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Die Hominidfossilie wurde im Gebiet der "Wiege der Menschheit" entdeckt und kann auf rund 1,9 Millionen Jahre zurückdatiert werden. Der Fund wurde am 9. April in der amerikanischen Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht.
Der aussergewöhnlich gute Zustand der Fossilie ermutigt Wissenschaftler, ein zerstörungsfreies Werkzeug namens Röntgen-Mikrotomografie (X-ray Synchrotron Microtomography), das die Paläontologie und Paläoanthropologie im vergangenen Jahrzehnt revolutioniert hat, einzusetzen. Vorläufige, noch unveröffentlichte Ergebnisse zeigen ein Vorhandensein von etwas, bei dem es sich um fossilisierte Insekteneier handeln könnte, und geben Anzeichen von einem potenziellen Überrest des Gehirns des Hominiden.
Die Verwendung der Röntgen-Mikrotomografie zur Untersuchung von Fossilien wurde von Paul Tafforeau in der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble (Frankreich) entwickelt. Das ESRF Synchrotron-Licht ermöglicht es Forschern, das Innere eines Fossiliengesteins zu visualisieren, ohne es vorher aufbrechen zu müssen - und das manchmal sogar bis auf die Mikrometerskala genau. Dabei liegen Kontrast, Sensibilität und Auflösung weit über denen der herkömmlichen Röntgengeräte.
Prof. Lee Berger tat sich mit Paul Tafforeau zusammen und brachte die Fossilie im Februar 2010 zur ESRF, um sie einer zweiwöchigen, ausgiebigen Untersuchung zu unterziehen. Darüber hinaus wurden zusätzlich zum Schädel auch noch viele Bruchstücke des Skeletts, das fast vierzig Prozent eines gesamten Körpers ausmachte, analysiert.
Auch die Zähne der Fossilie wurden einer ausführlichen Untersuchung unterzogen. Die Analyse der internen Wachstumslinien und der Struktur verglichen mit dem Tagesstand könnten Rückschlüsse auf das Alter des Individuums zum Zeitpunkt seines Todes zulassen. Durch den Vergleich seines tatsächlichen Alters mit seinem Entwicklungszustand würden die Wissenschaftler Einblick in seine Lebensgeschichte - vor 1,9 Millionen Jahren - gewinnen.
Prof. Lee Berger trieb die Untersuchung sogar noch weiter, indem er die ESRF dazu nutzte, um mögliche Überreste der Weichteile des Körpers anzusehen, die normalerweise nicht fossilieren, wie z.B. das Hirngewebe. Dazu arbeitete er allerdings nicht die gesamte Steinmatrix aus dem Schädel heraus, wie es in der Vergangenheit zur Vorbereitung der Untersuchung bei den durchgeführten Verfahren für all die anderen hominiden Schädel der Fall war. Die Röntgenstrahlen konnten den Stein tief durchdringen, um alle fossilisierten Spuren aufzufinden und zu zeigen, was vor 1,9 Millionen Jahren vorhanden war.
Die Analyse der Daten hat gerade erst begonnen, aber die bereits verfügbare vorläufige Visualisierung des gesamten Schädels zeigt fossilisierte Insekteneier, deren Larven sich möglicherweise nach dem Tod des Hominiden von seinem Fleisch ernährt haben könnten. Die Wissenschaftler bemerkten ausserdem einen ausgeweiteten Bereich mit niedriger Dichte, der auf einen Überrest des Gehirns nach seinem bakteriellen Verfall hinweisen könnte.
Dies ist erst das zweite Mal, dass der vollständige Schädel eines Hominiden mit Hilfe der leistungsstarken Synchrotronstrahlung untersucht wurde. Diese Art der Analyse ist gegenwärtig nur in der ESRF möglich.
Die Wits Universität ist der Kurator der Fossilien, die Eigentum des südafrikanischen Volks sind.
Weitere Ressourcen sind am 12. April ab 11 Uhr verfügbar:
http://video360.world-television.com/esrf
Kontakt: Wits University: S.PATEL, +27-11-717-1019, Shirona.Patel@wits.ac.za, ESRF: M.CAPELLAS, +33-4-7688-2663, capellas@esrf.fr
Shirona Patel | Quelle: presseportal
Weitere Informationen: video360.world-television.com/esrf
www.esrf.fr
Weitere Berichte zu: ESRF > Fossil > Fossilie > Insekteneier > Röntgen-Mikrotomografie > Steinmatrix > Synchrotron > Synchrotronstrahlung
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