weltweit bewerben sich Wissenschaftler, um die schwimmende Forschungsplattform zu nutzen. In einem mehrjährigen Antrags- und Bewertungsverfahren wird dann von einem Expertengremium entschieden, wer mit welchem Thema einen der wenigen Plätze an Bord bekommt.

Pressekontakt:
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung,
Dr. Folke Mehrtens, Pressereferentin,
Telefon: 0471 – 48 31 20 07, E-Mail: folke.mehrtens@awi.de

Wolfgang Heumer | Pressedienst Bremen
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert
27.03.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten