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Europa kann Führungsrolle im Bereich Meeresbiotechnologie einnehmen

11.01.2011
Das Marine Board der Europäischen Wissenschaftsstiftung (European Science Foundation - ESF) stellt in seinem jüngsten Bericht fest, dass Europa im Bereich Meeresbiotechnologie bis zum Jahr 2020 die Führungsrolle einnehmen kann. Der Markt für Meeresbiotechnologie - nach aktuellen Daten mit 2,8 Mrd. EUR bewertet - verfügt über ein Wachstumspotential von jährlich 12%, wenn Industrie und Wissenschaft kooperieren.

Nach Aussagen der ESF-Experten weisen die sechs Meere Europas, von flachen Küstengewässern bis hin zur Tiefsee, unterschiedliche Bedingungen hinsichtlich Temperatur, Druck, Lichtverhältnissen und chemischer Zusammensetzung auf. Die Veränderungen, die es unzähligen Meeresorganismen ermöglichten, unter diesen Bedingungen zu gedeihen, haben eine lebende Bibliothek der Artenvielfalt hervorgebracht, die so unerforscht wie wenig genutzt ist, so das Marine Board des ESF.

Meeresbiotechnologen können diese Ressourcen nutzen, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Dies könnte auch zu Lösungen für verschiedene globalen Herausforderungen beitragen, wie etwa die Bereitstellung einer nachhaltigen Nahrungs- und Energieversorgung und die Entwicklung neuer Werkstoffe und Verfahren für die Industrie sowie neuer Medikamente und Heilverfahren.

"Meeresbiotechnologie schafft nicht nur Arbeitsplätze und Wohlstand, sie kann auch einen Beitrag zur Entwicklung einer umweltfreundlicheren, intelligenteren Wirtschaft leisten", erklärt Lars Horn, Mitglied des norwegischen Forschungsrats und Leiter des Marine Board. "Japan, China und die USA investieren bereits in erheblichem Umfang in die Meeresbiotechnologie. Wenn wir jetzt nicht handeln, verliert Europa den Anschluss."

Eine der Möglichkeiten der Europäer, die Ziele der Strategie Europa 2020 zu erfüllen, besteht darin, Biokraftstoffen eine Spitzenposition einzuräumen. Der Anbau von Mikroalgen zur Treibstofferzeugung zum Beispiel könnte eine Reduzierung der Treibhausgase um 20% bewirken. Nach Auffassung des ESF-Marine Board ist diese Technologie wahrscheinlich der beste Weg zur Stärkung des biologischen Potenzials der Meere. Weitere gründliche Forschung ist allerdings erforderlich, um bessere Ergebnisse erzielen und Kosten senken zu können.

Die Fachleute betonen auch, dass die Gewässer Europas eine potenzielle Quelle für neue Medikamente, Biomaterialien und Industrieprodukte wie Biopolymere (biologisch abbaubare Polymere) bieten. Europäische Forscher haben bereits mit der Entwicklung von mehr als 13 meeresbasierten Heilverfahren - darunter einige zur Krebsbehandlung - begonnen. Meeresbiotechnologie kann außerdem Aquakulturkapazitäten erheblich steigern und so dazu beitragen, Europas wachsenden Bedarf an nachhaltigen, gesunden Meeresfrüchten zu decken.

Der ESF-Bericht "Marine Biotechnology: A New Vision and Strategy for Europe" (Meeresbiotechnologie: eine neue Vision und Strategie für Europa) enthält einen Fahrplan für die europäische Forschung auf diesem Gebiet und formuliert eine zwar ehrgeizige, aber durchaus erreichbare Agenda der wissenschaftlichen und politischen Ziele für die kommenden 10 Jahre. Wenn jetzt die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, könnte Europa in der Meeresbiotechnologie das Ruder übernehmen, unterstrich das Marine Board.

Einige dieser Maßnahmen umfassen: die Bildung einer markanteren Identität und Schaffung einer besseren Kommunikation, um den Bekanntheitsgrad der europäischen Forschung auf dem Gebiet der Meeresbiotechnologie zu erhöhen; die Verbesserung der Kanäle für Technologietransfer, um die Kooperation zwischen Industrie und Forschung zu beleben; und die Entwicklung neuer Forschungsstrategien und -programme für Meeresbiotechnologie.

Das 1995 gegründete Marine Board dient der Förderung der Zusammenarbeit von europäischen Organisationen der Meereskunde mit dem Ziel, eine gemeinsame Perspektive für Forschungsprioritäten und Strategien der Meereskunde in Europa zu entwickeln. Im Marine Board sind 31 Organisationen aus 19 Ländern vertreten. Das Board übernimmt eine strategische Funktion und bietet seinen Mitgliedern ein Forum, auf dem Empfehlungen zu Maßnahmen in der Meeresforschung an die Adresse nationaler Agenturen und politischer Entscheidungsträgern in Europa entwickelt werden. Wichtigstes Ziel ist es, die Schaffung eines europäischen Meeresforschungsraums zu fördern.

Maive Rute, Direktorin der Abteilung Biotechnologie, Landwirtschaft und Ernährung der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission, kommentierte die Vision 2020 des Marine Boards mit den Worten: "Die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Meeresbiotechnologie werden künftig eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel für Verfahren im medizinischen Bereich durch die Entwicklung neuer Medikamente und Diagnostika."

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www.esf.org/research-areas/marine-sciences.html
http://www.kooperation-international.de

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